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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

König: Dauer des Sonnenscheins im deutschen Küstengebiete, ; 395 
ist, welche thatsächlich nach stündlichen Beobachtungen in Görlitz und in Pots- 
dam,!) in den Stunden 11" a—2* np eine gröfsere ist, als vorher und nachher. 
Die Stunde, in welcher die Sonne länger (und also auch häufiger) scheint 
als zu irgend einer anderen und in irgend einem Monat, fällt in ganz Nordwest- 
europa auf den Mai. Eberswalde und Bremen haben von 10 bis 11 Uhr im Mai 
durehschnittlich rund 20mal, Rostock 11 bis 12 Uhr rund 20mal, Hamburg 12 
bis 1 Uhr ungefähr 17mal, Kiel 1 bis 2 Uhr 20mal, endlich Magdeburg 2 bis 
3 Uhr ca 19mal Sonnenschein. Die Wahrscheinlichkeit des Sonnenscheins zu 
diesen bezw. Stunden ist nahezu gleich 0,6, d.h. unter 10 Tagen darf man an 6 
zu diesen Stunden Sonnenschein erwarten. Die Länder Centraleuropas inkl. 
Schweiz und Adria empfangen den meisten Sonnenschein im Juli oder August 
mit theilweise stark an die Gewifsheit grenzender Wahrscheinlichkeit, z. B. Pola 
(W ==0,9) im Intervalle 3—4*p im Juli. 
Interessante Ergebnisse zeitigt auch eine Vergleichung der vor- und der 
nachmittägigen Insolationssummen. Es registrirten: 
Kiel. . 
Rostock . 
Hamburg . 
Bremen . 
Eberswalde. 
Magdeburg . 
Stuttgart. . 
Wien. 
Triest. 
Rom, “vs 
Madrid . 
Säntis . > 
Sonnblick 
Obir . 
vormittags 
Std. % 
829,1 49 
508,4 48 
531,0 #2 
314,0 
827,4 
785,0 
502,9 
D02,4 
11216 
1234,8 
1518,7 
47,4 
849,7 
850,2 
nachmittags 
Std. 0/7 
855,0 4 
884,9 An 
105,5 a 
386,7 
34.6 
817,7 
613,9 
910,0 
1108,8 
;L 1196,5 
2 1409,0 
53 844,3 
55 681,7 
52 799,1 
9 
9 
‘9 
7 
r 
AQ 
7 
45 
48 
Hier zeigt sich wieder der natürliche Gegensatz zwischen Bewölkung und 
Sonnenschein. Im Küstengebiete der Nord- und der Osisee ist erstere in den 
Morgenstunden in allen Jahreszeiten ziemlich stark, und fast überall erreicht sie 
ihr Minimum am Abend. Dementsprechend kommt auf den Vormittag in allen 
Stationen Deutschlands weniger Sonnenschein als auf den Nachmittag, und der 
Unterschied ist ein wenig größer im Küstengebiete als im Binnenlande, wo er 
häufig auf O0 herabsinkt (Stuttgart, Wien). Im Süden kehrt sich das Verhältnifs 
um; und auch die Gipfelstationen erfreuen sich vormittags einer gröfseren Sonnen- 
scheindauer als nachmittags. Scheidet man aber bei Untersuchung dieser Frage 
nach kalter und "warmer Jahreszeit, so ergiebt sich, dafs im Winter ganz all- 
gemein (mit Ausnahme der Gipfel. und der südlichsten Stationen Rom und Madrid) 
der Nachmittag sonniger ist als der Vormittag. Im Sommer haben freilich die 
meisten Stationen nachmittags auch mehr Sonne als vormittags, doch sind mehrere 
Ausnahmen vorhanden: Madrid, Rom, Wien, Klagenfurt und Bukarest. Diese 
drei letzten Stationen haben also im Sommer ein Vormittags-, im Winter ein 
Nachmittagsmaximum und bilden demnach eine Art Uebergang zu den Stationen 
Südeuropas, die zu allen Zeiten vormittags mehr Sonnenschein geniefsen als nach- 
mittags. Die Gipfelstationen halten hierbei zu den südlichen. ; 
Rostock. .. 
Hamburg - 
Magdeburg . 
Wien. . . 
Klagenfurt » 
Bukarest. 
Rom ... 
Madrid . 
Sonnblick 
» 
.» 
3 a 
Sommer 
vorm. 
619,0 ; 
403,5 
390,5 
677,9 
654,5 
157,38 
808,7 
381,2 
170,0 
nachm. 
677,9 
530,3 
592,6 
651,3 
625,5 
751.4 
790,6 
890,8 
325,7 
Winter 
vorm. . 
189,4 
127,5 
194,5 
294.5 
215,8 
RO. 
126,1 
530,8 
379,7 
nachm. 
207,0 
175,2 
225,1 
258,7 
320,5 
315,5 
405,9 
518,2 
336,0 
1) Vgl. „Veröffentl. d. preufs. Met, Inst.“, 1891, Heft NL, und „Ergebn. d. met. Beobacht. 
in Potsdam. 1893 .und 1894“,
	        
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