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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

SF 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1895. 
Eine Fahrt auf dem Yang-tse-Kiang und die Beschreibung dreier 
Taifune. 
Aus dem Reiseberichte des Kapt. FR. SEGELKEN, Führer des Dampfers „Africa“ 
Auf der Reise von Rotterdam nach Shih-wui-yan liefen wir in der 
Nacht vom 12. auf den 13. Oktober 1891 bei leichter östlicher Briese und 
regnerischem Wetter in die Mündung des Yang-tse-Kiang ein. Um 12* peilte 
las Feuer von Gutzlaff SW!/AAW, dasjenige der Saddle-Insel 0!/2S, wo das Loth 
/ Faden Tiefe angab. Wir steuerten, da kein Lootse zu finden war, die Feuer in 
Sicht behaltend, mit langsamer Fahrt weiter. Von Tagesanbruch an ließenwir halbe 
Kraft gehen, wobei beständig gelothet und Tiefen von 7 bis 5 Faden gefunden 
wurden. Um 7* 30“ den 13. Oktober wurde das Feuerschiff von Fungsha passirt, 
am 7° 45” erblickten wir voraus ein Lootsenfahrzeug und um 8* 15” erhielten 
wir einen Shanghai-Lootsen. Derselbe brachte das Schiff um 11 Uhr vormittags 
in der Nähe von Wusung zu Anker. Darauf verliefs uns der Seelootse und an 
3eine Stelle trat ein Flufslootse. Der Kapitän mulste nach Shanghai fahren, um 
Jas Schiff einzuklariren. Unterdessen wurden mehrere Hölzer an Bord genommen, 
welche zur Landung der Ladung in Shih-wui-yan dienen sollten. 
Am 14. Oktober um 7 Uhr morgens lichteten wir mit der Fluth den 
Anker und dampften bei steifem Nordostwinde und schauriger Luft den Yang-tse- 
Kiang aufwärts. Am Morgen des 15. Oktober mufsten wir wegen dicken 
regnerischen Wetters um 3 Uhr ankern und zwar mit B. B.-Anker und 45 Faden 
Kette; um 5 Uhr klarte das Wetter jedoch auf, und eine halbe Stunde später 
setzten wir die Reise fort. Um 7* 15” erreichten wir Chin-Kiang. Nach Orduen 
der Papiere und nachdem ein Zollbeamter an Bord genommen war, wurde weiter 
gedampft. Um 3 Uhr nachmittags wurde bei bedeckter Luft und öftern Regen- 
schauern Nanking und um 11 Uhr abends Wuhu passirt. Wir fuhren stets mit 
voller Kraft und hatten einen Gegenstrom von 2 bis 3 Sm die Stunde zu über- 
winden. Um 11 Uhr abends den 16. Oktober mußte bei der Dove-Spitze 
geankert werden, da das Fahrwasser weiter hin bis Little Orphan sehr unsicher 
and voller Untiefen ist. Eine besonders flache Stelle auf dieser Strecke kann 
nur bei Tage mit Sicherheit passirt werden. 
Um 4 Uhr morgens den 17. Oktober ging der Lootse mit dem Boote 
fort, um das Fahrwasser auszulothen, und es gelang ihm auch, die flachste Stelle, 
wo nur ein Wasserstand von 1,5 m — 5 Fuß — war, festzustellen. Gegen 7 45” 
kam er wieder an Bord; es wurde sofort der Anker gelichtet und weiter 
gedampft. Um 3 Uhr nachmittags passirten wir Kiu-Kiang, woselbst ein neuer 
Zollbeamter den bislang an Bord gewesenen ablöste. Seit 2 Uhr regnete es 
beständig. Um 10 Uhr abends klarte der Himmel jedoch ab, und es trat eine mond- 
helle Nacht ein. Um 2* 30” morgens am 18, Oktober ankerten wir in der Nähe 
anseres Reiseziels Shih-wui-yan. Als es Tag wurde, unternahmen wir eine 
Auslothung der nächsten Umgebung, um einen guten Ankerplatz auszufinden, und 
nachdem uns dies gelungen, wurde „Africa“ auf einer Tiefe von 5 Faden — 
9m — mit beiden Ankern vertäut. Dann wurde sofort mit der Entlöschung 
begonnen. Die ganze Ladung mufste in kleinen chinesischen Booten, welche 
zwei und zwei neben einander zusammengebunden waren, gelöscht werden. 
Shih-wui-yan ist ein kleiner Ort auf dem rechten Ufer des Yang-tse-Kiang, 
rund 510 Sm oberhalb von Wusung, der nur von Arbeitern bewohnt wird. Es 
ist daselbst nichts zu kaufen; unsere Erfrischungen mußten wir von Hankau, 
das etwa 60 Sm weiter flufsaufwärts gelegen ist, kommen lassen. 
Der Aufenthalt von „Africa“ in Shih-wui-yan dauerte 9 Tage, vom 18. 
bis zum 27. Oktober. Nach den in dieser Zeit regelmäßig um 8 Uhr morgens, 
2 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends angestellten meteorologischen Beobachtungen 
waren Windstillen und nach diesen schwache ostsüdöstliche Winde vorherrschend. 
Aufserdem wurde zweimal ein leichter Nordwest- und einmal ein leichter Nord- 
ostwind beobachtet. Der auf 0° Temperatur und den Flufsspiegel reducirte 
mittlere Luftdruck betrug 760,7 mm. Als höchster Stand wurde 764,6, als
	        
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