x
1
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1896.
Bedenkt man aufserdem, dafs auch das kräftigste Nebelsignal bisweilen
nicht auf zwei Minuten Abstand von der Schallquelle zu hören ist und dafs man
auf Grund eines Schalllauts nicht genau ausmachen kann, sei es den Abstand oder
lie Richtung nach der Signalstation, so geht hieraus klar hervor, wie unvoll-
kommen die Nebelsignale im Stande sind, bei wenig sichtbarem Wetter die
Leuchtfeuer zu ersetzen.
Glättung der Meereswellen durch Seifenwasser.
Eine Reihe von Versuchen, die der Unterzeichnete neuerdings in Cuxhaven
angestellt hat, haben das auf Seite 323 des Jahrgangs 1893 dieser Zeitschrift
Jarüber Gesagte vollständig bestätigt. Lösungen von 2 bis 10%, Seife in
frischem (süfsem) Wasser üben auf Meerwasser dieselbe glättende Wirkung aus,
wie auf Sülswasser: es bilden sich grofse glänzende Flächen, in welchen die vom
Winde eszeugten „Elementarwellen“ verschwunden oder doch so abgeflacht sind,
dafs Spiegelbilder mit scharfen Umrissen sichtbar werden; der Rand dieses
ylatten Feldes ist scharf begrenzt. Die Ausbreitung und, so viel erkannt werden
konnte, auch die Dauer der Glättung ist mindestens ebenso bedeutend, wie bei
Rüböl, das abwechselnd mit dem Seifenwasser zur Kontrole angewendet wurde;
jedoch erfordert das Seifenwasser insofern ein genaueres Hinsehen, als seine
Wirkung eben nur durch die Glättung erkennbar wird und keine Farben-
phänomene, wie beim Oel, entstehen.
Es bestätigte sich ferner das ebenda auf Seite 324 Gesagte, dafs selbst
eine weitgehende Mischung der Seifenlösung mit Seewasser ihrer Wirksamkeit
keinen Eintrag thut. Dagegen erwies sich ein Aufgufs von reinem Nordseewasser
auf grüne Seife als fast ganz unwirksam auf Meerwasser, während ein eben
solcher Aufgufs, selbst wenn in ihm die Seife nur in Form von weißen Flocken
amherschwimmt und er im Uebrigen durchsichtig ist, auf Sülswasser fast so
wirksam ist, wie mit süßem Wasser angesetztes Seifenwasser.!) Es scheint also,
Jafs in letzterem Falle die Wirkung auf einer schnellen Lösung der Seifen-
Äocken durch die Unterlage und der Ausbreitung des Produkts auf deren
Oberfläche beruht. Anscheinend waren aber dann zur Erreichung der gleichen
Wirkung größere Seifenmengen nöthig, als wenn man die Seife in Gestalt
„frischen“ (süßfsen) Seifenwassers auf die Süfswasserfläche spritzte.
Dagegen ergab, unerwarteter Weise, trocken auf die Wasserfläche ge-
streutes Pulver von Seifenextrakt auch auf Meerwasser eine leidlich gute Wirkung,
wenn auch keine so gute, wie süßes Seifenwasser. Es scheint danach, dafs dieses
Seifenextrakt in Salzwasser löslicher ist als grüne Seife; das wäre vielleicht
nicht für die Wellenberuhigung, aber für andere Zwecke praktisch von Werth.
Das benutzte Extraktpulver stammte aus der Fabrik von Schmidt & Klumpp
in Lippstadt, Westfalen.
Reines Petroleum erwies sich auch bei diesen Versuchen als fast unwirk-
sam; es breitete sich nur ganz wenig aus. Dagegen war es, wenn mit einer
kleineren Menge — etwa */4 oder !/s — Rüböl gemischt, fast so wirksam wie
das letztere, wie denn auch solche Mischungen bei Versuchen auf dem Teller
grofse Ausbreitungs-Fähigkeit zeigen. Es wird daher die schon von Kapt.
Karlowa für niedrige Temperaturen empfohlene Mischung von mineralischen
and pflanzlichen oder thierischen Oelen sich wohl in vielen Fällen vortheilhaft
erweisen, ebenso wie auch das Mischen bezw. gleichzeitige Anwenden von Oel
und Seifenwasser guten Erfolg verspricht. |
Die Versuche des Unterzeichneten beziehen sich nur auf die kleinen
„Elementarwellen“, die jeder frische Wind auf Wasserflächen aufwirft. Nur die
völlige Aehnlichkeit in der Wirkung von Seifenwasser und Oel auf diese
Wellen legt die Vermuthung nahe, dafs auch die noch unerklärte Wirkung des
Oels auf das Uebernehmen von Sturzwellen im Grofsen sich bei Seifenwasser in
4) Der Ausdruck „Seifenwasser“ ist genauer als „Seifenlösung“, denn die trübe Flüssigkeit
enthält ja neben gelösten auch suspendirte feste Theile, und es ist nicht von vornherein sicher, welche
Rolle die einen und die anderen im gegebenen Falle spielen,