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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Gelcich: Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweisungen. 
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Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweisungen. 
Von EUGEN GELCICH.!) . 
(Mit einer Karte, Tafel 5.) 
Von historischen Völkern sind die Phönicier bekanntlich die ältesten See- 
fahrer, die sich in oceanische Fernen wagten und dabei wichtige Wahrnehmungen 
in Bezug auf die physikalischen Verhältnisse der von ihnen durchsegelten Meere 
nach der Heimath brachten. Sie lernten das Fluthphänomen kennen, manche 
Strömung fiel ihnen auf, und man hat Nachrichten, daß sie sogar das Sargasso- 
Meer des Atlantischen Oceans entdeckten. Die Angabe der Bibel, die Tarsis- 
Schiffe hätten drei Jahre für eine Hin- und Rückfahrt gebraucht, ist ein deut- 
licher Beweis, dafs sie auch mit den Windverhältnissen des Rothen Meeres ver- 
traut waren; denn erfolgte die Abfahrt im Sommer des ersten Jahres (Nordnord- 
westmonsun im Rothen Meere) und wurden auch die Geschäfte in Indien während 
des nächsten Winters erledigt, so mufste man doch bis zum Spätherbst liegen 
bleiben, um das Rothe Meer im Winter des dritten Jahres (Südsüdostwinde) an- 
zulaufen. 
Die Monsune des Indischen Meeres sind erst durch den Zug Alexanders 
des Grofsen besser bekannt geworden; trotz aller sonstigen Mängel der Navigation 
schlug der Kaufmann Hippalus, nur auf die Regelmäfsigkeit jener Winde 
gestützt, einen neuen Weg nach Indien ein. Er wagte es zum ersten Male, 
von der südwestlichen Spitze Arabiens aus direkt über die hohe See nach 
Muziris zu steuern, und in der Folge wurde diese Route von allen arabischen 
Lootsen befolgt. 
Columbus und seine Bemannung wurden bereits auf der ersten Fahrt 
nach Amerika auf die Beständigkeit des Nordostpassates aufmerksam; mit grofsem 
Scharfblick erkannte der Entdecker der neuen Welt, dafs er auf der Rückreise 
den Nordostpassat mit einem einzigen Borde schneiden müfste, um erst im Gebiete 
der Westwinde gegen Osten zu wenden. Leider hat sich Columbus auf seiner 
zweiten Rückreise verleiten lassen, dem Passat entgegenzusteuern, doch das 
Experiment kam ihm theuer zu stehen und wirkte belehrend für die Folge. Man 
wulste nunmehr, dafs in den Tropen ein beständiger Nordostwind weht, dafs in 
den nördlichen gemäßigten Breiten veränderliche Westwinde vorherrschten, und 
bildete demnach folgende Schiffahrtsregel, die auch von allen Freibeutern des 
XVI. Jahrhunderts befolgt wurde... Auf der Hinreise nach Amerika berührte 
man die Kanarien, wo man den Wasservorrath ergänzte, und zog dann gegen 
Westen: die Einfahrt in das Karaibische Meer geschah zumeist zwischen Dominica 
und Guadalupa. Für die Rückreise suchte man die Vendavales im Norden auf 
und segelte mit ihnen gegen Osten. Dabei gelangten die allerersten spanischen 
Segler nicht hoch genug nach Norden, um auf den wohlthuenden Einfluß des 
Golf-Stromes aufmerksam zu werden. Dagegen lernten sie recht bald die West- 
strömung des Karaibischen Meeres kennen; Peter Martyr schrieb in seinen Dekaden 
über den Ocean, dafs eine Fahrt in jenem Meere von Westen nach Osten so mühsam 
sei, „als ob die Schiffe einen hohen Berg hinaufsegeln und gegen die Gewalt des 
Neptun selber ankämpfen müßten“. Deshalb trachtete man, auf der Fahrt gegen 
Europa den freien Ocean sobald als möglich zu erreichen, was lange Zeit hindurch 
zwischen Haiti und Cuba geschah. Eine neue bessere Bahn für die Rückreise 
entdeckte der berühmte Oberlootse des Cortez, Antonio de Alaminos. 
Schon im Jahre 1513 wurde Alaminos als Begleiter des Entdeckers Ponce 
de Leon auf die Strömungen und Gegenströmungen aufmerksam, die in den 
1) Im Folgenden hat der rühmlichst bekannte Direktor der Navigationsschule in Lussin- 
piccolo auf Wunsch der Redaktion einen Theil seines im „Ausland“, 1892, No, 49 bis 53, er- 
schienenen Aufsatzes: „Beiträge zur Geschichte der oceanischen Schiffahrtsregeln und Segelhand- 
bücher“ neu bearbeitet und mit einigen Ergänzungen versehen, die sich nach dem Erscheinen der 
Abhandlung als wünschenswerth gezeigt haben. Durch Beigabe einer Karte konnte Manches über- 
sichtlicher gestaltet und am Text gekürzt werden. Die benutzte Literatur findet man a. a. O. an- 
yegeben. D. Red. 
Ann. d. Hvdr. ete.. 1893. Heft VI
	        
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