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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1596. 
aus dem südwestlichen Viertel kommt, ja im Sommer der südlichen Breiten oft 
schon auf der Höhe des Kaps der Passat angetroffen wird. Ist der Wind schral 
westlich, so suche man, bei genügendem Seeraum, immer nur Nord zu machen, 
worauf der Wind gewöhnlich bald zu raumen beginnt. Im Winter herrschen 
jedoch auch im Westen des Kaps und bis über 30° S-Br hinaus vielfach nord- 
westliche Winde, und ist es deshalb in dieser Jahreszeit angezeigt, jede passende 
Gelegenheit wahrzunehmen, um einen etwas gröfseren Abstand vom Lande zu 
gewinnen. 
Nachdem man den Passat erhalten, hat man in erster Linie 
darauf zu achten, dafs der Kurs nicht zu früh nach Westen geändert 
wird, weil man sonst Gefahr läuft, den günstigen Wind alsbald wieder 
zu verlieren. 
Im Januar, Februar und März setze man den Kurs auf St. Helena 
und verfolge denselben bis 24° S-Br, welche in etwa 4° O-Lg geschnitten werden 
sollte. Dann halte man allmählich westlicher nach 20° S-Br und 10° W-Lg und 
steuere nun in 20° S-Br nach Westen, bis Trinidad-Insel passirt ist, dann nach 
dem Bestinmungsplatze. 
Mai, Juni und wahrscheinlich auch noch Juli erfordern die nördlichste 
Route. Man sollte sich eher östlich als westlich von der direkten Route nach 
St. Helena halten und 20° S-Br nicht westlich von 0° Länge schneiden. Den Kurs 
auf St. Helena verfolge man bis 17° S-Br, steuere dann westlich über 16° S-Br 
und 10° W-Lyg nach 16° S-Br und 20° W-Lg und von hier südlicher über 18° S-Br 
und 30° W-Lg nach dem Bestimmungsorte. Bei der Annäherung an die Brasil- 
Küste bringe man sich im Mai und Juni schon vorher beinahe auf die Breite 
des Bestimmungsortes, da unweit der Küste in diesen Monaten der Wind oft 
schral südlich ist. 
Im April kann man eine mittlere Route nehmen, die aber näher der 
Herbst- als der Sommerroute liegen sollte. 
Im August und September setze man den Kurs anfänglich wie im Mai, 
Juni und Juli, schneide 20° S-Br nicht westlich von 0° Länge und ferner 10° W-Lg 
in etwa 18° N-Br, 20° W-Lg in etwa 17,5° N-Br und 30° W-Lg in etwa 18° N-Br. 
im August kann man sich etwas nördlicher halten, im September vielleicht etwas 
südlicher. 
Im Oktober, November und Dezember verfolge man den Kurs auf 
St. Helena bis 23° S-Br und 4° O-Lgy und kreuze dann, allmählich westlicher 
steuernd, 0° Länge in 21° S-Br, 10° W-Lg in 19° S-Br, 20° W-Lg in 19° S-Br 
and 30° W-Lg in 20° S-Br. 
Die angegebenen Routen sind so projektirt, dafs sie ungefähr zwei Grad 
innerhalb der mittleren polaren Passatgrenze bleiben. Sie sind nicht so nördlich 
gelegen, dafs sie durch den Strich des frischesten und beständigsten Passats 
führen, der von Januar bis März meistens in etwa 15° S-Br, im April und 
Dezember in etwa 10° S-Br und von Mai bis November in ungefähr 5° S-Br oder 
noch nördlicher gefunden wird, und die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, 
dafs man infolge einer zeitweiligen nördlichen Verschiebung der Passatgrenze 
auch auf diesen Routen noch eine unbefriedigende Gelegenheit antrifft. Unter 
solchen Umständen ist es immer rathsam, nördlicher zu gehen, es sei denn, dafs 
der Barometerstand niedriger als 763 mm — ca 766 mm unreducirt — ist, in 
welchem Falle man voraussichtlich auch weiter im Norden nicht mehr Briese 
finden würde. 
Im Mai und Juni, vielleicht auch in den übrigen Wintermonaten, kommt 
as mitunter vor, dafs der Passat auf der östlichen Hälfte des Südatlantischen 
Oceans gestört ist, indem der hohe Luftdruck, der unter normalen Verhältnissen 
hier zwischen 25° und 30° S-Br vorhanden ist, zeitweilig verschwindet und an 
zeine Stelle ein Gebiet niedrigen Luftdruckes tritt. Die Anwesenheit des letzteren 
bedingt, dafs an seiner Ostseite nördliche, im Süden östliche, im Westen süd.iche 
and im Norden, wo sonst der Passat herrscht, westliche Winde wehen. Bei 
einer solchen Wetterlage, die man daran erkennt, dafs man schon aufserhalb der 
gewöhnlichen Passatgrenze östlichen Wind antrifft, der auf nordwestlichem Kurse 
bei fallendem Barometer an Stärke zunimmt, erscheint es nicht rathsam, die 
gewöhnliche Route zu verfolgen, vielmehr sollte man nun den direkt nach dem 
Bestimmungsort führenden Kurs einschlagen und diesen so lange einhalten, bis
	        
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