Zwischenbericht StUKplus (FKZ 0327689A)
28.09.2010
Seite 81
Zusammenfassung und Fazit der akustischen Untersuchungen
Es ist offensichtlich, dass die bei der Rammung der Fundamentpfähle des Umspannwerks
und der ersten Offshore-WEAs emittierten Schallimpulse in einem weiteren Umfeld zu einer
Abnahme der Habitatnutzung der Schweinswale geführt haben. Die Reichweite dieses Ef
fekts beträgt mindestens 8 km, möglicherweise bis zu 25 km weit. Eine Reihe logistischer
und externer Faktoren (Rammpausen und mögl. externe Schallquellen) haben dazu geführt,
dass hinsichtlich der Datenlage für die weiteren Rammungen bisher keine eindeutigen Aus
sagen über die weiteren Auswirkungen auf die Schweinswale gemacht werden können. So
kann weder ein klarer Effekt, eine Sensibilisierung, noch eine Gewöhnung der Tiere nach
gewiesen werden. Mehrere mögliche Ursachen für die uneinheitliche Entwicklung der
Schweinswalaktivität im Zusammenhang mit den Rammungen in 2009 wurden anhand von
z. T. nachträglich erhobenen Daten untersucht. Eine Korrelation mit der Entwicklung der
Schweinswaldetektionen konnte für die militärischen Übungen ausgeschlossen werden (un
ter Vorbehalt, dass nur begrenzte Informationen vorliegen), ebenso der Einsatz des Fisch-
Echolots durch das AWI. Der Einsatz der Vibrationsramme führte offensichtlich zu einem
deutlichen Meidungs-Effekt im Nahbereich und auf mittlere Entfernung. Allerdings liegen
auch hier nur unzureichende Einsatzdaten vor. Die vorliegenden Daten lassen ebenfalls auf
die Wirksamkeit der Vergrämung im Umkreis von bis zu 5 km schließen. Ein eindeutiger
Nachweis kann aber auch hier bislang nicht erbracht werden. Die zur Auswertung des Ein
flusses der Schiffsbewegungen auf die Schweinswale erforderlichen AIS-Daten liegen noch
nicht vor, sollen aber in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen. Die bisherige Analyse der C-
POD Daten hat gezeigt, dass v. a. Informationen über mögliche externe akustische Quellen
für eine umfassende Beurteilung der möglichen Auswirkungen der Rammungen auf die
Schweinswale fehlen. Insofern ist der bisher gewählte Untersuchungsrahmen nicht ausrei
chend und sollte durch langfristige Schallmessungen an den C-POD Stationen ergänzt wer
den.
Der gegenwärtigen Verlust-Problematik wird durch aktive und offene Kommunikation mit den
Fischern entgegengewirkt. Eine weitere Maßnahme zur Reduzierung der Verluste ist ein
geändertes Ausbringungsdesign der Stationen in ausgewählten Gebieten in der deutschen
AWZ der Nordsee. Das bisher im StUK3 vertretene Prinzip der Ausbringung von C-POD
Stationen in und um jeden geplanten Windpark sollte entsprechend überarbeitet und in ein
Konzept für die deutsche AWZ der Nordsee für die unterschiedlichen Phasen der Datener
hebung übergehen.
Empfehlungen
Akustische Aufzeichnung und Dokumentation aller schallrelevanten Aktivitäten bei der
Errichtung von Offshore-WEAs
Klare zeitliche und logistische Vorgaben für den Einsatz von Vergrämern und Schulung
der Leute vor Ort
Ausbringung von C-PODs in einem Design für die deutsche AWZ der Nordsee
Einbeziehung von AIS Daten in die Auswertung
Schallkartierung der Nord- und Ostsee