Vergleichende Uebersicht etc., Juni 1884.
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Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Juni 1884
in Nordamerika und Centraleuropa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington
Ind der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats
Juni 1884 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber.
Centraleuropa.
1. Die ungewöhnlich grofse Zahl
von barometrischen Depressionen,
welche das Innere des Erdtheils durch-
zogen, während der Westrand des-
selben fast gar nicht von cyklonischen
Gebilden überschritten wurde; mehrere
dieser Depressionen zeichneten sich
durch anomale Bewegungen aus.
Das lange, vom 10. bis 26. an-
dauernde Verweilen eines Gebietes
hohen Druckes über den westlichen
Küstengebieten von Frankreich und
Südwestbritannien; erst in den letzten
Monatstagen führte dasselbe eine
Bewegung nordostwärts nach Finn-
land aus.
2. Der bis zu etwa 2mm zu niedrige
mittlere Luftdruck in den Golfstaaten,
dem nördlichen Plateau und an der
Nordpacifischen Küste; der bis zu
Imm zu hobe in dem Gebiete vom
Mississippi östlich bis nach der Küste
von New-England.
3. Das Vorherrschen der nordöst-
lichen bis südöstlichen Winde in der
Seenregion, dem oberen Mississippi-
und Obhio-Thal und Tennessee, der
südlichen bis nordwestlichen auf dem
äbrigen Gebiete.
Die häufigen und heftigen Lokal-
stürme, welche meistens von starken
Regenfällen begleitet waren und nicht
anerheblichen Schaden anrichteten.
Die aufserordentlich grofen
Regenmengen an der Pacifischen Küste,
wo die Monatssumme die Normale um
mehr als 10 Mal übertraf, Auch in
den Südstaaten östlich vom Mississippi
war die Regenmenge zu grofs, während
dieselbe in den Staaten östlich von
Dakota und Nebraska zu gering war.
4,
2. Der in Centraleuropa um 1 bis
3m zu niedrige mittlere Barometer-
stand des Monats. Die Monats-
schwankung des Barometers war im
Norden normal, im Süden etwa um
Vs zu grof.
3. Das Vorherrschen der west-
lichen bis nordöstlichen Winde, ins-
besondere im nördlichen Centraleuropa,
während im südlichen‘. die südwest-
lichen bis nördlichen vorwiegend
waren.
4. Die grofse Häufigkeit der Nieder-
schläge und das Vorherrschen von
trübem unfreundlichem Wetter, ins-
besondere in den Tagen vom 20. bis
24. Juni. Die Menge des Regens
übertraf im Norden und Süden die
Normale um 12%. Die grofse Ge-
witterhäußgkeit, insbesondere in den
zwei ersten Dekaden, wiewohl die
Verbreitung der Gewitter meistens
nicht sehr grofls war.