Die Seekarte wird digital 47
dass Tiefenzahlen und -linien den Meeres
boden darstellten. Heute wird mit Fächer
echoloten oder Seltensichtsonaren der
Meeresboden flächendeckend aufgenom
men. Bel einer Fächerlotvermessung
werden üblicherweise 20000 Tiefenwerte
und mehr in der Sekunde aufgezeichnet.
Die Herausforderung ist dabei, aus diesen
massenhaften Daten die wesentlichen
Tiefen herauszufiltern. Das Ergebnis ist
dann ein Modell, das für jeden Punkt des
Meeresbodens eine Tiefe aufweist.
Dank der technologischen Entwicklungen
In der Informatlonstechnologie, die Data
Warehousing und Data Mining ermöglich
ten, können diese Terrabyte von Daten
aus der Vermessung schnell ausgewertet
werden. Lagen zwischen Vermessung und
Herausgabe des Seekartenproduktes in
der Vergangenheit oft Monate, sollen es in
Zukunft möglichst nur wenige Tage sein.
Flugzeuge, Kameras, Computer und
Satelliten gehören Inzwischen zu den
wesentlichen Hilfsmitteln der Kartogra
phen. Luftbildvermessung ermöglicht es
heute, mit einer einzigartigen Präzision
Gebiete jeden Umfangs zu vermessen.
Die von Satelliten und aus Flugzeugen
erhobenen Daten ergänzen die kartogra
phischen Informationen. Die moderne
Satellitenkartographle setzt die Daten und
Bilder der Erde mit Computerprogrammen
In dreidimensionale Karten um, die bis auf
einen Meter genau sind. Was an Land
erfolgreich Ist, sollte auch Im küstennahen
Bereich von Nutzen sein: Das BSH hat
2015 ein Projekt erfolgreich abgeschlos
sen, In dessen Rahmen Wlssenschaftle-
rlnnen und Wissenschaftler den Einsatz
von Lasern für die Seevermessung
untersucht haben. Die Aufnahme von
Tiefendaten mit Lasermessung vom
Flugzeug ergab, dass dieses Verfahren
In Teilen der Ostsee für Wassertiefen von
null bis zu acht Metern geeignet Ist. Es
kann damit die schwierige bootsgestützte
Vermessung In diesem Bereich ersetzen.
Um aus der Vielfalt der Messungen ein
stimmiges Profil des Meeresbodens zu
erstellen, bedarf es komplizierter, hoch
genauer mathematischer Anpassungen.
Dafür liefert die Geodäsie die erforder
lichen Grundlagen durch abstrakte
geometrische Beschreibungen der Erdge
stalt sowie Messungen des Schwerefel
des und der Orientierung der Erde im
Weltraum.
Spezialkarten für besondere
Nutzungen
Heute sind die Schifffahrtsrouten zu
100 Prozent, die Küsten zu 91 Prozent und
die 800 wichtigsten Häfen zu 97 Prozent
digital kartographlert.
Nutzer der Meere haben zunehmend
speziellere Anforderungen an elektro
nische Seekarten. In den flachen Rand
meeren und den Hafenansteuerungen
erfordern die zunehmende Größe und der
zunehmende Tiefgang der Schiffe Immer
genauere Kenntnisse und Informationen
über die Schifffahrtsstraßen. Dies gilt
besonders für die Einfahrt In einen Hafen.
Dann sind in Deutschland die Fähigkeit
der Verkehrszentralen und der Lotsen
gefragt. Sie müssen vor allem große
Schiffe und Schiffe, die einen großen
Tiefgang haben, sicher In den Hafen
bringen. Sehr detailgenaue Karten „Ihrer
Fahrwasser“ (bENC) sollen sie bei dieser
verantwortungsvollen Aufgabe unterstüt
zen. Das BSH hat 2015 in Zusammen
arbeit mit der Generaldirektlon Wasser
straßen und Schifffahrt (GDWS) und der
Bundeslotsenkammer einen bundeswei