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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915,
VII. Die Versuchsresultate.
Bei den beiden unten ausführlicher beschriebenen Freiballonfahrten
konnte das Vertikalanemometer naturgemäß nicht in unmittelbarer Nähe des
Ballonkorbes aufgehängt werden, da hier die vertikalen Windfäden durch den
Korb und den Ballon starke Abweichungen von den in der freien Atmosphäre
herrschenden Verhältnissen aufweisen. Es wurde daher etwa 30 m unterhalb
des Korbes aufgehängt; denn man kann annehmen, daß dort die Windbewegung
vom Ballon noch nicht beeinflußt ist. Der Apparat wurde an zwei Stricken
befestigt, um eine Drehung relatiy zum Ballon zu vermeiden. Die ‚geringen
Drehungen, die der Ballon selbst häufig ausführt, spielen für die Registrierung
keine Rolle, Sie geben einen Fehler, der ohne weiteres zu vernachlässigen ist,
Vom Windrädchen führte eine elektrische Doppelleitung in den Korb, die hier
mit einem Schalter verbunden war. Es war so möglich, vom Korb aus das Zeit-
markenlämpchen einzuschalten, Während der eigentlichen Messung, die bei den
beiden Fahrten je über eine Stunde ausgedehnt wurde, wurde in jeder Viertel-
minute eine Ablesung am Variometer gemacht und im gleichen Augenblick eine
Zeitmarke gegeben. Um die vollen Minuten genau festzulegen, wurden sie durch
einen Doppelkontakt gekennzeichnet. Auf diese Weise war es möglich, in ein-
wandfreier Weise die zusammengehörenden Werte vom Variometer und Wind-
rädchen nach der Entwicklung des photographischen Streifens herauszufinden.
Die Auswertung der Streifen geschah in der Weise, daß zunächst mit
Hilfe der Zeitmarken die für jede Stelle des Streifens gültige Papiergeschwindigkeit
ermittelt wurde. Diese war nicht konstant, da sich mit der Zeit der Durch-
messer der von dem Uhrwerk getriebenen Papierrolle vergrößerte, Das Vor-
zeichen der Windgeschwindigkeit ergibt sich in eindeutiger Weise aus der
Punktfolge. Je sechs Punkte entsprechen einer Umdrehung des Windrädchens.
Die Versuche wurden bei einer größeren Anzahl von Fahrten durchgeführt. An
dieser Stelle seien die Resultate von zwei Fahrten wiedergegeben.
Fig. 9 und 10.
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Fahrt am 22. Jannar 1911. Die Fahrt, die von Herrn H. Rotzoll geführt
wurde, war die 112. Fahrt des Ballons »Ziegler« (1500 m°) des Frankfurter
Vereins für Luftfahrt. Der Ballon wurde in Griesheim-Elektrom mit 1000 m}
Wasserstoff gefüllt und erhob sich morgens um 11 Uhr mit 17 Sack Ballast. In
300 m Höhe befand sich eine etwa 100 m dicke, geschlossene Wolkendecke, an
deren Inversionsschicht der Ballon zunächst einige Zeit aufgehalten wurde. Dann
durchbrach er sie und stieg in vollkommen klaren Himmel bis auf etwa 2500 m.
Von dieser Höhe fiel er in drei Stunden langsam auf die Wolkenschicht wieder
herunter. Während dieses Abstiegs wurde die Registrierung ausgeführt. Die
Landung erfolgte nachmittags 4h 10min sehr glatt bei Lengfeld, südöstlich Dieburg.
Die Resultate der Messungen zeigen die Figuren 9 und 10. Da leider die
Flügel des Windrädchens vor der Abfahrt des Ballons durch ein Versehen ver-