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Full text: 61, 1941

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte und des Marineobservatoriums — 61. Band, Nr. J 
Wir folgern also: Die Niederschläge sind wesentlich durdi das Vordringen der hochreichenden Kaltluft 
bzw. durch das Vordringen des gegenüber der Bodenkaltfront zum Teil vorauseilenden Labilisierungsfeldes 
gegen die beschriebene Warmluftmasse bedingt. Außerdem treten die Maxima der Niederschläge gerade auf 
der Zugbahn des entstehenden Sturmtiefs auf. Es liegt daher, im Rahmen der zu Eingang dieses Abschnittes 
vorausgesetzten Grundvorstellung, nahe, den Energiegewinn der Zyklone als aus thermodynamischen Kreis 
prozessen herrührend anzusehen, da die Zyklogenese erstens gerade im Grenzgebiet zwischen den warmen 
und kalten Luftmassen auftritt und überdies in der Umgebung des entstehenden Tiefkerns auch wirklich 
‘mächtige Umlagerungen (Niederschläge wesentlich durch Labilisierung in der Höhe) stattfinden. 
Auch mit dieser Vorstellung läßt sich dann am 25. erkennen, daß der Höhepunkt der Entwicklung 
überschritten sein muß. Einmal ist die Kaltluft nun bereits auf die Vorderseite des entstandenen Sturmtiefs 
gelangt, so daß die entscheidende Stelle des Hauptgegensatzes zwischen warm und kalt nicht mehr in der Nähe 
des Tiefzentrums liegt, während zum anderen sowohl die Labilisierungskarte vom 24. zum 25. (Abb. 31, 
Tafel VI) als auch die Labilitätskarte vom 25. (Abb. 44, Tafel VII) zeigt, daß in der Umgebung des Tief 
zentrums gegenüber den Vortagen stabilere Verhältnisse eingetreten sind, so daß Umlagerungen und damit 
Energiegewinnmöglichkeiten hier nicht mehr wahrscheinlich sind. 
H. Kopplung zwischen hochreichenden Kaltluftvorstößen 
bzw. vorauseilender Labilisierung in der Höhe und dem Temperaturfeld 
des Dreimassenecks. 
Insgesamt hat sich also bei der Untersuchung gezeigt, daß vor der heftigen Zyklogenese sowohl der 
Aufbau einer ausgeprägten Dreimassenecksituation als auch das Vordringen von hochreichender Kaltluft und 
damit auch das Vordringen eines zum Teil vorauseilenden Labilisierungsgebietes gegen eine (in diesem Falle 
zunädist im wesentlichen festliegende) Warmluftmasse gegeben war. Das ist nun kein Zufall. Zunächst ist 
es von vornherein klar, daß ein besonders kräftiges Vordringen von hochreichender Kaltluft gegen eine 
Warmluftmasse zu einem besonders kräftigen Temperaturgegensatz in der Höhe und damit zu einem Höhen 
sturm führen muß. 
Dringt aber die Kaltluft besonders kräftig in der Höhe vor, so liegt ein frischer Kaltlufteinbruch vor; 
d. h., die Kaltluft ist nicht nur an der Vorderseite V (Abb. 46, links), sondern auch an den Seiten rechts (R) 
und insbesondere auch links (I.) durch verhältnismäßig steil aufragende Grenzflächen umgeben, im Gegensatz 
zu einer flach auskeilenden Kaltluft. Diese Zentrierung der hochreichenden Kaltluft mit scharf begrenzten, 
steil stehenden Rändern V, R und L bedingt aber, daß sidr auch die Isothermen (in Abbildung 46 dünn ge 
zeichnet) der meist zungenförmigen Begrenzung der Kaltluft an 
passen. Ein frischer Kaltlufteinbruch hat daher durchweg die durch 
die Erfahrung bestätigte Form (etwa dargestellt durch die relative 
Topographie 500 bis 1000 mb) der Abbildung 46, links. Es ist ohne 
weiteres einzusehen, daß ein derartiger Kaltluftstrom nicht nur zu 
einem Höhensturm, sondern in der Regel auch zu einer kräftigen 
Richtungsdivergenz der Höhenströmung in der Nähe der Vorder 
seite V bei seinem Zusammentreffen mit einer Warmluftmasse führen 
wird, um so mehr, je kräftiger die eintretende Höhenabkühlung 
sein wird. 
Allerdings hängt die erzeugte Richtungsdivergenz auch noch 
wesentlidr von der Begrenzung der Warmluftmasse ab. In der Ab 
bildung 46, rechts, haben wir zwei extreme Fälle für die Warmluft 
begrenzung zur Darstellung gebracht. Trifft die Kaltluft auf eine 
„antizyklonal begrenzte“ Warmluftmasse (Abb. 46a), so ist das ent 
stehende Temperaturfeld ersichtlich genau übereinstimmend mit dem 
jenigen für die Dreimassenecksituation, und die Richtungsdivergenz 
der Höhenströmung ist gleichfalls sehr ausgeprägt. Je kräftiger der 
Kaltluftvorstoß ist, desto ausgeprägter wird auch das Temperaturfeld 
des Dreimassenecks bei dem Zusammentreffen mit einer „antizyklonal begrenzten“ Warmluftmasse werden. 
Zeigt die Begrenzung der Warmluft aber die Form der Abbildung 46b, so wird selbst ein kräftiger 
Kaltluftvorstoß (in Richtung des eingezeichneten Pfeiles) keine Dreimassenecksituation und auch keine 
K 
Abb. 46: Zusammentreffen von Kalt- und 
Warmluft.
	        
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