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Volltext : Jahresbericht 1871

XVIII

17)  Valparaiso,  den  26.  October  1871.
Der  Gesundheitszustand  von  Valparaiso  und  Umgegend  hat  sich  seit  dem
Schreiben  vom  15.  Juli  nicht  verändert.
Es  werden  am  hiesigen  allgemeinen  Hospital  bauliche  Vergrösserungen  vorgenommen,
  auch  sollen  mehr  Aerzte  an  demselben  angestellt  worden.
Von  dem  Herrn  Konsul  John  Fehland.
18)  Valdivia,  39°  50'  S.,  73 n  35'  W.,  (Chile)  den  20.  Mai  1871.
Der  Gesundheitszustand  dieser  Provinz  lässt  im  Allgemeinen  wenig  zu
wünschen  übrig,  doch  begünstigt  das  feuchte  Klima  catarrhalische  Affectioneu.
Dysenterie  kommt  besonders  während  des  Herbstes  (Februar,  März,  April)  vor,
wo  unreifes  Obst  und  ungegohrener  Aepfelwcin  viel  genossen  werden.  Die
Krankheit  ist  selten  bösartig.  Wir  sind  im  Uebrigeu  frei  von  epidemischen
Krankheiten,  mit  Ausnahme  der,  namentlich  unter  der  eingeborenen  Bevölkerung,
periodisch  in  milder  Form  auftretenden  Pocken.
Seeleute  haben  sich  hier  vor  Syphilis  zu  hüten.
Dem  städtischen  Hospital  steht  ein  guter  deutscher  Arzt  vor,  an  Medikamenten ­
  und  Räumlichkeiten  ist  kein  Mangel,  wohl  aber  an  den  übrigen  für
Kranke  nothwendigen  Bequemlichkeiten.
Aus  der  Broschüre  des  Ree.  J.  E.  Ash,  Kaplans  der  Britischen  Gesandtschaft
su  Buenos-Apres  über  die  Zeit  vom  25.  Mars  1870—8.  Juni  1871.
19)  Buenos-Ayres,  34°  36'  S.,  58°  22'  W.  (Argentinische  Bepublik).
Die  Ausdünstung  des  Riachuelo  war  schon  im  December  1870  so  schlimm,
dass  manche  Leute  erkrankten,  wenn  der  Südwind  diese  Ausdünstung  in  die
Stadt  trieb.
Das  gelbe  Fieber  zeigte  sich  zuerst  bei  Paraguitischen  Gefangenen,  welche
nach  Asuncion  zurückkehrten.  Es  war  Anfangs  nicht  sehr  bösartig,  doch  starben
einige  hundert  Personen.  Englische  Aerzte  hatten  viel  Glück  in  ihrer  Behandlung
mit  Chinin  und  Senfbädern.
Dann  ging  die  Krankheit  nach  Corrientes  und  trat  schlimm  auf.  Die
meisten  Aerzte  und  Apotheker  mit  dem  vierten  Theil  der  Einwohner  wurden
hinweggerafft.
Buenos-Ayres  wurde  von  da  aus  inficirt,  zuerst  der  bevölkertste  und
schmutzigste  Theil  der  Stadt,  genannt  Sau  Telmo.  ln  derselben  Zeit  (erste
Woche  des  Januar  1871)  langte  ein  Schiff  mit  Auswanderern  aus  Genua  au,
welches  in  Barcelona,  wo  die  Krankheit  herrschte,  inficirt  worden  war,  wodurch
14  Passagiere  unterwegs  starben.  Angekommen,  zeigte  der  Kapitän  nur  seine
Papiere  aus  Genua  und  konnte  so  seine  Auswanderer  unbeanstandet  die  Stadt
betreten  lassen,  wodurch  wahrscheinlich  Krankheitskeime  ausgesäet  wurden.
Der  Sommer  war  einer  der  heisscsten  seit  vielen  Jahren  und  wirkte  bei
dem  grossen  Schmutze  der  Stadt  entsprechend  schädlich  ein.
Der  La  Plata  war  so  sehr  vom  Riachuelo  vergiftet,  dass  die  Rhede  von
todten  Fischen  bedeckt  wurde  und  doch  waren  die  Bürger  dev  Stadt  darauf  angewiesen, ­
  das  Wasser  des  Flusses  zu  trinken.  Erst  als  bis  Ende  Januar  schon
200  Menschen  dem  gelben  Fieber  erlegen  waren,  wurde  Allarm  geschlagen,  gleichwohl ­
  leugnete  noch  immer  ein  Theil  der  Aerzte,  dass  mau  es  mit  dieser  Krankheit
zu  thun  habe.  Bei  alle  dem  fuhren  die  grossen  Schlachtereien  in  ihrer  Arbeit
fort  und  färbten  den  Riachuelo  buchstäblich  blutig.
            
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