Erste "Reise des deutschen Fünfmasters- „Potosi“, Kapt. R. Hilgendorf. 203
Am 15. September umsegelte „Potosi“ bei Weststurm die Ostspitze von
Staaten-Eiland, das Kap St. John. Südlich davon konnte, da der Sturm während
der nächsten Tage anhielt und südwestliche Richtung angenommen hatte, nur
sehr geringer Fortgang erzielt werden.‘ Am Mittage des 18. September, als
„Pisagua‘“ sich gerade in Sicht des Kaps St. John befand, stand „Potosi‘“ noch
in 57,5° S-Br und 644° W-Lg, also 190 Sm recht Süd von „Pisagua“, . Arı
19. September setzte dann bei beiden Schiffen, auf den zuletzt schwach gewordenen
Westwind folgend, Ostwind ein, der, allmählich auffrischend; bis. zum stürmischen
Winde zunahm und so mehrere Tage anhielt. Dieser Wind war anscheinend die
Folge eines zwischen zwei Tiefdruckgebieten gelagerten, südlich von den Schiffen
liegenden Hochäruckgebietes, wie es auf ‘der kleinen Karte des. 20. September
dargestellt ist. Der Luftdruck, welcher bei‘ „Potosi“ am 16. September einen
niedrigsten Stand von 733,2 mm gehabt, wer 70°
hatte während der folgenden vier Tage ;
langsam‘ bis 757,5 mm ‘zugenommen : und
war dann in zwei Tagen wieder bis auf
einen niedrigsten Stand von 728,5 mm‘ ge-
sunken: Bei dem am 20. und 21. September
wehenden, stürmischen ÖOstwinde zeigte
„Potosi‘“ dann glänzend, welche Schnelligkeit
das Schiff unter solch günstigen Verhältnissen
zuentwickeln fähig war. In diesen48 Stunden
wurden nicht weniger als 650 Sm zurück-
gelegt. Während einer Wache wurde sogar
ein Fortgang von 66 Sm, also eine Durch-
schnittsfahrt von 16,5 Knoten : erzielt. '' Es
ist das eine Schnelligkeit, welche der der
älteren Schnelldampfer gleich kommt.
„Pisagua“, dessen damals im: Tagebuche
angegebene Windstärken ‘mit denen : von
„Potosi‘‘‘ übereinstimmen, konnte am 20.
und 21. September nur 530 Sm, was ja
immerhin auch eine.sehr gute Leistung ist, Potosi®, „ »Balmyraf:
gutmachen. : „Potosi‘“ ‘steuerte bei dem A anienf.. 7 „Koplet A” ee
günstigen Winde sehr weit nach Westen PT isagua“. „78. Melete#. * “1
und erreichte 50° S-Br wieder in 89,8° W-Lx a” Veh
am Mittage des 24. September, nur 10 Tage und; 4 Stunden “später, als diese
Breite im Atlantischen Ocean verlassen worden war. „Pisagua“, die: am 24, Sep:
tember. mittags in 51,6° S-Br und 83° W-Lg gestanden ‘hatte, überschritt‘ derr
Parallel! von 50° S-Br in 82° W-Lg am 25. September. Dieses Schiff: hatte‘ nur
9'/2 Tage südlich von 50° S-Br zugebracht. N
Auf dem letzten Reiseabschnitte gewann „Potosi‘“ wieder ganz bedeutend
gegen den Mitsegler. Als-,Potosi‘“ am 29. September 32,4° S-Br in 773° W-Lg'
erreicht hatte, befand sich „,Pisagua“ ‚erst in 40° S-Br und "777°, W-Lg, und :als:
„Pisagua“ -am 3. Oktober die Küste Chiles bei Valparaiso /sichtete, stand „Potosi‘“
schon in 262° S-Br und 73° W-Lg. „Pisagua“ ankerte im Hafen ‘von Valparaiso
am 3. Oktober, nach 67 tägiger Reise ab Lizard und „Potosi“ auf‘ der Rhede’
von‘ Iquique ‚am 6. Oktober, nur 66 Tage ‚später als, der Kanal verlassen.
worden war. © ; ; Se
‚ Nachdem „Potosi“ in Iquique den Ballast entlöscht hatte und wieder mit
6000 Tonnen Salpeter beladen worden war, wurde‘ am 25. Oktober nach‘ nur
20tägigem Aufenthalte im Hafen, die Heimreise: nach' Hamburg angetreten. Der
Anfang davon wurde durch in der Nähe der Küste.herrschenden leisen Zug in
solcher Weise verzögert, dafs in fünf Tagen nur drei Längengrade, aber gar keine
Breite gutgemacht werden konnten. Nachdem aber am 30. Oktober bei 20,2% S-Br
in 73° W-Lg der frische Südostpassat eingesetzt hatte, nahm‘ die Reise einen.
sehr günstigen Verlauf. Am 5. November überschritt „Potosi‘“ in ‘86,5° W-Lg
den Parallel von 30° S-Br, und am 6.November wurde bei 31,5° S-Br und 28° W-Lg,
wo der mäfsige Wind ‘durch NE drehte, .die polare Passatgrenze’‘ erreicht.
Südlich von ihr setzte der bald frischer werdende Wind seine Drehung‘ nach
links weiter fort, er lief durch Nord und hielt sich dann längere Zeit im‘ nord-