Seiwell, H, R., und Seiwell, G. E.: Über den Gesamtphosphorgehalt des Seewassers usw. 11
Wegen der in dieser Gegend durchweg herrschenden hohen Temperatur wird das
Phosphat offenbar sehr schnell durch die Assimilation aufgebraucht, und das
Gleichgewicht stellt sich bei sehr niedrigen Werten ein. Eine Ausnahme bildet die
Station 1174, wo das nährstoffreiche Tiefenwasser dicht unter der Oberfläche liegt.
Man kann annehmen, daß die Werte für den organisch gebundenen
Phosphor ein brauchbares Maß für die relative Fruchtbarkeit der Gegend zur
Zeit der Beobachtung gibt. Im Nordwestatlantischen Ozean haben wir in den
obersten 50 Metern nördlich von 20° N (bis 36° N) Konzentrationen von 8—15 mg
P/m8®, südlich von 17° N bis zum Äquator dagegen Werte von 19—28 mg. Der
höchste Wert liegt wieder auf Station 1174 im Nordäquatorialstrom, wo auch
große Mengen anorganischen Phosphors für die Photosynthese zur Verfügung
standen. Die Zweiteilung des Gebietes bestätigt frühere Schlüsse anderer
Forscher, daß nämlich die Äquatorialzone von größerer Produktionsfähigkeit ist
als das antizyklonale Subtropengebiet,
Die Oberflächenwerte von organischem Phosphor im nordwestlichen Atlan-
tischen Ozean sind kleiner als die, welche Kalle (se) für das Oberflächenwasser
der Nordsee und das Küstenwasser für Island erhalten hat. Dieser Autor fand
Gesamtphosphorwerte bis zu 98 mg P/ebm (entsprechend 93 mg organischen
Phosphors). Es ist natürlich zu erwarten, daß infolge der stärkeren Produk-
tivität der nördlichen Küstengewässer während der kurzen Vegetationsperiode
größere Mengen organischen Phosphors auftreten als zu irgendeiner Jahreszeit
in den Topen. In einer früheren Arbeit wurde die Fruchtbarkeit der Barents-See
und des tropischen Nordatlantischen Ozeans während der Produktionszeit ver-
glichen [Seiwell (20)]. Die erhaltenen Mittelwerte führten zu dem Schluß, daß
während der Vegetationszeit die produktiven Schichten der Barents-See 5 bis
6 mal fruchtbarer waren als die des äquatorialen Nordatlantischen Ozeans. Die
Annahmen, auf die diese Berechnung gegründet war, hatten jedoch mehr hypo-
thetischen Charakter.
2. Die vertikale Verteilung des organisch gebundenen Phosphors.
Tafel 2 zeigt die vertikale Verteilung des Phosphats, des organischen und
des gesamten Phosphors bis zu 1000 m Tiefe für die Stationen 1154, 1169 und
1172, welche im östlichen Teil des westlichen Nordatlantischen Beckens liegen, und
für die Stationen 1210, 1217 und 1222, welche in der westlichen Hälfte des Beckens
liegen. Die Beobachtungswerte selbst sind in Tabelle 2 wiedergegeben. Die Stationen
1154, 1210, 1217 und 1222 sind typische Stationen der Sargasso See, die Station
1172 ist typisch für die Nordäquatoriale Zone. In unserer kurzen Diskussion
betrachten wir nur die Wasserschicht bis zu einer Tiefe von 1000 m. Auf Grund
der Ergebnisse einer früheren Arbeit über den Sauerstoffgehalt des westlichen
Nordatlantischen Ozeans nehmen wir an, daß die Zersetzung organischer Sub-
stanz in diesem Teil des Ozeans im allgemeinen nur in den oberen 1000 Metern
vor sich geht [Seiwell (s)].
Die vertikale Verteilung des organischen Phosphors ist in dieser Wasser-
schicht bis zu einem gewissen Grade reziprok der vertikalen Verteilung des
Phosphatphosphors, Die geringsten Konzentrationen an Phosphat werden immer
in den Oberflächenschichten gefunden, während die höchsten Werte für das
Tiefenwasser charakteristisch sind; umgekehrt beim organisch gebundenen Phos-
phor, bei dem die Maximalwerte in den Oberschichten, die Minimalwerte im
Tiefenwasser auftreten. Zwischen beiden Phosphorarten besteht eine allgemeine
Beziehung. In der Oberflächenschicht wird das Phosphat von den Pflanzen bei
der Assimilation verbraucht und in organische Bindung üübergeführt. Die
Pflanzen sterben entweder oder werden von Tieren verzehrt, welche sich in den
unteren Schichten zersetzen, wobei anorganisch gebundener Phosphor wieder
im Wasser gelöst wird. Wir nehmen an, daß der organische Phosphor in den
Oberschichten deshalb so hohe Konzentration erreicht, weil das Plankton und
das organische Leben überhaupt in dieser Schicht angereichert ist, während der
Phosphor im Tiefenwasser in der Form von organischen Detritus, welcher von
der Zersetzung der Organismen stammt, allmählich in die Phosphatform über-
geführt wird. Das Ergebnis wird eine Abnahme des organischen Phosphors mit
der Tiefe bei entsprechender Zunahme des anorganischen Phosphats sein.
Da