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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

520 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1910. 
Gewitter stellten sich namentlich in der ersten sowie in der letzten Dekade ein, 
Stürmische Winde waren selten; sie traten nur an vereinzelten Stellen des Küsten- 
yebietes auf; in größerer Verbreitung am 21. und 26, an der Nordsee- und west- 
lichen Ostseeküste sowie am 22., 23. und 24, an der östlichen Ostseeküste; sie 
wehten fast durchweg aus westlichen Richtungen. 
Ein Tiefdruckgebiet bedeckte am 1. Juli Mittel- und Nordeuropa einem 
Hochdruckgebiet über Südwesteuropa gegenüber; die Winde wehten aus westlichen 
Richtungen und frischten an einzelnen Stellen des Küstengebietes zu Stärke 7 
auf; die Luft war ziemlich kühl, stellenweise traten Gewitter auf, und überall 
fielen Niederschläge. Am 2., wo sich das Tiefdruckgebiet etwas weiter ostwärts 
verlagert hatte, flauten die Winde ab; nur an der östlichen Ostseeküste blieben 
sie noch stellenweise steif. Während nun die Depression unter Verflachung 
weiter ostwärts fortschritt, nahte von Südosteuropa her ein Tiefdruckgebiet, das 
sich mit einem Ausläufer des vorgenannten Tiefs vereinigte und, fast &anz 
Zentral- und Osteuropa bedeckend, für die Witterung an der deutschen Küste 
bis zum 12, Juli Bedeutung behielt, Ein Hochdruckgebiet hielt sich unterdessen 
über West- und Nordwesteuropa auf, und die Winde wehten vorwiegend aus west- 
lichen bis nördlichen Richtungen. Bis zum 10, blieb das Wetter für den größten 
Teil des Küstengebietes regnerisch, namentlich im Östen, und nur am 8, und 9. 
Frischte der Wind vereinzelt etwas auf. Am 11, und 12., wo sich das Tiefdruckgebiet 
ostwärts zurückzog, hatte nur noch die Östliche Ostseeküste Niederschläge. Vom 
13. ab trat bei sehr gleichmäßig verteiltem Luftdruck fast überall trockenes, 
stellenweise heiteres und an der Ostseeküste vielfach heiteres Wetter ein. Das Hoch- 
druckgebiet über Nordwesteuropa breitete sich unter Zunahme an Höhe weiter 
ostwärts aus, so daß es am 17. (mit einem Ausläufer) das ganze Küstengebiet 
bedeckte. Die Temperaturen zeigten nur wenig Anderung und blieben nahezu 
normal. Das Wetter erhielt sich vorwiegend heiter und fast ganz trocken. 
Am 18, trat eine durchgreifende Änderung der Wetterlage ein. Der ge- 
nannte Hochdruckausläufer trennte sich ab und zog ostwärts und später nach 
Nordosteuropa ab, wo er noch am 23. auf der Wetterkarte sichtbar blieb, wo- 
gegen ein von der Biskaya-See ostwärts fortschreitendes Tiefdruckgebiet dem 
deutschen Küstengebiet am 18, Trübung und Niederschläge brachte. 
Während von Südwesteuropa her ein Hochdruckgebiet dieser Depression 
nachrückte, erschien am 21. über den Britischen Inseln ein neues Tiefdruckgebiet, 
das sich mit der vorgenannten Depression vereinigte und an der Nordsee- sowie 
westlichen Ostseeküste steife und stürmische südwestliche Winde hervorrief. Am 
folgenden Tage flauten die Winde im Westen ab, frischten aber an der östlichen 
Ostseeküste auf. Am 23. drang das Hauptzentrum der Depression schnell ost- 
wärts vor und brachte dem deutschen Küstengebiet erneut Regenfälle und steife 
südwestliche Winde, die im äußersten Osten zu vollem Sturm anwuchsen. Da 
alsbald eine neue Depression von den Britischen Inseln herannahte, blieb das 
Wetter noch weiterhin unruhig; an einzelnen Stellen der Nordsee- und Ostsee- 
küste wehten bis zum 26. starke und steife südwestliche Winde. 
Während am 27. das Hochdruckgebiet von Südwesteuropa über den Kontinent 
ostwärts zog, verlagerte sich das Tiefdruckgebiet unter Abnahme an Höhe nach 
dem Norwegischen Meere, und die Winde flauten ab. Auch die Niederschläge 
ließen nach, bis am 29. wiederum eine Depression von den Britischen Inseln 
heranzog und dem deutschen Küstengebiet erneut Regenwetter brachte, das von 
zahlreichen Gewittern begleitet war. 
Berichtigungen. 
In der Arbeit: Unperiodische Temperaturschwankungen im Golfstrom usw. von J., Petersen 
(Ann, d. Hydr. usw.« 1910, &. 397 ff.) sind in der Fig. 1 auf S. 399 die Bezeichnungen der Breiten- 
zrade dahin zu berichtigen, daß es heißen muß 40° statt 30° und 45° statt 50°. 
In »Ein Nach- und Schlußwort zur Diskussion über die Theorie der Entstehung der Tiden« 
von Aloys Müller, »Ann, d. Hydr. usw.« 1910, ist auf S. 449 in Zeile 14 von oben zu lesen »bei 
dem vorläufigen Problem« statt »bei dem relativen Problem«. 
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