Köppen, W.: Die dreizehnteilige Skala der Windstärken.
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Windgeschwindigkeiten hätten. Allein da diese in der untersten Luftschicht mit
der Erhebung über dem Boden so schnell zunehmen, so müßten wir wissen, für
welche Schicht sie gelten, und sie untereinander entweder direkt oder durch
Reduktion vergleichen können. Dem legt aber nicht nur unsere Unkenntnis,
sondern auch die Unklarheit der Fragestellung unübersteigbar scheinende Schwierig-
keiten in den Weg. Denn die Unebenheit der . unteren Grenzfläche des Luft-
meers macht, daß in der Schicht zwischen den Häusern, Bäumen, Hügeln usw.
diese Zunahme an jedem Punkte anders ist, und in der freien Luftschicht über
ihnen es unbestimmt bleibt, von welchem Nullpunkt wir die Höhe messen sollen.
Das hervorragendste Beispiel dieser Unklarheit geben die Anemometer-Auf-
zeichnungen auf dem Bureau central möet6orologique zu Paris, da sie die Ver-
gleichsbasis für die höchst wertvollen Aufzeichnungen auf dem Eiffelturm abge-
geben haben. Sie haben als Jahresmittel nur 2.15 m per Sek. ergeben (auf dem
Eiffelturm 8.7 m per Sek.), obwohl das Anemometer sich 21 m über dem Straßen-
pflaster befand. Offenbar ragte das Anemometer, trotz seiner bedeutenden Höhe
über dem Boden, nur wenig über die unebene Oberfläche des Häusermeers von
Paris hinaus; denn dasjenige auf dem Montsouris-Observatorium bei Paris hat,
ebenfalls 20 m über dem Boden, ein Jahresmittel von 4.0 m per Sek. ergeben,
was sich den an frei gelegenen Anemometern in Norddeutschland und England
gewonnenen Jahresmitteln von 4 bis 7 m per Sek. weit besser anschließt. Für
Berechnungen über Reibung usw. darf man also beim Vergleich mit dem Eiffel-
turm die Höhe des Anemometers auf dem Bureau über der Unterlage nicht als
21 m, sondern viel kleiner setzen; wie groß aber sie anzusetzen ist, bleibt bei
der so unebenen Grundfläche unbestimmt, was sehr zu bedauern, aber durch die
Lage des Eiffelturms in der Stadt bedingt ist. Die fast ideal freistehenden
Funkentürme und Antennenträger von Nauen und Eilvese — die an .beiden
Orten je 250 und 125 m hoch sind — werden uns indessen bald auch in dieser
Hinsicht maßgebende Angaben liefern, da deren Ausstattung mit Windmeß-
apparaten im Gange ist.
Die Tafeln der Meridionalteile.
Von A, Wedemeyer:
Die Tafeln der Meridionalteile — die Bezeichnung rührt von Norwood her,
der erst von Wrights und Gunters Zables of Latitude spricht und dann sagt: Icall
them Meridionall Parts (Zrigonometrie S. 95) — sind noch kurz vor der Erfindung
der Logarithmen berechnet worden.‘ Die Meridionalteile sind dem Zahlenwerte nach
gleich. den natürlichen Logarithmen der Tangenten multipliziert mit einem be-
ständigen Faktor. Man darf daher sagen, die Tafel der Meridionalteile von Wright ist
die erste logarithmisch-goniometrische Tabelle und die Table of Rumbs von Wright
ist die erste Antilogarithnentabelle gewesen. Aus dieser Tabelle hätte man damals
die Logarithmen der Zahlen durch Einschalten ableiten können, da Tangenten-
tafeln seit langem vorhanden waren, Die Tafeln bilden die Grundlage für die
Seekartenwerke aller Staaten. Aus diesem Grunde darf die Geschichte ‚dieser
Tafeln unser Interesse beanspruchen, Die Table of Rumbs, die Wright zwecks
Zeichnung der Loxodromen auf dem Globus oder in irgend einer Karte ‚ent-
worfen hatte, ist in Vergessenheit geraten, da sie zur Besteckrechnung ungeeignet
war. W. Ligowski hat sie in den Tafeln der Hyperbelfunktionen und der Kreis-
funktionen, Berlin 1890, wieder eingeführt. ;
Edward Wright hat die Tafel der Meridionalteile zuerst berechnet und an
Thomas Blundevile gesandt, der sie 1594 in einer kleinen Schrift: »A4 new and
necessarie Treatise of Navigation« veröffentlichte. Den Anstoß zur Berechnung
hatten die kurz zuvor erschienenen Karten von Gerhard Merkator gegeben. Zu
jener Zeit waren Methoden zur Berechnung der Logarithmen selbstverständlich
noch nicht bekannt. Wright hat also unbewußt die erste logarithmische Tabelle