Die Witterung an der deutschen Küste im April 1900.
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Pommern, der 18. an Theilen der Ostsee, der 20, an der Nordsee und westlichen
Ostsee, der 21. bis 24. an der ganzen Küste und der 28. von der Oder ostwärts.
Bei hohem, von Nordskandinavien nach der Biscaya-See hin ausgebreitetem
Luftdruck wehten zu Anfang des Monats meist nördliche bis nordöstliche Winde
an der Küste bei überwiegend heiterem Wetter; unter der Einwirkung ‚eines
kleinen Theilminimums traten in der Nacht zum 2. an der Ostsee Niederschläge
ein, die am 2, über die ganze Küste ausgebreitet waren. In der folgenden Nacht
nahte ein tiefes Minimum auf dem Ozean westlich von Schottland, das seinen
Wirkungskreis rasch südostwärts über Kontinentaleuropa ausdehnte. Das Maximum
im Norden verlagerte seinen Kern nach Nordosteuropa, und bis zum 8. wehten
unter der Herrschaft eines Hochdruckgebietes über Nordosteuropa und eines
Depressionsgebietes über Kontinentaleuropa Winde aus östlichen Richtungen, von
SO allmählich nach NO drehend. Nachdem die Temperaturen zunächst bei nörd-
lichen Winden etwas gesunken waren, erfolgte ein Steigen, und es traten am 2.
und 3. an der ganzen Küste die niedrigsten Temperaturen des Monats ein. Am
4. hatte die ganze Küste Niederschläge, dann folgte ein fast durchweg trockener,
von Mecklenburg bis Pommern heiterer Tag, und vom 5. bis 10. herrschten
täglich von der Nordsee verschieden weit über die Ostseeküste ausgedehnte
Niederschläge, die am 6. an der Nordsee von Gewittern begleitet waren. Bei
der Ausbreitung der Depression über Nordwestdeutschland frischten die südöst-
lichen Winde am 4. an der westdeutschen Küste vielfach stark auf; dann
herrschten meist schwache Winde bis zum 6. An diesem Tage machte sich der
Einfluß hohen Luftdruckes über dem Ozean bemerkbar, indem sich ein Minimum
westlich von Schottland her südostwärts nach dem Kanal hin bewegte und
weiterhin nach Frankreich schritt; gleichzeitig gewann eine Depression über dem
mittleren Mittelmeere an Ausdehnung und dehnte ihren Einflufs bis nach dem
Süden der Ost- und Nordsee aus, indem ein Theilminimum von Südosten her
nach der Küste vordrang, wo es am 7. und 8. an der Ostsee vielfach steife
Winde aus dem Nordostquadrauten hervorrief.
In der Nacht zum 10. verschwand dieses Minimum in dem südostwärts
nach der Nordsee reichenden Gebiet eines nördlich von Schottland liegenden
Minimums, und es erfolgte nun eine Aenderung der Wetterlage, indem sich diese
Depression rasch über Europa bis zu den Alpen hin ausbreitete, während hoher
Druck über Südost- und Südwesteuropa lag. Bei der Lage niedrigsten Luft-
druckes nördlich von der Nordsee wehten bis zum 12. durchweg südliche bis
südwestliche Winde, am 11. an der Nordsee steif bis stürmisch, und die
Temperatur stieg am Morgen des 12. an der ganzen Küste über die Normale,
Als am 13. bis 16. bei höchstem Luftdruck über Südwest- oder Kontinental-
europa mehrere Minima ostwärts über Skandinavien fortschritten, schwankten die
Winde an der Küste zwischen SW und NW und nahmen am 13, ostwärts bis
Rügen, am 14. an der ganzen Küste und am 16, ostwärts bis Pommern
stürmischen Charakter an; täglich fielen überall Niederschläge, am 13. in
Mecklenburg und am 16. an der schleswig-holsteinschen und preufsischen Küste
in Begleitung von Gewittern.
Starkes Vordrängen hohen Luftdruckes von der Biscaya - See _her über
Kontinentaleuropa leitete am 17. einen Wetterumschlag ein. Das Hochdruck-
gebiet breitete sich von der Biscaya-See aus rasch über ganz Europa aus, und
es schritt dann ein schnell an Intensität zunehmender Kern höchsten Druckes
vom Kanal nach der Mitte Kontinentaleuropas, wo er sich bis zum 21, erhielt.
Unter der Einwirkung eines am 20. und 21. im hohen Norden vorüberschreitenden
Minimums, das sein Gebiet auf der Rückseite bis nach der südlichen Ostsee aus-
dehnte, verlor das Hochdruckgebiet an Umfang; es erfuhr mehrfache Um-
gestaltungen und erschien am 24, West— Ost über Centraleuropa gestreckt mit
Kernen höchsten Druckes über den Britischen Inseln ud Westrussland. Nach-
dem am 17. noch an der mittleren und östlichen Ostsee Niederschläge gefallen
waren, trat bis zum 24. durchweg irockenes, vom 18. bis 20. theils heiteres,
theils nebeliges, dann fast durchweg heiteres Wetter ein. Bei schwachen, meist
westlichen bis südwestlichen Winden stieg die Temperatur und erreichte am 21,
fast überall die höchsten Werthe des Monats; dann drehten die Winde langsam
über N und O nach SO, so dafs am 22. zunächst wieder Abkühlung eintrat.