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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915,
Nun wird aber die Zunahme des Sättigungsdruckes bei 1° Temperatur-
anstieg desto rascher, je höher die Temperatur ist; da ist also ein bedeutender
Teil der ‚Energie nur auf Verdunstung aufzuwenden. Bei niedrigeren Tempe-
raturen fällt der letzterwähnte Anteil weniger ins Gewicht. Der genaueren
Zahlenrechnung, die an 5°-Stufen angeschlossen werden mag, seien die Werte
zugrunde gelegt, die Otto Neuhoff!) für den Gehalt x an Wasserdampf in
Grammen in 1000 + x Gramm feuchter Luft gegeben hat. Sie stehen in der
zweiten Spalte der Tabelle 1, in der dritten die Werte x (t = Temperatur), d. i,
der für uns hier in Betracht kommende Zuwachs an Wasserdampf bei Erwärmung
unter dauernd beibehaltener Sättigung. Sie sind aus den Zahlenangaben unter
Bildung von Differenzen gerechnet, Um eine Temperaturzunahme um 1° zu
ermöglichen, ist für das vorgegebene Quantum nicht bloß die spezifische Wärme
der trockenen Luft (237.5 g-Kal,, bei konstantem Druck) und die des Wasser-
dampfes (0.4805 - x) aufzuwenden, sondern auch die, welche = Gramm flüssiges
Wasser in Dampf verwandelt (Verdampfungswärme, 606.5 — 0.695 - t), wozu bei
Vorhandensein von Eis noch die Schmelzwärme (80 g-Kal.) kommt, Die letzteren
Beträge füllen Spalte 4. Der Gesamtaufwand an Wärme gilt dann für unsere
1000 + x g, ist also noch auf 1000 g feuchter Luft umzurechnen (Spalte 5). Die
sechste Spalte gibt an, wievielmal die so aufzuwendende Wärme die zur Er-
wärmung trockener Luft allein übertrifft, die achte das Verhältnis - (wo W ==
V +K), also, welcher Bruchteil des ganzen Wärmeverbrauchs zur Verdunstung
aufgewendet wird, Unter unseren Voraussetzungen wird demnach bei 0° nur !/,
der Wärme auf Verdunstung kommen, bei steigender Temperatur ein stets höherer
Anteil, bei 30° schließlich schon über */;.
8 3. Geltung unter geänderten Bedingungen. Dies gilt jedoch streng bloß
für das Bestehen und Erhalten vollkommener Sättigung. Nun gehört es zu den
seltsamsten Tatsachen, daß die Luft über den Ozeanen durchaus nicht 100°%% relative
Feuchtigkeit hat, sondern im Durchschnitt etwa 80 °%%0?). Das kommt sicher nicht
durch Einfluß des Salzgehaltes des Meerwassers zustande, denn die so zu
erwartende Verminderung des Dampfdruckes gegenüber jenem über reinem
Wasser fällt nur sehr gering aus; wohl aber dürfte die Bildung und der Ab-
transport des Dampfes in der Luft sowohl wie im flüssigen Wasser®) vergleichs-
weise langsamer vor sich gehen als die Erwärmung der ihn aufnehmenden Luft
durch Berührung. Wir brauchen aber den Vorgang durchaus nicht ins einzelne
zu verfolgen, können sogar auf die Kenntnis der Zustände in den alleruntersten,
gerade auf der Oberfläche lagernden Schichten, die uns auch durch die meteoro-
logischen Beobachtungen nicht vermittelt wird, verzichten und uns bloß auf die
oben gegebene Tatsache, die ja auch einen dauernden (Gleichgewichts-) Zustand
darstellt, stützen; d. h., wir führen die Rechnung für eine relative Feuchtigkeit
von 80 °%, durch. Es werden dann die Anteile x, en und die auf sie entfallenden
Wärmemengen im Verhältnis 5:4 verkleinert, woraus denn die Zahlen der
Spalten 8 bis 10 der Tabelle 1, den Spalten 5 bis 7 entsprechend, folgen. Der
verminderte Feuchtigkeitsgehalt setzt zwar die Zahlenwerte herab, doch bleibt,
wie vorauszusehen war, das allgemeine Verhalten bestehen (vgl. $ 5).
Ist der Unterschied der Reihen auch nicht groß, so erlaubt er doch die
Abgrenzung eines Bereiches, innerhalb dessen die tatsächlichen Werte liegen.
Sinngemäß können wir auch jetzt noch die für vollkommene Sättigung erhaltenen
Zahlen benützen, müssen aber als Bezugstemperatur die Temperatur der Wasser-
oberfläche nehmen. Diese stellt ja, von Feinheiten abgesehen, auch diejenige der
alleruntersten Luftschicht dar. Wir erhalten dann Werte, die im allgemeinen
Inaug.-Diss., Berlin 1900.
Vwl. Hann, 1. c., 234,
N 5 Selbst bei Vorhandensein aller Bedingungen verdampft Wasser nicht plötzlich. Vgl. H. Mache,
ers Sn Yerdunstungsgeschwindigkeit des Wassers in Wasserstoff und Luft, Wien. Sitzber. 219,
{Ia, 7