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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 33 (1905)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1905. 
Das Schmelzen der ungeheuren Eismassen im Franz Joseph-Fjord er- 
schöpft die freie Wärme der Wassermassen bis über 300 m Tiefe, Die Tem- 
peratur und der Salzgehalt der darunter befindlichen Schichten wächst langsam 
bis zum Boden. Es ist der Überrest eines Zuflusses von warmem Wasser 
über die Küstenschwelle, Da zur Zeit der Expedition die Wassermasse des 
Fjordes mit dem offenen Meer nicht in Kommunikation war, entsteht die 
Frage nach der Herkunft dieses zeitweisen Zuflusses von warmem Wasser 
in die Tiefe des Franz Joseph -Fjordes. Er muß nach dem weiter oben 
gesagten von dem Zweige 2 des atlantischen Unterstromes stammen, der 
nördlich von Jan Mayen in westlicher Richtung zur grönländischen Küste 
fließt. Daß diese Annahme richtig ist, zeigt eine Messung Östergrens vom 
26. Juli 1900 unter 72° 10’ N-Br. und 10° 57’ W-Lg. (Tabelle IV). Von 200 bis 
500 m Tiefe finden wir den atlantischen Strom. 
Für das Gebiet der Barentssee liegen russische Veröffentlichungen vor. 
Knipowitsch und später Breitfuß!) in Alexandrowsk haben die Verhältnisse in 
diesem Meere aufgeklärt. Der Zweig 4 der atlantischen Strömung dringt 
über die unterseeische Bank zwischen Norwegen und Spitzbergen in nord- 
östlicher Richtung, den tiefen Rinnen folgend, in die Barentssee. Knipowitsch 
unterscheidet fünf verschiedene Arme, die fächerförmig auseinandergehend 
als Unterströme erkennbar sind. Es wurden von Breitfuß Temperaturen bis 
3.6° C. gefunden, während die arktische Bodenschicht die außerordentlich 
niedrige Temperatur von —-1.6 bis 1.7” C. bei 35.01 bis 35.07  Salzgehalt 
zeigte. Nansen erklärte zuerst, daß der Ursprung dieser kalten Wassermassen 
in dem Karischen Meer, von dem es durch die Karische Straße kommt, zu 
suchen sei. Nun hat aber Knipowitsch in diesen eiskalten Schichten die für 
das arktische Wasser charakteristische Fauna, zur Hauptsache aus Yoldia 
arctica bestehend, gefunden, und so den Beweis geliefert, daß das Bodenwasser 
aus dem Nordpolarbecken stammt. Ebenso sind die Teile der Barentssee, in 
denen sich atlantisches und arktisches Wasser mischt, durch eine boreale Fauna 
gekennzeichnet, Das Polarwasser verläßt die Barentssee als südwestwärts ge- 
richteter Oberflächenstrom nördlich und südlich von der Bäreninsel. Dagegen 
steht es noch nicht fest, wo der doch sicher vorhandene Ausfluß von arktischem 
Wasser am Meeresboden erfolgt. Hjort meint, daß ein kalter Bodenstrom nach 
Süden an der norwegischen Küste entlang setzt, doch läßt Pettersson diese 
besonders für die Biologie wichtige Frage unentschieden. 
Vielbestritten ist die Erklärung der hydrographischen Vorgänge im 
Nordpolarbecken. Pettersson befindet sich hier vielfach in Widerspruch mit 
Nansens Erklärungen, Die Schwierigkeit liegt in der Deutung der Entstehung 
des Bodenwassers der Arktis, das einen Salzgehalt von über 35 % bei — 0.71°C. 
hat, im Gegensatz zum Bodenwasser von unter 35% bei — 1.5° C., das man 
in dem norwegischen Meere antrifft, Zunächst ist nach Pettersson der sichere 
Beweis erbracht, daß ein warmer Unterstrom aus dem Nordmeere das Nord- 
polarbecken durch die östliche Seite des Kanals zwischen Spitzbergen und 
Grönland erreicht. Arrhenius fand diesen atlantischen Strom 1896 in 79° N-Br. 
und 4° 45’ O-Lg. in 400 m Tiefe mit einer Temperatur von -|- 2.46° C. und dem 
Salzgehalt von 35.29 %. Ebenso ergibt eine Lotung Nansens in 85° 28’ N-Br. 
und 58° 44’ W-Lg. eine Oberflächentemperatur von — 1,8° C.,, ein Temperatur- 
maximum von + 0.69° bei 450 m Tiefe und eine Bodentemperatur von — 0.71° C, 
Diese im Vergleich mit der Bodentemperatur der norwegischen See relativ 
warme Bodenschicht des Nordpolarbeckens erklärt Nansen durch den »Fjord«- 
charakter des Polarmeeres, das er durch eine seichte Schwelle von dem 
europäischen Nordmeer getrennt sein läßt, Es ist an anderen unbekannten 
Stellen des Polarbeckens abgekühltes Wasser, das zu Boden gesunken und zur 
europäisch-asiatischen Seite geflossen ist. Pettersson dagegen bezweifelt über- 
haupt die Richtigkeit der gemessenen Tiefseetemperaturen, da die benutzten 
Thermometer sehr große und sehr verschiedene Korrektionen hatten. Nach ihm 
sind diese kalten Schichten durch die Eisschmelze abgekühltes atlantisches 
Y L. Breitfuß, Ozeanogr. Studien über das Barentsmeer. Pet. Mitt. 1904. S. 35
	        
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