104 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1896.
betheiligten Schiffen nahmen 120 — sechs Siebentel aller — den Weg um
Staaten-Land herum, während nur 20 durch die Strafse gingen. Die Rund-
fahrten der Letzteren, von 50° S-Br im Atlantischen, nach 50° S-Br im Stillen
Ocean gerechnet, gestalteten sich nun im Vergleiche zu Fahrten von Mitseglern,
lie um Kap St. John herumgingen, folgendermafsen.
Mitsegler-Reisen rund Kap Horn.
Brigg „J. H. Lübken‘“ und Bark „Aeolus‘.
Die Brigg „J. H. Lübken,“ Kapt. E. J. Schoone, schneidet 50° S-Br
in 65,2° W-Lg am 24. Dezember 1891 um 6"a, gelangt mit nördlichem und
zunehmendem nordwestlichen Winde gegen Mittag vor die Strafse Le Maire, die
sie mit Sturm aus Nordwest durchsegelt Mit nördlichem Winde erreicht die
Brigg die Länge von Kap Horn am Abend des 28, Dezember in 57,5° S-Br.
Weiterhin ist der Wind sehr veränderlich in Stärke und Richtung, aber vor-
wiegend westlich bei anhaltend tiefem Barometerstande; doch kann das Schiff
immer noch etwas vorwärts kommen. Es schneidet 55° S-Br in 79° W-Lg am
10, Januar 1892 und erreicht mit stürmischem Winde aus Süd, der am nächsten
Tage einsetzt, 50° S-Br in 82° W-Lg am 12. Januar um 11®*p. Dauer der
Rundfahrt 19 Tage 17 Stunden.
Bemerkung über die Durchfahrt durch die Strafse. „Um 11*a
peilten Kap San Diego SWzS, 4 Sm entfernt. Hohe, wilde, sich brechende See,
Segelten durch die Strafse Le Maire. Der anfangs steife Nordwestwind wird
im südlichen Theile der Strafse zum rasenden Sturm mit orkanartigen Wind-
stöfßsen. Um 1®* p waren hindurch. Auf dem Riff bei Kap San Diego sahen wir
ein eisernes Vollschiff gestrandet, das noch seine Segel stehen hatte, aber an-
scheinend von der Mannschaft schon verlassen war.“ Die Brigg machte die
Durchfahrt gegen den Fluthstrom, doch war es taube Gezeit. Der Ebbestrom
sollte um etwa 2* p beginnen.
Die Bark „Aeolus“, Kapt. W. Frerichs, überschreitet 50° S-Br in 64,7°
W-Lg 4 Stunden früher als die Brigg, am 24. Dezember um 2* a, setzt den Kurs
auf Kap St. John, das sie am 26. Dezember um 11* a passirt, und erreicht den
Meridian von Kap Horn am Vormittage des 31, Dezember, 21/2 Tage später als
ihr Mitsegler. Diesen Verlust kann die Bark aber später wieder einbringen.
Indem sie sich etwa 2° südlicher als die Brigg hält, bleibt sie an der Südseite
der vorhandenen stationären Depression und segelt vom 6. bis zum 9. Januar
mit beständiger östlicher Briese, während die Brigg in Windstille und westlicher
Mallung festliegt. Die Veränderung der Stellung der beiden Schiffe zu einander
grgiebt sich aus beider Mittagspositionen:
1892 Januar 6, „Aeolus“ in 57°49‘ S, 74° 5’W, „J.H.Lübken“ in56° 15‘S, 77°40'W,
7, » „ 57°53' SS, 75°42'W, m „55°58'S, 78° 0’W.
8, s „ 57°14' 8, 78°38‘W, # „55°40'85, 77° 8 W,
9, » „ 56°53‘S, 80° 8‘W, ” „ 55°10‘8S, 77° 44' W.
„Aeolus“ überschreitet 55° S-Br in 80° W-Lg am 10. Januar und 50° S-Br
am 12. Januar um 8" p, 3 Stunden vor „J. H. Lübken.“ Dauer der Rundfahrt
19 Tage 18 Stunden. Kein Unterschied zwischen den beiden.
Barken „Brilliant“ und „Theodor“.
„Brilliant“, Kapt. H. Rheder, passirt 50° S-Br in 64,3° W-Lg am 1. Mai
1892, steuert mit veränderlichem, nordwestlichem, südwestlichem und südöstlichem
Winde nach der Straße Le Maire, welche am Mittage des 5, Mai mit steifem
Nordwestwinde durchsegelt wird, und passirt in Sicht von Kap Horn am 7. Mai.
In der Folge hat die Bark eine Reihe heftiger Stürme, vornehmlich aus NW
bis West, durchzumachen, sie geht südwärts über 59° S-Br hinaus, ohne jedoch,
trotz des sehr niedrigen Barometerstandes, Ostwind anzusegeln. Am 19. Mai,
als der Wind stürmisch aus Süd einsetzt, am nächsten Tage aber wieder nach
West holt, steht das Schiff noch nicht westlich genug, um diese Gelegenheit
ausnutzen .zu können, Erst mit dem zweiten südlichen Winde, der am 26. Mai
in 55° S-Br und 79,4° W-Lg sich einstellt, gelangt es nach Norden und erreicht
50° S-Br in 80° W-Lg am 28. Mai. Dauer der Rundfahrt 27 Tage.
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