114 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1894.
von der graugrünen Färbung ihrer Umgebung ab, ist an dem betreffenden Küsten-
‘heil einzig in ihrer Art und schon in einem Abstande von 30 Sm seewärts zu
sehen. Algodon-Bai liegt vor einer tiefen Bergschlucht, deren nördliche Seite
in einer Höhe von ungefähr 1500 m (5000 Fufs) die südliche übersteigt und in
den 7 Sm weiter nordwärts belegenen Höhen von Mamilla in mehreren sanft ab-
gerundeten Gipfeln ausläuft. Bei der Annäherung an den Ankerplatz von Toco-
nilla wird man die an der Nordseite der Schlucht in Zickzackwindungen den
Berg hinan führende Eisenbahn entdecken. Die Spitze Algodon zeigt sehr
zerrissene Formen und ist nicht, wie es im „South America Pilot“, Part II, 1886,
Pag. 357, heißt, niedrig, sondern in ihrem äufsersten Ende immer noch 12 bis 15 m
(40 bis 50 Fuß) hoch. Einige von derselben getrennt liegende Felsen erreichen
eine Höhe bis zu 30 m (100 Fufs), die entferntesten allerdings nur eine solche
von 3 bis 6 m (10 bis 20 Fuß). Man kann nahe um die äußerste, deutlich
sichtbare Klippe herumsteuern, denn aufserhalb dieser sind keine blinden Klippen
vorhanden, doch dürfte es rathsam sein, sich 1 bis 1!/ Kabllg. von derselben
entfernt zu halten, Beim Passiren der Spitze Algodon sollte man die meisten
Segel weggenommen haben. Wenn die Bai offen vor Einem liegt, sehe man sich
nach einem Ankerplatz soweit südlich als möglich, dicht unter Land, um und
jaufe nicht zu weit in die Bucht hinein. Am besten ankert man eine halbe See-
meile innerhalb Algodon-Spitze 1 bis 2 Kabllg. vom Lande auf einer Wasser-
tiefe von 28 m (15 Fad.) in der Nähe der Schiffe, von denen in der Regel einige
anwesend sind. Ansegelnde Schiffe werden am Lande durch Glockensignale
gemeldet, und gewöhnlich kommt ihnen ein Lootse eine kurze Strecke entgegen,
am sie zu Anker zu bringen.
Der Ankergrund in der Bai ist steinig und uneben und mit Klippen bedeckt.
Es kommen auf demselben Tiefen von 18 m (10 Fad.) und auch solche von 36 m
(20 Fad.) vor. Man darf nicht versäumen, durch die Holzpflöcke der Ankerketten-
Schäkel Nägel oder Eisendraht zu treiben, weil die Ketten fortwährend auf dem
Grunde hin und her scheuern und sich leicht entschäkeln. Die Hafenverordnung
verpflichtet die Schiffe, auf dem Lösch- und Ladeplatz auch nach hinten zu ver-
ankern. Hierzu empfiehlt es sich, um ganz sicher zu liegen, einen schweren
Anker und eine gleiche Kette zu nehmen, und nicht einen Stromanker mit Vertäu-
kette, denn die Erfahrung lehrt, dafs Letztere manchmal durchgehen. Nicht allein,
Jafs besonders in den Wintermonaten manchmal eine steife Seebriese recht dwars
auf das Schiff steht, es treten auch häufig des Nachts harte Nordostwinde auf,
welche aus der Schlucht herauswehen und gegen die man sich vorzusehen hat.
Die Witterungsverhältnisse sind hier so ziemlich dieselben wie in Iquique,
vielleicht nicht ganz so ausgeprägt beständig. Meine Beobachtungen ergaben,
dafs in den Monaten Juni und Juli nach Perioden von vier bis fünf Tagen an
pinem Tage die Seebriese ausblieb. Die Letztere war hinsichtlich ihrer Stärke
and der Zeit ihres Einsetzens und Aufhörens grofsen Schwankungen unterworfen.
Zuweilen kam erst gegen Abend eine frische Seebriese durch; manchmal war sie
für drei bis vier Tage durch Windstille völlig aufgehoben. Brandungstage, an denen
jetzt auf mein Ersuchen seitens der Zollbehörde, deren Ansicht die ausschlag-
gebende ist, eine rothe Flagge mit den Buchstaben B M (Bravera del Mar) gezeigt
wird, kommen im Winter im Mittel einer auf vier Arbeitstage vor; für den Sommer
ist das Verhältnifs günstiger. Eine Landung ist jedoch auch an einem Brandungs-
tage an der vortrefflichen Mole der Eisenbahngesellschaft ausführbar.
Das Löschen und Laden haben hier in der Regel denselben schleppenden
Gang, wie in allen übrigen Häfen an der Westküste, trotzdem die erforderlichen
Einrichtungen und Transportmittel in ausreichendem Mafse vorhanden sind und
die Schiffe daher rasch abgefertigt werden könnten. Ein auf der Eisenbahnmole
atehender Krahn ist im Stande, Lasten bis zu einem Gewicht von 20 Tonnen
zu heben.
Der Salpeter wird durch zwei Häuser, ein deutsches und ein englisches,
verschifft, und zwar bislang nur in Segelschiffen. Die tägliche Produktion an
Salpeter beläuft sich auf 1800 Säcke = 240 Tonnen. Die Leichtermiethe betrug
1892 für 1000 Quintal 20 Doll.
Der Ballast wird zum Preise von 2 bis 2,50 Doll. für die Tonne frei längs-
seits gebracht. Aufserhalb der 20 Fad.-Linie darf derselbe ohne Weiteres über
Bord geworfen werden: in der Tier ist dieses auch zulässig, wenn er aus Sand