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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

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Wislicenus: Die Küste von Tonkin. 
nun die Deckpeilung dieser beiden Spitzen in N 28° W, bis man bei der letzten 
schwarzen Tonne der Flußmündung ankommt; diese Tonne liegt ungefähr 1 Sm 
von der schwarzen Spitze oder von der letzten Krümmung des westlichen steilen 
Ufers. Dort nimmt man Kurs auf einen zerstörten Deich des linken Ufers, der 
sich schwarz von der Küste abhebt; man geht dabei auf 50 m an das linke Ufer 
hinan und folgt ihm, bis man die schwarze Spitze vollständig passirt hat; bei der 
schwarzen Spitze liegt eine grofse Bank, die sich auf ein Drittel der Flußbreite 
ausdehnt. 
Aufwärts von der schwarzen Spitze ist der Flufs frei von Gefahren; man 
kann bis nach Hai-Phong die Mitte des Fahrwassers halten. Man ankert flufs- 
aufwärts oder flufsabwärts von dem kleinen Flufsarm, der Song-tam-bac genannt 
wird. Flulsabwärts liegt ein grofses Tief mit 20 m Wasser, wo die beiden 
Strömungen des Flusses und seines Armes starke Wirbel hervorrufen. 
Man thut gut, sich auf dem Ankerplatze zu vertäuen; der Grund ist 
lehmig, die Anker sinken nicht genügend darin ein, Wenn man nur mit einem Anker 
ankert, läuft man Gefahr, unklaren Anker zu bekommen und bei starkem Strom 
zu treiben. Die Stationsschiffe ankeru meistens aufwärts vom Song-tam-bac; sie 
haben mehrmals Taifune vor Anker abgeritten, ohne zu treiben. 
Der Kua Kam ist bis nach Thai-Binh, 30 Sm oberhalb von Hai-Phong, 
für Schiffe von 3 m Tiefgang schiffbar. Die Schiffahrt im Flusse bietet nur ganz 
geringe Schwierigkeiten. 
Der Song-tam-bac ist ein kleiner Kanal, der von Hai-Phong ausgeht und 
den Kua Kam mit dem Kua Tray in Verbindung setzt. Der Kanal ist sehr 
schmal; seine geringe Tiefe macht ihn nur für Schiffe bis zu 2 m Tiefgang 
ahrbar. 
Hai-Phong. Hai-Phong macht den Eindruck einer fast ganz europäischen 
Stadt; es liegt in dem Dreieck zwischen dem Kua Kam und dem Song-tam-bac. 
Längs der rechten Ufer dieser beiden Wasserläufe liegt eine Reihe von Docks, 
Zollhäusern, Schiffswerften, Lagerhäusern der Dampfergesellschaft Messageries 
maritimes und Anlagen für den Verkehr der Flulsdampfer-Gesellschaften. Hier 
ist der Ausrüstungshafen der Küstendampfer, die Annam, Cochinchina und Hon- 
kong anlaufen. Die Stadt ist schon ziemlich ausgedehnt und wächst noch be- 
ständig nach sehr schön angelegtem Plane. _ 
Hai-Phong hatte 1889 außer der tonkinesischen Bevölkerung 600 Europäer 
und 5000 Chinesen, 
Die Reisausfuhr ist der wichtigste Handelszweig. Dann kommen Zinn, 
Farbhölzer, wovon das wichtigste der Kunan oder falsche Eisenbaum (faux 
gambier), ferner Schweine, Perlmutterplättchen etc. Die Einfuhr besteht haupt- 
sächlich aus Baumwollstoffen und Salz. Hai-Phong hat tägliche Dampferver- 
bindung mit Hanoi durch Flufspostdampfer und durch viele Dampfschaluppen. 
Diese Dampfer laufen in der trockenen Jahreszeit durch den Kua Lok oder 
Bambuskanal; während der Regenzeit benutzen sie den Song-Chi oder Kanal der 
Stromschnellen. Letzterer, der in den Rothen Flufs etwas oberhalb von Hanoi 
einmündet, ist der bei Weitem kürzere Weg. Unglücklicherweise hat er nur 
geringe Tiefen und besitzt mehrere Schnellen, wo sehr heftiger Strom läuft. 
Ausrüstungsmittel. Man bekommt in Hai-Phong Lebensmittel aller Art; 
ein beträchtlicher Kohlenvorrath ist vorhanden. Das Wasser, das aus dem 
Kuang-yen kommt, ist gut. 
Der Hafen hat Werften und geübte Handwerker, um an den Schiffen Aus- 
besserungen der Maschine und andere ausführen zu können. 
Zeitball. Auf dem Maste der optischen Signalstation zu Hai-Phong, nahe 
beim Song-tam-bac, hatte man einen Zeitball eingerichtet, der um 9% mittlere 
Ortszeit von Hai-Phong fiel; dieses Signal wird anscheinend jetzt nicht mehr 
yemacht. 
Der Kua Nam-Trieu. Der Kua Nam-Trieu mündet mit einem weiten 
Fluthbecken in die Bucht von Do-Son. Man findet 3,6 m auf der Barre bei 
Niedrigwasser und 3,2 m auf einer Spitze, die genau auf der Peilungslinie liegt, 
in der man die Barre passiren soll.
	        
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