552 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1906.
zunächst an der Nordsee, späterhin auch an der Ostseeküste, starke Winde aus
meist westlichen Richtungen mit Trübung des Himmels und Regenfällen. Am 7.
wehten die Winde vielfach stürmisch aus dem Nordwestquadranten. Das Binnen-
land stand indessen größtenteils unter dem Einfluß des in östlicher Richtung
durch das südliche Deutschland ziehenden Hochdruckgebietes, welches am Schlusse
dieser Periode das Schwarze Meer erreicht hatte.
Ihm folgte am 9. Tage des Monats ein neues, westlich von Irland er-
schienenes Maximum, das sich ebenfalls östlich bewegte, und deshalb, abweichend
von dem vorigen Hochdruckgebiet, mit seinem Kern etwas nördlich der deutschen
Küste und dieser parallel zog. Hier herrschten demgemäß während dieser
Wetterlage bis zum 12. September nur leichte, und da die Küste anfangs an der
Vorderseite, darauf an der Südseite des Maximums gelegen war, zunächst nörd-
liche, dann nordöstliche und östliche Winde. Zugleich sank die Temperatur
ziemlich stark, während die Bewölkung abnahm und die Niederschläge aufhörten.
Dann aber setzte mit dem 13. September eine ungewöhnlich lange (10tägige)
Witterungsperiode ein, eingeleitet durch ein barometrisches Minimum, welches
nördlich von den britischen Inseln erschienen war, und eine gleichzeitig von Süd-
osteuropa her in nördlicher Richtung vordringende Depression; dieses rief am
13. an der ostdeutschen Küste ausgebreitete schwere Nordoststürme bis Rügen
hin und nach Westen an Kraft abnehmend, hervor. Das im Nordwesten er-
schienene Minimum schlug auf seiner Wanderung nicht die gewöhnliche nord-
östliche Richtung ein, sondern zog südöstlich nach Deutschland, wo es sich
später mit der genannten, von Südosteuropa stammenden Depression vereinigte
und für fast ganz Deutschland Regenwetter herbeiführte, welches bei meist
schwachen Winden und ziemlich niedrigen Temperaturen während des größten
Teiles der Periode anhielt. Die deutschen Küstengebiete heben sich während
dieser ganzen Zeit kaum durch besondere Vorgänge und Erscheinungen von dem
geschilderten allgemeinen Witterungs-Charakter ab. Es verdient jedoch vielleicht
das Eine hervorgehoben zu werden, daß die ungewöhnliche Häufigkeit der öst-
lichen Winde an der deutschen Küste — wie die vorstehende Tabelle erkennen
läßt — vornehmlich auf die soeben gekennzeichnete lang anhaltende Witterungs-
periode zurückzuführen ist, da sich die erstere fast andauernd an der Nordseite
der über Deutschland ausgebreiteten Depression befand.
Der 23. September stellt sich als Beginn einer neuen und der letzten
Periode dieses Monats dar: Die Depression, welche 10 Tage lang die Witterung
in Deutschland beherrscht hatte und zuletzt kaum nennenswert von der Stelle
rückte, zeigt sich an dem genannten Tage weit ostwärts, nach Südrußland ver-
lagert, so daß Deutschland ziemlich plötzlich ihrer Wirkungssphäre entrückt
wurde. Statt dessen dringt aus dem Nordwesten Europas wiederum ein baro-
metrisches Maximum (in südöstlicher Richtung) nach Deutschland vor, welches
daher anfangs kalte nördliche, später im ganzen etwas wärmere nordwestliche
Winde brachte. Diese waren, dem antizyklonalen Charakter der Wetterlage ent-
sprechend, selbst an der deutschen Küste bis zum Schlusse des Monats im all-
gemeinen schwach, Nur der östliche Teil des deutschen Ostseegebietes bekam
einmal während dieser Zeit, nämlich am 28., starke Winde. Eine schon mehrere
Tage zuvor im hohen Norden gelegene Depression hatte während des südöst-
lichen Vordringens des hier in Rede stehenden Hochdruckgebietes ihren Bereich
in südlicher Richtung ausgedehnt und lag mit ihrem Kern unter 735 mm über
dem Weißen Meere. Der barometrische Gradient verstärkte sich, wie die Wetter-
karte vom 28. September zeigt, und es entwickelten sich starke westliche Winde,
welche jedoch bald wieder abflauten und schon am folgenden Tage auf die
Stärke 2 nach der Beaufort’schen Skala zurückgingen. Die Ursache hierfür läßt
sich darin suchen, daß sich das Hochdruckgebiet in westlicher Richtung zurück-
zog und das nordische Minimum gleichzeitig in östlicher Richtung entfernte, so
daß das Luftdruckgefälle eine starke Abnahme erfuhr,
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