16
2. Dampfer Theben. Das Schiff von 1686 R.-Tons Grösse wurde im Jahre 1878/79 auf derselben
Werft in derselben Richtung gebaut, wie Bamses. Die ganze Einrichtung, wie auch die Aufstellung des
Kompasses war dieselbe, auch lag das Schiff während der Ausrüstung längsseits der Werft NOzN an.
Bei der Probefahrt am 24.—.25 April 1879 wurden die Kompasse regulirt und für den Regelkompass gefunden
B = +12?a, C — — 0?2, der Koeffizient B also beträchtlich grösser als beim Bamses. Es erschien daher
wegen der wahrscheinlichen Grösse des Induktionskoeffizienten ~ von —0.100, wodurch allein für die mag-
netische Breite von Hamburg ein B = —14° hervorgerufen wurde, die Wirkung der Längsschiffskomponente
des permanenten Magnetismus also +26° betragen musste, geboten, einen Theil dieser Kraft durch einen
Magneten zu kompensiren. Kapitän Woegens, welcher auch den Bamses auf den ersten Reisen geführt
hatte, wollte indess den Kompass lieber unkompensirt lassen, da er vielleicht früher mit kompensirten
Kompassen bei grossen Breitenveränderungen schlechte Erfahrungen gemacht und beim Bamses der Kom
pass sich ohne Kompensation gut bewährt hatte. Es unterblieb desshalb die Kompensation. Bei der
ziemlich sicheren Schätzung der Grösse des durch die Aufstellung des Kompasses vor dem Schornstein
und den Maschinen bedingten Induktionskoeffizienten*) — > der auf südlichen Breiten in derselben Rieht-
ung wie der permanente Magnetismus wirken musste, so wie nach den durch die Analyse der Beobachtungen
des Bamses und anderer Schiffe gemachten Erfahrungen über die Abnahme des Magnetismus während der
ersten Reise, wonach im ersten Theile der Reise keine so grosse Aenderungen zu erwarten waren, die
Deviation bei Kap Horn aber so beträchtlich werden musste, dass bei südlichen Kursen wegen der dann
sehr geschwächten Richtkraft des Kompasses die Navigirung des Schiffes zu sehr erschwert werden konnte:
wurde es für nöthig erachtet, dem Kapitän eine Instruktion zur eventuellen Kompensirung des Kompasses
mitzugeben. Diese Instruktion lautet in Bezug hierauf, wie folgt:
„Bezüglich der Deviation dieses Kompasses ist zu bemerken, dass dieselbe, je weiter das
Schiff nach Süden kommt, höchst wahrscheinlich auf östlichen und westlichen Kursen in demselben
Sinne zunehmen wird. Nach Analogie der beim Dampfer Bamses gemachten Erfahrungen ist es
gemäss der hier am 24. und 25. April gefundenen Deviation anzunehmen, dass bei Kap Horn etwa
8 Strich West-Deviation auf Westkurs und so viel Ost-Deviation auf Ostkurs vorhanden sein wird.
Sollte ein solcher Fall eintreten, so würde der Kompass, wie hier im Hafen schon vorgeschlagen, kom-
pensirt werden müssen. Es könnte hierzu einer der grossen Magnete vom Kompass auf dem Hinter
deck benutzt werden. Der Magnet muss längsschiffs horizontal unter den Kompass gelegt
werden und zwar mit dem rothen (Nord) Ende nach vorn, doch so, dass die Mitte des Magnets
unter der Mitte des Kompasses zu liegen kommt; Entfernung von der Kompassrose etwa 80 Zenti
meter. Es wird noch ein Theil der Deviation übrig bleiben, doch kann der Magnet dann auch auf
nördlichen Breiten liegen bleiben, was immer besser ist,“
Hamburg, den 26. April 1879. Abtheilung II der Seewarte,
gez. Koldewey.
Die gemachten Hypothesen über die Aenderung der Deviation erwiesen sich in allen Theilen als richtig.
Wie aus Tafel III erhellt, wurde auf 22° S und 39° W bereits B = +21° beobachtet, so dass der Kapitän
sich genöthigt sah, die Kompensation wie vorgeschrieben vorzunehmen, wodurch die Deviation so weit
verringert wurde, dass das Schiff nach dem Kompass mit Sicherheit navigirt werden konnte. Leider wurde
der Magnet während der Rückreise im Nordatlantik wieder entfernt, wodurch die Untersuchung über die
Aenderungen im Magnetismus einigermaassen erschwert wurde. Aus der Vergleichung der beobachteten
Koeffizienten in der Nordsee, ausgehend und rückkehrend, geht indess hervor, dass der Magnetismus des
Schiffes in der Längsschiffskomponente in ähnlicher Weise abgenommen hat, wie bei Bamses. Die
Aenderung beträgt nämlich bei B im Mittel
8?5 + ll?8 + 7?8 2°6 + 3?2
- 2~= 6 - 6
*) Ueber die Grösse dieses Koeffizienten für die auf den Kommandobrücken von Dampfern derselben Art aufgestellten
Kompasse, vergleiche auch „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“, 1877, pag. 397.