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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 34 (1906)

3392 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1906. 
Anwendung mindestens für Regelkompasse tunlichst vermieden werden sollte. 
Bleibt ein Schiff auf seinen Reisen auf nördlich magn. Breiten, so fällt auch 
für Steuerkompasse die Notwendigkeit einer Kompensation durch die Flinders- 
stange fort, und man kompensiert auch den Betrag der Deviation, der von 
vertikaler Induktion herrührt, besser durch Magnete.« 
Gewiß hat Herr Koldewey darin recht, daß man der Aufstellung der 
Kompasse die größtmögliche Sorgfalt zuwenden soll. Aber wenn die Kompasse 
schlecht aufgestellt sind, so entsteht die Frage, ob es dann besser ist, die 
störenden Kräfte zu kompensieren oder zu vernachlässigen, Ich glaube es 
für nicht richtig halten zu sollen, daß der Schiffer auf der Reise die längs- 
schiffs liegenden Kompensationsmagnete dann und wann verschieben muß, 
Die Erfahrung der Filialabteilung, des Königl. Niederl. Meteorologischen 
Institutes in Amsterdam, hat uns gelehrt, daß die Übelstände!) welche diese 
Art der Kompensation mit sich bringt, nicht so beträchtlich sind und sicher 
nicht im Verhältnis stehen zu den Vorteilen, welche in den meisten Fällen 
eine Flindersstange gibt. In den meisten Fällen ist die Flindersstange noch 
nach jahrelangem Gebrauch gut geblieben, und haben die Erschütterungen 
wenig Einfluß auf ihren magnetischen Zustand, besonders wenn das Schiff 
sowohl auf südlicher als auf nördlicher magnetischer Breite kommt. Selbst 
bei Fluidkompassen kann man die Flindersstange auf mäßigen Abstand an- 
bringen, 0.15 m von den Enden der Kompaßnadeln ist genügend; die oktantale 
und sextantale Deviation ist dann nicht größer als 3°. 
Bei weitem die meisten großen deutschen Dampfer haben einen Regel- 
kompaß mit leichter Rose und mehreren kleinen Magneten nach den Systemen 
von Thomson, GC. Hechelmann, Plath u. a.; als Steuerkompaß dient da- 
neben vielfach ein Fluidkompaß. Aber es gibt auch viele Dampfer, welche 
auch als Regelkompaß einen Fluidkompaß haben. Diese Fluidkompasse sind 
überhaupt nicht mit einer Flindersstange kompensiert, Unter diesen Dampfern 
hat man vielfach ziemlich große Schiffe, welche alle Meere befahren. In 
Bremen, Hamburg, Flensburg, Rostock usw. haben viele neugebaute Fracht- 
dampfer Fluidkompasse als Regelkompaß. Warum keine Trockenkompasse 
mit kleinen Magnetnadeln nach den oben genannten Systemen? Nicht allein 
wegen der Kompensation, doch auch überhaupt sind diese Kompasse für große 
Dampfer vorzugsweise zu wählen, Die Reibung ist bei Fluidkompassen viel 
zrößer als bei Kompassen nach dem Thomsonschen und ähnlichen Systemen. 
Das Einstellungsvermögen wird bei Fluidkompassen bald klein, und wie viel 
kosten diese Kompasse nicht an Reparatur? Die Dampfer kosten manchmal 
1 Million Mark und der Regelkompaß vielleicht noch keine hundert Mark! 
Hiermit habe ich erkennen lassen, daß ich die Fluidkompasse für große 
eiserne Schiffe nicht empfehle und für unpraktisch erkläre, Diese Kompasse 
sind sehr gut für kleine Schiffe, welche schnell schlingern, Es wird jedoch 
noch schlimmer, wenn diese Kompasse nicht für jede Breite kompensiert 
worden sind. 
Wir nehmen z. B. den letzten in Amsterdam (30. November 1905) kom- 
pensierten deutschen Dampfer »Falkenstein« von Bremen, Dieser Dampfer 
hat 2 Fluidkompasse auf der Kommandobrücke, Der Regelkompaß steht über 
einem aus Eisen gebauten großen Deckhause, dessen Vorderseite (hinter dem 
Kompasse) nur 0.2 m von dem Kompaßorte entfernt ist (etwa 1m von der 
Kompaßrose) und etwa 5 m vor den Maschinen. Ich schätzte = ungefähr auf 
—0.10 oder in Bogenmaß ausgedrückt — 6°, Im Deviationsjournal fand ich 
eingetragen auf 77° nördlicher magn. Breite (Nordkap) B = — 14°, auf 67° 
B = — 2° und auf 45° (Tripolis) B = + 3.5°. Meine Schätzung nach Erfahrung 
war also ziemlich genau, 
Für die oben genannten Koeffizienten SZ und B könnten wir auf die 
Lehrbücher über Deviation und besonders auf das bekannte Handbuch der 
) »Ann., d., Hydr. usw.« 1905, 8. 123.
	        
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