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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Thraen, A,: Der Einfluß der Nord- und Ostsee auf den Niederschlag usw, 511 
Nach längeren Beobachtungen (Tabelle IV) zeigen unsere Stationen zum Teil 
mehr, zum Teil weniger Niederschlag. 
August. Im August schon, also im letzten Drittel des meteorologischen 
Sommers, tritt die See wieder in ihre Herrschaft ein, insofern als sich fast überall 
sine Niederschlagszunahme mit zunehmender Seenähe bemerkbar macht. . Hierfür 
wieder einige Zahlenbeispiele in der folgenden Tabelle; 
Station 
a August- 
Seehöhe | Niederschlags- 
(m) koeffizient 
Station 
N August- 
| Niederschlags- 
koeffizient 
Wustrow 7 
Neustrelitz . 71 
Jever 10 “1.42 
Löningen 26 1.33 
. Die vorstehende Tabelle trägt überdies noch dem Erfahrungssatz Rechnung, 
daß die Größe sommerlicher Niederschlagskoeffizienten mit der Seehöhe abnimmt. 
In diesem Falle gehen also — umgekehrt wie im Juni — beide Einflüsse Hand in Hand, 
Die aus unserer Tabelle IIT für den August resultierenden Kurven laufen indes 
doch nicht so regelmäßig, daß sie der Veröffentlichung würdig wären. Dafür sei hier 
noch einmal hingewiesen auf unser Kärtchen in der Figur 2, das — wenn auch von 
einem ganz anderen Gesichtspunkte — Kunde gibt von der beginnenden Herrschaft 
der See. 
Nach längeren Beobachtungen (Tabelle IV) erscheiht das Mittel für den 
August teils größer, teils kleiner, beides unwesentlich. 
September. Unser Kärtchen (Tafel 20) weist auf eine regelmäßige Abnahme 
des Niederschlags landeinwärts hin, am meisten wieder für den kontinentalen Osten. 
Eine auffällige (relative) Regenbegünstigung erfährt das. Gebiet zwischen 
Oder und Elbe, also in derselben Gegend, die sich nach der Regenkarte von Hellmann 
als sehr niederschlagsarm herausstellt. Gerade solche Gegenden pflegen ja in relativ 
trockenen Monaten — wie es der September infolge des durchschnittlich hohen Luft- 
druckes ist — leicht eine positive Regenanomalie zu zeigen. Absolut genommen 
sind jedoch die Differenzen gering. 
Im 35jährigen Mittel (Tabelle IV) weisen die seenahen Stationen größere, 
die seeabgelegenen hingegen kleinere Koeffizienten auf, so daß ’also nach längeren 
Beobachtungen die Abnahme des Niederschlags von der See nach dem Lande hin 
wahrscheinlich noch deutlicher zum Ausdruck kommen würde. ; 
Oktober. In diesem typischen Regenmonate zeigen unsere Kurven in der 
Tafel 2 eine wunderschön regelmäßige Abnahme des Niederschlags landeinwärts 
mit der deutlichen Tendenz einer schnellen Abnahme im Osten, wie es schon zu 
wiederholten Malen festgestellt wurde. . 
Es bestätigt sich also hier wiederum die allgemeine Erfahrung, daß der Nieder- 
schlag bei niederschlagsreichen Zeitabschnitten sich regelmäßiger verteilt als in regen- 
armen Zeiten. (September!) | ; . 
Nach längeren Beobachtungen (Tabelle IV) haben die Oktobermittel durchweg 
höhere Werte, zum Teil ganz bedeutend höhere, 
November. Unser Kärtchen (Tafel 20) zeigt ebenfalls eine regelmäßige Ab- 
nahme des Niederschlags vom Meere nach dem Lande hin, am schroffsten wieder 
im kontinentalen Osten. Eine auffällige Regenbegünstigung erfährt, wie im Sep- 
tember, das absolut niederschlagsarme Gebiet an der Oder. 
Nach längeren Beobachtungen erscheint der November (Tabelle IV) im 
ganzen etwas regenreicher;: * .„& 
Dezember, ‘ Unser Kärtchen (Tafel 20) zeigt wieder eine regelmäßige, im 
kontinentalen Osten etwas beschleunigte Abnahme des Niederschlags landeinwärts. 
Als "Gebiet mit’ auffälliger Regenbegünstigung hebt sich wie im September 
und November das an sich niederschlagsarme Gebiet an der Oder heraus. Daß 
diese Regenbegünstigung. in dem niederschlagsreichen Oktober fehlt, ist eine Be- 
stätigung der Vermutung, die wir zum Septemberkärtchen als Erklärung dieser Er- 
scheinung gaben.
	        
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