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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Thraen, A.: Der Einfluß der Nord- und Östsee auf den Niederschlag usw. 561 
2, Die vorstehenden Erwägungen gelten mutatis mutandis auch für den 
Sommer, für Schleswig allerdings nur für die Monate April, Mai und Juni. Das 
Stationspaar Neufahrwasser-Osterode zeigt im Sommer dasselbe Verhalten wie die 
anderen Gruppen — wiederum ein Beweis dafür, daß im Sommer der meteorologische 
Gegensatz zwischen Land und See nicht so scharf ist wie im Winter. 
Resultat. Nach vorstehendem paßt auch die Betrachtung der monatlichen 
Windrichtungen im ganzen in. den Rahmen des Bildes, das uns durch die Iso- 
koeffizienten des Niederschlags, die Isothermen und die Isobaren schärfer und schärfer 
entworfen wurde über die durchschnittliche. Wetterlage eines jeden Monats. — Wenn 
aber anderseits nicht jedes Detail aus diesem oder jenem Element mit unseren Be- 
trachtungen über die Windrichtungen in Kongruenz gebracht werden konnte, so 
dürfte dies vorwiegend dem Umstande zuzuschreiben sein — um es noch einmal zu 
betonen —, daß -in den Veröffentlichungen der Windbeobachtungen nach inter- 
nationalem Schema weder lokale Winde (ob See- oder Landwinde oder ob Berg- oder 
Talwinde) eliminiert sind, noch irgendwelche Rücksicht auf die tägliche Wetter- 
lage genommen werden kann, was von klimatologischer Bedeutung wäre und schönere 
Resultate zeitigen würde, 
c. Regenwindrosen nach Kremser. 
Eine Prüfung der vorstehenden Resultate soll den Windrosen entnommen 
werden, die prozentmäßig oder absolut zum Ausdruck bringen, wie groß der Regen- 
reichtum für bestimmte Windrichtungen ist. 
Wir entnehmen die fertig berechneten Werte wiederum den meteorologischen 
Abhandlungen von Kremser in den amtlichen Stromwerken.!) | ; 
. Wir ordnen die vorhandenen Stationen nach ihrer Lage zum Meere und lassen 
die Stationen ihren Platz nach zwei Gruppen finden, deren zweite westlich und deren 
erste östlich der Elbe liegt. Die Zahlen hinter den Stationsnamen geben über die 
Zahl der jeweiligen Betrachtungsjahre Aufschluß. 
Station 
+ 
x» Ivo ll o 
So 
Ss 
sw 
ww 
NW 
Jährliche Perenw ndroe-n (%). 
Stettin (13) 4 
Berlin .(8) 6 
Zechen (10) 15 
Görlitz (12) 9 
} 
3 
7 5 25 18 
6 3 7 25 40 
| 2 | 4) 12 20 | 19 | 
4 3 3 13 97 
4 
; 
48 
9 
24 
34 
J”hrliche Regenwindrosen (mm) 
Elsfleth 23 33 25 28 89 212 223 73 
Cassel . 55 12 8 25 . 185 121 97 83 
Inselsberg 85 | 86 42 28 137 482 218 83 
Wie ersichtlich, ist die Darstellung bei den Stationen der ersten Gruppe nach 
Prozenten, bei der zweiten Gruppe nach absoluten Millimeterbeträgen von Kremser 
gewählt. ; 
Die erste Gruppe zeigt, daß an der Küste und in einiger Entfernung davon 
der Niederschlag bei südwestlichen bis westlichen Winden am ertragreichsten ist, 
also wirklich bei der Windrichtung, die für die Küsten-Hauptregenzeit, den Herbst, 
überwiegt. ; . ; 
Bei den Binnenlandstationen hingegen erfolgt der Niederschlag bei westlichen 
bis nordwestlichen Winden, also bei einer Windrichtung, die für die niederschlags- 
reichen Sommermonate besonders typisch ist. “ 
Bei unserer westelbischen Stationsgruppe erfolgt nach den vorstehenden 
Zahlen der Hauptniederschlag bei Winden aus dem Süden und Westen, kaum ver- 
') „Weser und Ems“, Bd. I, 8. 118. 
„Elbstrom“, Bd. I, S. 99. 
„Oderstrom“, Bd. I, S. 56.
	        
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