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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott. G.: Die Gewässer des Mittelmeeres. 
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dem Mittelmeer; sie liegen zwischen 63 cm und 81 cm. Wenn wir aber nach 
dem »Thor«-Material von der Grenzfläche, und zwar von 150 m, ausgehen, so 
bekommen wir eine gute Bestätigung älterer Rechnungen, die von verschiedener 
Seite, zuletzt wohl von C. Forch!) mittels der Beobachtungen Makaroffs 
ausgeführt wurden. 
Bezeichnen wir die mittlere Dichte der atlantischen Wassersäule mit 02, 
die der mittelmeerischen mit om, und benennen wir die Höhen der Wasser- 
säulen, die denselben Druck ausüben, mit h, bzw. hm, So besteht die Beziehung 
har 93 g=hm- mg, 
worin g die Schwere bedeutet. Hieraus ergibt sich nach einfachen Umformungen 
die Niveaudifferenz 
ha—bn= ha (m — 7a) 
Om 
Wir setzen ha = 15000 cm, und erhalten dann bei Benutzung der Beobachtungen 
des »Thor« auf Station 95 in 35° 57 N-Br. 6° 0’ W-Lg.. (Tarifa), sowie auf Sta- 
tion 99. in 36° 2’ N-Br. 5° 16’ W-Lg. (südsüdöstlich von Gibraltar) 
has — hog = 12.9 cm, 
was bei einer Entfernung von 66,6 km einem Gefälle von rund 1: 520 000 ent- 
spricht. Aus Forchs Rechnungen leitet Krümmel a. a. O. für die Stationen 
228 und 223 des »Vitiaz« nach Makaroff ein Gefälle an der Oberfläche von 
etwa 1:550000 ab; diese Stationen entsprechen in ihrer Lage®) recht gut 
denen des »Thor«, und wir erkennen eine in der Größenordnung überaus 
befriedigende Übereinstimmung der Rechnungen nach dem älteren und dem 
neuen Material, 
Will man diese Methode auch für mehr als 3000 km voneinander ent- 
fernte Positionen gelten lassen, so finden wir schließlich aus »Thor«-Station 91 
in der Cadiz-Bucht (35° 53’ N-Br. 7° 26’ W-Lg.) und Station 160 Östlich von 
Rhodos (35° 59’ N-Br. 28° 14’ O-Lg.) . 
har — hı60 = 28.2 cm, 
und das durehsehnittliche Gefälle von 1: 15000000 auf dieser großen Strecke, 
‚ 8383. Der Wasserhaushalt des Mittelmeeres 
hat bei den scharf gezeichneten Eigenschaften des Klimas der Mittelmeerländer 
und des Mittelmeeres selbst von jeher, auch außerhalb der rein ozeanogra- 
phischen Studien, Interesse erweckt. In dem offenkundigen Verdunstungs- 
verlust, der nur zu kleinem Teile durch Niederschläge und Flußwasser gedeckt 
wird, erblickt man allgemein die Grundursache für den wichtigsten Strom .der 
Oberfläche und damit auch der. Tiefe, Wie groß ist dieser Verdunstungs- 
verlust und wieviel Prozent davon werden ersetzt durch Süßwasser, wieviel 
durch atlantisches Wasser? Und in letzterer Hinsicht: welche Wassermengen 
führt der Oberstrom mittelmeereinwärts, welche Wassermengen führt der Unter- 
strom ozeanauswärts, d. h. welche Wassermassen im ganzen werden in Bewegung 
gesetzt, um das Defizit zu decken? 
Diese Fragen behandelt auch Nielsen ausführlich in einem besonderen 
Kapitel der Hydrographie der »Thor«-Expeditionen, ausgehend von der Formel 
J+F=U+E, 
wo J das einwärts gerichtete Meerwasser (Oberstrom), U das auswärts gerichtete 
Meerwasser (Unterstrom), F das Flußwasser und Niederschlagsmenge, E. die Ver- 
dunstung bedeutet, Dabei betrachtet Nielsen das Schwarze Meer als einen 
integrierenden Teil des Mittelmeeres, berechnet für das Mittelmeer einschließlich 
ı) Annalen der Hydrographie 1909, S. 442 ff. Vgl. auch Krümmel im Handbuch, II. 
S. 484/485. 
2) Die atlantische liegt etwas westlicher, in 6° 10’ W-Lg.; der Niveauunterschied erhebt sich 
damit auf 15.7 cm bei einer horizontalen Entfernung von 86,5 km,
	        
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