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GOOS-Workshop: Kurzfassungen der Vorträge
Themenkreis II: Ressourcennutzung und Meeresumweltschutz
Erwartungen und Beiträge der Fischereiforschung zur Nutzung der
lebenden Ressourcen des Meeres (im Rahmen von GOOS)
Gert Hubold
Bundesforschungsanstalt fiir Fischerei Hamburg
Fischerei stellt in einigen Meeresgebieten (z.B. Nordsee) den stärksten menschlichen Eingriff
in das marine System dar. Wesentliche Fischbestände sind heute überfischt oder werden sub
optimal genutzt. Die Gesamtmenge der Anlandungen stagniert, und die Artenzusammen
setzung der Fänge hat sich hin zu minderwertigen Massenfischen verschoben, die nicht dem
direkten menschlichen Verzehr dienen.
Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung ist mit einem weiter ansteigenden Bedarf an
Nahrung aus dem Meer zu rechnen. Bis zum Jahr 2015 müßte weltweit der Fang verdoppelt
werden, um den heutigen Versorgungsstand von durchschnittlich 15 kg Fisch pro Kopf und
Jahr zu halten. Große Fangsteigerungen aufgrund neuer unkonventioneller Fischarten etwa
aus der Tiefsee, der Hohen See oder der Polarmeere sind jedoch nicht zu erwarten. In den
Mittelpunkt unserer Bemühungen treten daher die Wiederherstellung, der Erhalt und die
effektivere Verwendung der traditionell genutzten Ressourcen.
Fischerei- und Meeresforschung tragen dazu bei, daß die natürlichen Ressourcen des Meeres
für die Ernährung der Menschheit sinnvoll und nachhaltig auch in Zukunft nutzbar bleiben.
Eine ökologisch optimierte Nutzung mariner Systeme setzt gründliche Kenntnisse über die
Ökosysteme und ihre Produktionsmechanismen voraus, die nur über dauerhafte langjährige
Beobachtung der biologischen und abiotischen Parameter zu erzielen sind. Die Fischereifor
schung, die in vielen Ländern als auf Dauer angelegte Aktivität etabliert ist, ist eine der
wenigen Quellen, die z.T. weit zurückreichende quantitative biologische Datenreihen liefert.
Die in den Fischpopulationen sich widerspiegelnden Umweltveränderungen (einschließlich
der anthropogenen Eingriffe) können rückwirkend analysiert werden und geben Aufschluß
über die tatsächliche Variabilität genutzter mariner Ökosysteme und die Einwirkung bestimm
ter Faktoren auf diese Systeme. Internationale Projekte sind in Arbeit, um diese wertvollen
Datensätze einer modernen Auswertung zugänglich zu machen.
Künftige fischereibiologische Modelle zur Bewirtschaftung der Fischbestände werden
vermehrt biologische (Primärproduktion, Plankton, Nahrungskonkurrenz) und physikalische
Daten (Strömungen, Stabilität, Temperaturveränderungen, Eisbedeckung) auf größeren
räumlichen und zeitlichen Skalen benötigen, um die Wechselwirkungen zwischen heute noch
sehr weit auseinanderliegenden Einflußgrößen zu beschreiben. Hieraus ergibt sich ein Bedarf
an abgestimmten Operationellen Forschungsprogrammen zwischen Ressourceninstituten und
marin-biologischen, -physikalischen und -klimatologischen Arbeitsgruppen, die nur in einem
großen internationalen Rahmen effektiv koordiniert werden können. Ein solcher Rahmen steht