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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1913.
aus dem Swakop wird durch Pumpwerke hinreichend Wasser gefördert, das aller-
dings immer mehr oder weniger brackig ist. Landschaftlich bietet die Stadt mit
ihrer Umgebung ebenso wenig Reize wie Lüderitzbucht.
So beschaffen sind die beiden einzigen für Handelszwecke in Frage
kommenden Landeplätze und all unser Suchen an der Küste nach weiteren Landungs-
plätzen zum besseren Erreichen der hinter den Stranddünen sich erstreckenden
Diamantfelder ist vergeblich gewesen. Die ganze Küste ist ein einförmiger, immer
von schwerer Brandung umsäumter Strand, von dem sich nichts Grünes abhebt,
und der infolge der See- und Windverhältnisse eigentlich dauernder Veränderung
unterworfen ist. Trostlos und öde und der Schrecken für den Seemann!
Ende März war für die »Möwe« der erste größere Vermessungsabschnitt
beendet; nach einem kurzen Osteraufenthalt in Lüderitzbucht ging das Schiff am
9. April 1912 nach Kapstadt, wo eine gründliche Überholung der ganzen Schiffs-
und Maschinenteile vorgenommen und wo die Besatzung nach der anstrengenden
Tätigkeit des ersten Jahres die verdiente Erholung finden sollte. Auf dem Wege
Lüderitzbucht — Kapstadt wurde kurz vor dem Einlaufen in Kapstadt auf einer
früheren Station der »Valdivia« noch eine ozeanographische Reihenbeobachtung
vorgenommen, Die in 33° 12’ S-Br. und 16° 22’ O-Lg. am 13. April 1912 zwei-,
zum Teil dreimal hintereinander vorgenommenen Temperaturmessungen in den
verschiedenen Schichten sollten zur Klärung der Frage beitragen, inwieweit die
einmaligen Ablesungen maßgebend für den durchschnittlichen Zustand in den
Tiefenschichten sind, und inwieweit im Meere ganz kurz währende periodische
und unperiodische Änderungen der Verhältnisse in den Tiefen vorliegen können,
Die fast an der südlichen Grenze des Benguelastromes schon zeitweise vom
wärmeren Wasser der Agulhasströmung beeinflußten Verhältnisse dieser Position
erschienen in dieser Hinsicht gerade besonders interessant. Anderseits konnten
diese im südlichen Herbst gewonnenen Temperaturablesungen einen interessanten
Vergleich zu den von der »Valdivia« im Jahre 1898 im Frühjahr erhaltenen
Temperaturen in nächster Nähe der Station 90 der »Valdivia«-Expedition
bieten, Die Ergebnisse unserer Messungen weisen zwar nicht große, aber doch
immerhin merkbare Unterschiede in den einzelnen Tiefenstufen auf und zeigen,
daß man doch wohl nicht ohne weiteres berechtigt ist, aus den Resultaten
einer einzelnen Messung die durchschnittlichen Temperaturen in dem jeweilig
zu untersuchenden Meeresgebiet abzuleiten, sondern daß wohl größere oder
kleinere periodische und unperiodische Änderungen der Verhältnisse auch in den
Tiefen vorkommen, Bei unsern Messungen wurden stets zwei Thermometer zur
gegenseitigen Kontrolle hinuntergegeben, und die gewonnenen Ablesungen sind
durch ihre gute Übereinstimmung ein erfreulicher Beweis für die Güte und Zu-
verlässigkeit der Richterschen Thermometer. Unter 25 Angaben lieferten die
beiden Thermometer fünf Ablesungen, die noch auf hundertstel Grade überein-
stimmten, bei weiteren fünf Ablesungen betrug die Differenz nur */,9°, zwölf Ab-
lesungen wiesen einen Unterschied von 23/,,,° auf, und der größte Unterschied
betrug nur 4,000.
Wenn man von der Küste Deutsch-Südwestafrikas nach Kapstadt kommt,
meint man, man käme in ein Paradies, Der durch die eigenartige Szenerie des
Tafelberges mit seinen Nebenketten gegebene Eindruck nimmt einen zuerst ge-
fangen, und wirklich grüne Bäume, frische Blumen und Obst und richtig groß-
städtisches Leben entschädigen für die lange trostlose Ode an der unwirtlichen
Küste unserer Kolonie.
Mit diesem an landschaftlichen Reizen reichen und bezüglich der Erholung
für die Besatzung wertvollen Aufenthalt in Kapstadt während der zwei Monate
dauernden Reparaturperiode fand das erste Jahr der Auslandstätigkeit S. M. S.
‚Möwe« seinen Abschluß. Wie vielfarbig bunte Schmetterlinge waren die Tage
der Ausreise an uns vorübergegaukelt, und bei der anstrengenden Tätigkeit an
der Küste Südwests war auch das zweite Halbjahr schnell für uns alle vergangen.
Die von dem sonstigen Dienst in der Marine so ganz verschiedenen Arbeiten auf
einem Vermessungsschiff hatten jeden einzelnen von der Besatzung gefangen
genommen und werden jedem von uns eine angenehme und wertvolle Erinnerung
hinterlassen.