Wedemeyer, A,: Azimuttafeln, -meßkarten und -diagramme, 381
Da die Interpolationsskala für alle Deklinationen zwischen + 30° und — 30°
gültig sein soll, reicht (3) zur Konstruktion der g-Kurven aus.
Wählt man 9 — 91 = 2%: — Pa) = 202 — Yı), SO erhält man aus (2) zum:
strengen Einschalten in die Mitte
2 cot a, = (cot 8, -} cot 83) BE6 (92 — Pı)- (4)
Zur Berechnung einer Azimuttafel wählt man zuerst ö= @, dann ist
cot a, = sin @ tang t/2
und für g= 0 cot a, = tang d cosec t,
mithin für die Mitte (p= 0/2) 2 cota, = (cot ag; -+ cot aj) sec g/2
und für 2 = dd cot a; = 2 cot a, cos 5 97, — cof a,.
Man kann nun nach (2) beliebig einschalten. Legt man @ in den Pol, so wird
cos g= 0, sin g = 1, mithin cot a = — cott, wodurch das Einschalten sehr ver-
einfacht wird. Da Zeitazimuttafeln für die Polarzone noch nicht existieren,
mögen diese Angaben auf die Möglichkeit der schnellen Berechnung solcher
Tafeln hinweisen.
3. Die Azimutdiagramme von Schütte, Um die gesamte Ortung ohne Rechnung
durchzuführen, hat man alte Vorschläge zur Herausgabe von Atlanten, die alle
sphärischen Dreiecke aufzulösen gestatten, wieder hervorgeholt. Wer den Atlas von
Littlehales kennt und ihn häufiger benutzt hat, wird solchen Vorschlägen skep-
tisch gegenüberstehen, denn das Suchen darin ist eine zeitraubende Arbeit, Will
man die Höhe auf 1’ genau entnehmen, so muß der Atlas sehr umfangreich werden,
die Netzlinien dürfen keine Flächen sein, Es ist daher ratsam, auf die Höhe
von vornherein zu verzichten. Da man das Azimut nur auf 0.2° genau zu kennen
braucht, weil die Standlinie nicht genauer gezogen werden kann, sollte man be-
sondere Sorgfalt auf die Herstellung von Azimutdiagrammen verwenden, die
praktisch brauchbar sind. Nach diesem Grundsatz hat im Herbst 1940 K. Schütte
seine Diagramme zu konstruieren begonnen, für die ich seit Oktober 1940 die
Azimute für d > 70° berechnet habe, da Tafeln für solche Azimute nicht vor-
handen waren. Gestützt auf die Erfahrungen, die man in den letzten 50 Jahren
mit Azimuttafeln und -meßkarten gesammelt hat, sucht er ein Werk zu schaffen,
das von den Nachteilen seiner Vorgänger frei ist und dem Seefahrer ohne Mühe
und lästiges Suchen das Azimut schneller und allenthalben mit gleicher Ge-
nauigkeit liefert. Da Schütte über die Diagramme selbst berichtet, kann ich
mich auf Angabe von Aufgaben beschränken, für die sich die älteren Tafeln
und Meßkarten als vollständig ungeeignet erwiesen haben. Die Verfasser tragen
daran meist keine Schuld, denn sie konnten nicht ahnen, welchen Aufschwung
die terrestrische Navigation durch die Funkortung nehmen würde,
Im Diagramm sind keine Linien zu ziehen oder Winkelmessungen auszu-
führen, das Azimut wird unmittelbar an einer gleichförmig geteilten Skala mit
der gleichen Genauigkeit abgelesen wie in der Meßkarte von Mora. Papier-
verzerrungen sind belanglos, da sie in das Endergebnis nicht eingehen. Das
Diagramm löst Dreiecke auf, von denen eine Seite und die beiden anliegenden
Winkel gegeben sind, z. B. die Poldistanz b = 90° — g, & und t = 441; diese Auf-
gabe ist bei der Funkortung sowohl bei Eigen- als auch bei Fremdpeilungen zu
lösen. Die senkrechten a-Linien des Diagramms stellen einen Großkreisbüschel
durch den Punkt g = x°!) auf dem Nullmeridian (der t = 41-Skala) dar, (x Grad-
zahl im Schütteschen Diagramm.)
Bei der Fremdpeilung empfängt die Funkstelle das Signal eines Senders
(Schiffes) im Azimut a. Durch Beobachtungen ist die Theorie bestätigt, daß
sich die Funkwellen auf dem kürzesten Wege, d. i. in Großkreisen, fortpflanzen,
Man hat deshalb die Funkortungskarten in gnomonischem Entwurf gezeichnet,
weil in ihnen die Großkreise als Gerade durch die Funkpeilstelle abgebildet
werden. Da die Funkpeilstellen nicht im Mittelpunkt der Karte liegen, trägt
man der Winkelverzerrung der Projektion durch sogenannte Peilkreise Rechnung.
Diese Karten haben ihre guten Dienste getan und tun sie auch weiterhin, Im
Laufe der Zeit mußten Funkortungskarten für große Gebiete hergestellt werden.
ix am Kopf jedes Diagramms.