390 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1896.
Strahlen eine viel dickere Luftschicht zu durchbrechen haben als bei höherem
Stande; es gehen also im Winter wesentlich mehr Strahlen durch Absorption
verloren für die Erde als in den übrigen Jahreszeiten. Die absolute Größe des
Minimums schwankt im Allgemeinen zwischen 30 bis 40 Stunden oder 13 bis 17 °/o.
Darunter bleiben Marggrabowa, Kiel, Eberswalde mit ca 10 °%, Hamburg mit 9°,
Stuttgart mit nur 3%, darüber erheben sich Leobschütz, Erfurt und Emden mit
20, Chemnitz mit 21, Jena mit 22°% und Ellewiek und Poppelsdorf mit 22 bis
23% 0 (im Januar). Wir müssen es aber dahingestellt sein lassen, ob nicht bei der
pinen oder der anderen Station verschiedene Mafsstäbe bei der Reducirung der
Streifen angelegt sind.
Das Maximum der jährlichen Periode hat einen weniger einheitlichen
Charakter als das Minimum. Ersteres deckt sich mit der Periode der längsten
Tage ganz und gar nicht, im Gegentheil findet fast überall im Juni und Juli —
wenigstens in Nordeuropa — ein Rückgang der Sonnenscheindauer, namentlich
in den procentualen Werthen statt. Demgegenüber weist das ganze nordwestliche
Europa von seinem höchsten Norden an durchgehends ein ausgesprochenes
Maximum im Mai auf, dem meistens noch ein zweites (sekundäres) im August folgt.
Mit abnehmender Breite und zunehmender Länge verschiebt sich das Haupt-
maximum nach und nach mehr nach dem Sommer hin, so dafs schliefslich die
Lagen der beiden Maxima vertauscht werden.
Bremen, Ellewiek, Kiel . .
Marggrabowa, Dirschau, Breslau
Geisenheim . . . +
Stuttgart. . + 2.
Hauptmaximum
Mai
August
Sekundäres
Maximum
August
Mai
Mai
Juni
Südfrankreich, die Schweiz, die Adria und der ganze Süden Kuropas haben
das Hauptmaximum im Juli bis August. Im Gebiete der deutschen Stationen über-
steigt sowohl das Mai- wie das Augustmaximum den Betrag von 52 % nur in
wenigen Fällen; der Durchschnitt liegt wohl etwas unter 50 %. Der Süden
erreicht aber recht hohe Werthe im August:
Wien Zürich Triest Montpellier Lugano Rom Madrid
54 57 66 67 67 75 840%
Im Januar empfängt Deutschland 20 bis 25° des möglichen Sonnen-
scheins. Dann folgen drei Monate stetiger Zunahme bis zu 40 bis 45 %. Auf
den Mai kommen bei uns 40 bis 50 °%o, und in den beiden folgenden Monaten
yehen die Werthe in Deutschland um einige Procent zurück, während sie im
centralen, östlichen und südlichen Europa ihre ansteigende Tendenz behalten, bis
sie im August ihre höchste Höhe erreichen.
Im September beträgt die Abnahme für unsere Gegenden 5 bis 7%,
and in den beiden letzten Monaten des meteorologischen Jahres erfolgt eine
weitere Abnahme, bis das Minimum erreicht ist.
Tım Gebirge ist der Verlauf des Sonneuscheins fast ein direkt entgegen-
gesetzter, als er hier geschildert. Einmal ist die Dauer der Insolation dort viel
gleichmäfsiger über das ganze Jahr vertheilt — auf dem Sonnblick z. B. beträgt
das Minimum 115 Stunden, das Maximum 151 Stunden, die Differenz der beiden
Extreme beläuft sich also auf nur 36 Stunden, ähnlich auf dem Obir und dem
Säntis, andererseits aber hat das Hochgebirge auch in den Wintermonaten hohe
Sonnenscheinbeträge, ja die procentualen Maxima fallen geradezu auf diese Jahres-
zeit. Der Gegensatz zwischen Hochgebirge und Niederung tritt sehr klar aus
folgender Zusammenstellung hervor:
Sonnblick
Obir . .
Wien. .
Hamburg
Winter
nl.
ß
i1 |
25%
LL%
Vr
u
3li
nn:
er
|
Sammer | Herbst ı Jahr
fa
07a
O/a
O0/a
29* 30
32% 38
42 538
2 | 31
38
37
32
92
34
37
41
28
Maximum
Dezember
Februar, Aug.|
Juli, Mai
Mai, August
Minimum
Juni
April— Juni
Dezember
Dezember