Rodewald, M.: Die Bedeutung des Dreimassenecks für die subtropischen Sturmtiefbildungen,
i1
Bedeutung des Dreimassenecks für die subtropischen
Sturmtiefbildungen.
Von Martin Rodewald, Hamburg, Deutsche Seewarte.
Zusammenfassung: Es wird der Nachweis erbracht, daß für eine Zyklogenese bzw, Zyklonen-
rertiefung in den Subtropen die Bedingungen des Dreimassenecks gegeben sind. Das Dreimasseneck
antsteht dadurch, daß zwei heterogene, präexistente Fronten in einem bestimmten Abschnitt gegen-
sinanderlaufen. Dies wird ermöglicht durch das Vorhandensein von zwei verschiedenen Steuerungs-
zentren der Druckwellen und der Luftmassen,
Die Vereinigungsstelle der beiden Fronten stellt eine neue, verschärfte Front bzw, Frontalzone
dar, in deren Delta der plötzlich verstärkte Druckfall erfolgt. Es erscheint von Bedeutung, daß gleich-
zeitig mit der Herausbildung dieser neuen Frontalzone entferntere Prozesse laufen, welche für eine
„‚Offenhaltung“ ihres Deltas sorgen.
Die Verhältnisse, die als verantwortlich für die Sturmtiefentwicklung südwestlich der Azoren
rom 8. bis 9, Oktober 1903 aufgezeigt wurden, lassen sich übertragen auf die östlich Nordamerika
häufiger stattfindenden subtropischen Zyklogenesen („Golfstromzyklonen“). Auch zu den von Bergeron
und Swoboda sowie von R, Schröder behandelten Fällen von Zyklonenbildung bzw. -neuvertiefung
in Europa ergeben sich Analogien,
Eine kurze Schlußbemerkung beschäftigt sich mit dem Wellencharakter der Störungen,
1. Einleitung.
W. Rudloff hat es in einer unlängst in dieser Zeitschrift erschienenen
Arbeit!) unternommen, die Entstehungsbedingungen der sog. Golfstromzyklonen
zu klären. Er findet dabei einen bestimmten formalen Zusammenhang der Zyklo-
genesen mit wandernden Drucksteiggebieten bzw. Antizyklonen, von dem er sagt?),
daß „seine Deutung allein mit der von Seifert bewiesenen Tatsache der Labili-
sierung durch hohe Steiggebiete möglich ist“. In einem „Übersichtsbild zur
Entstehung der Golfstromzyklonen“3) stellt Rudloff den erwähnten Zusammen-
hang dar.
Rudloffs Befund erhält nun eine Stütze, indem sich in einer zurückliegenden
Arbeit des Verfassers über den Bermuda-Orkan vom April 1933*) schon ein Ent-
stehungsschema für dieses Sturmtief findet®), das dem von Rudloff unabhängig
gewonnenen für die „Golfstromzyklonen“ genau entspricht. Vergleicht man ins-
besondere das Bild der Großwetterlage bei Entstehung des Bermuda-Orkans®)
mit dem erwähnten Übersichtsbild Rudloffs (Karte 23), so wird man eine so
weitgehende Ähnlichkeit bemerken, daß die Figur 4 der damaligen Studie ohne
weiteres als gutes Beispiel für Rudloffs Schema herangezogen werden kann
{Zyklogenese östlich Nord-Florida bei der Lage des einen Hochs südöstlich Neu-
Fundland, des anderen südwestlich der Hudsonbay). Wenn derart auch unter-
strichen wird, daß bei Entstehung der „Golfstromzyklonen“ eine bestimmte Kon-
stellation der Druckgebilde als typisch gelten kann, so ist es doch wohl nicht
so, daß dieser formale Zusammenhang, wie Rudloff meint, nur eine Deutung
zuläßt. Ein andersartiger Erklärungsversuch ist bereits in der Untersuchung
des Bermuda-Orkans vom April 19337) gegeben worden, allerdings in einer weniger
strengen als faßlichen Form,
Das dort Ausgeführte möge an Hand der umstehenden Skizze (Abb. 1)
kurz dargestellt werden. Die Figur gibt die Konstellation für Zyklogenesen nach
der Karte 23 von Rudloff wieder: Zur Zeit der Hoch-Lagen, wie sie auf den
beiden (ausgezogen) eingezeichneten Antizyklonenbahnen markiert sind, entsteht
das Tief an der markierten Stelle der (gestrichelten) Zyklonenbahn., Bei dieser
Lage findet um die beiden Hochdruckgebiete Kaltluftadvektion etwa in der Weise
statt, wie es die kräftigen Pfeillinien andeuten; die Grenzen dieser Kaltluftmassen
mögen dann ungefähr so zu liegen kommen, wie es die Fronten in der Figur
angeben.
Dies würde bedeuten, daß sich zwischen Florida und Bermuda zwei Fronten
und drei thermisch verschiedene Massen treffen. Die drei Massen sind: echte
ı) Willy Rudloff, Golfstromzyklonen. Ann, d. Hydr. 1936, S. 185 bis 198, — % Rudloff
a. a. 0. S. 195. — %) Rudloff a. a. O., Tafel 30, Karte 23, — 4) Martin Rodewald, Der Bermuda-
Orkan vom 26, April 1933, Der Seewart 1934, S, 119 bis 124, — %) Rodewald a. a. O., Tafel 5,
Fig. 55 — 9 Rodewald a. a. O., Tafel 5, Fig. 4. — 7) Rodewald a. a. O., 8. 122 bis 123.