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Wislicenus: Die Küste von Tonkin.
nun die Deckpeilung dieser beiden Spitzen in N 28° W, bis man bei der letzten
schwarzen Tonne der Flußmündung ankommt; diese Tonne liegt ungefähr 1 Sm
von der schwarzen Spitze oder von der letzten Krümmung des westlichen steilen
Ufers. Dort nimmt man Kurs auf einen zerstörten Deich des linken Ufers, der
sich schwarz von der Küste abhebt; man geht dabei auf 50 m an das linke Ufer
hinan und folgt ihm, bis man die schwarze Spitze vollständig passirt hat; bei der
schwarzen Spitze liegt eine grofse Bank, die sich auf ein Drittel der Flußbreite
ausdehnt.
Aufwärts von der schwarzen Spitze ist der Flufs frei von Gefahren; man
kann bis nach Hai-Phong die Mitte des Fahrwassers halten. Man ankert flufs-
aufwärts oder flufsabwärts von dem kleinen Flufsarm, der Song-tam-bac genannt
wird. Flulsabwärts liegt ein grofses Tief mit 20 m Wasser, wo die beiden
Strömungen des Flusses und seines Armes starke Wirbel hervorrufen.
Man thut gut, sich auf dem Ankerplatze zu vertäuen; der Grund ist
lehmig, die Anker sinken nicht genügend darin ein, Wenn man nur mit einem Anker
ankert, läuft man Gefahr, unklaren Anker zu bekommen und bei starkem Strom
zu treiben. Die Stationsschiffe ankeru meistens aufwärts vom Song-tam-bac; sie
haben mehrmals Taifune vor Anker abgeritten, ohne zu treiben.
Der Kua Kam ist bis nach Thai-Binh, 30 Sm oberhalb von Hai-Phong,
für Schiffe von 3 m Tiefgang schiffbar. Die Schiffahrt im Flusse bietet nur ganz
geringe Schwierigkeiten.
Der Song-tam-bac ist ein kleiner Kanal, der von Hai-Phong ausgeht und
den Kua Kam mit dem Kua Tray in Verbindung setzt. Der Kanal ist sehr
schmal; seine geringe Tiefe macht ihn nur für Schiffe bis zu 2 m Tiefgang
ahrbar.
Hai-Phong. Hai-Phong macht den Eindruck einer fast ganz europäischen
Stadt; es liegt in dem Dreieck zwischen dem Kua Kam und dem Song-tam-bac.
Längs der rechten Ufer dieser beiden Wasserläufe liegt eine Reihe von Docks,
Zollhäusern, Schiffswerften, Lagerhäusern der Dampfergesellschaft Messageries
maritimes und Anlagen für den Verkehr der Flulsdampfer-Gesellschaften. Hier
ist der Ausrüstungshafen der Küstendampfer, die Annam, Cochinchina und Hon-
kong anlaufen. Die Stadt ist schon ziemlich ausgedehnt und wächst noch be-
ständig nach sehr schön angelegtem Plane. _
Hai-Phong hatte 1889 außer der tonkinesischen Bevölkerung 600 Europäer
und 5000 Chinesen,
Die Reisausfuhr ist der wichtigste Handelszweig. Dann kommen Zinn,
Farbhölzer, wovon das wichtigste der Kunan oder falsche Eisenbaum (faux
gambier), ferner Schweine, Perlmutterplättchen etc. Die Einfuhr besteht haupt-
sächlich aus Baumwollstoffen und Salz. Hai-Phong hat tägliche Dampferver-
bindung mit Hanoi durch Flufspostdampfer und durch viele Dampfschaluppen.
Diese Dampfer laufen in der trockenen Jahreszeit durch den Kua Lok oder
Bambuskanal; während der Regenzeit benutzen sie den Song-Chi oder Kanal der
Stromschnellen. Letzterer, der in den Rothen Flufs etwas oberhalb von Hanoi
einmündet, ist der bei Weitem kürzere Weg. Unglücklicherweise hat er nur
geringe Tiefen und besitzt mehrere Schnellen, wo sehr heftiger Strom läuft.
Ausrüstungsmittel. Man bekommt in Hai-Phong Lebensmittel aller Art;
ein beträchtlicher Kohlenvorrath ist vorhanden. Das Wasser, das aus dem
Kuang-yen kommt, ist gut.
Der Hafen hat Werften und geübte Handwerker, um an den Schiffen Aus-
besserungen der Maschine und andere ausführen zu können.
Zeitball. Auf dem Maste der optischen Signalstation zu Hai-Phong, nahe
beim Song-tam-bac, hatte man einen Zeitball eingerichtet, der um 9% mittlere
Ortszeit von Hai-Phong fiel; dieses Signal wird anscheinend jetzt nicht mehr
yemacht.
Der Kua Nam-Trieu. Der Kua Nam-Trieu mündet mit einem weiten
Fluthbecken in die Bucht von Do-Son. Man findet 3,6 m auf der Barre bei
Niedrigwasser und 3,2 m auf einer Spitze, die genau auf der Peilungslinie liegt,
in der man die Barre passiren soll.