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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Wislicenus: Die Forschungsreise des französischen Kriegsschiffes „Manche“, 179 
die dort noch Hochseefischerei betreiben. In schöner und wahrer Sprache hat 
der französische Seeoffizier Vial, der unter dem Dichternamen Pierre Loti 
berühmt ist, in seinem Roman „Die Islandfischer“!) jene kühnen und wackeren 
Männer gefeiert. Der Islandfischerei wird ‚von der französischen Regierung auch 
sehr ernsthafte Aufmerksamkeit gewidmet; ist sie doch die Schule der tüchtigsten 
Seeleute ihrer Kriegs- und Haundelsmarine. Zum Schutze der Fischerei wird 
jährlich ein Kriegsschiff nach den Fischereigründen gesendet; im vorigen Jahre 
bekam dieses Schiff gleichzeitig den Auftrag, wissenschaftliche Forschungen 
auf Jan Mayen und Spitzbergen anzustellen. 
Die Beschreibung der Forschungsreise sei hier vorangestellt; im zweiten 
Theil soll vom Betriebe und von den Ergebnissen der Islandfischerei im Jahre 1892 
gehandelt werden. Zur Vervollständigung ist dann noch im dritten Theil die 
Islandfischerei anderer Nationen und im vierten Theil die französische Fischerei 
bei Irland kurz erwähnt. Alles nach den amtlichen Berichten, die in der „Revue 
maritime et coloniale“, Januar und April 1893, erschienen sind. 
1. Die wissenschaftliche Sendung der „Manche“. 
Im Folgenden ist ein Auszug aus dem Bericht des Linienschiffkapitäns 
Bienaime wiedergegeben. Dieser französische Seeoffizier erhielt im Sommer 1892 
als Kommandant des Transportschiffes „Manche“ den Auftrag, die Station der 
Islandfischer zu beaufsichtigen und dabei zugleich wissenschaftliche Beobachtungen 
auf Jan Mayen und Spitzbergen zu machen. 
Die Manche“, die sich in Cherbourg in dritter Reserve befand, wurde 
am 7. März 1892 in Dienst gestellt. Mit Rücksicht auf den Seezug nach dem 
hohen Norden zur Ueberwachung der Fischerei wurde sie in besonderer Weise 
ausgerüstet: Alle Niedergangsluken wurden mit gedeckten Windfängen versehen, 
Zwischendeck und Kampanje erhielten Dampfheizung. Der Vorsteven wurde bis 
zur Wasserlinie hinauf durch Metallgufsstücke verstärkt, um ihn vor dem Anprall 
des Eises zu schützen. Das Ruder bekam starke Hülfssteuerketten, die Ruder- 
beschläge wurden besonders verstärkt. Der Raum wurde zur Aufnahme von 
Proviant für ein Jahr und von 150 Tonnen Kohlen aufserhalb der Bunker ein- 
gerichtet. Für die Mitglieder der wissenschaftlichen Sendung wurden ent- 
sprechende Wohnräume umgebaut. 
Am 28. März konnte die „Manche“ zur Regulirung der Kompasse und um 
Probefahrten zu machen, auf Rhede gehen. 
Am 4. April verliefs die „Manche“ Cherbourg und ankerte am 15. in 
Leith, um Kohlen zu nehmen; wegen des ÖOsterfestes konnten diese erst am 19. 
eingenommen werden, Am 23. lief die „Manche“ nach Dundee, um lebende 
Ochsen an Bord zu nehmen; in Leith war wegen einer epidemischen Maulfäule 
die Ausfuhr von Rindvieh verboten. Die Ochsen sollten während des Aufent- 
haltes in Island als Proviant benutzt werden. Die Aufsenkajen in Dundee, an 
denen festgemacht wurde, waren des hohen Fluthwechsels wegen ziemlich un- 
bequem. Am 25. ging die „Manche‘“ nach Lerwick in See, ankerte dort vom 
27. bis 29. Nach kurzem Aufenthalt in Trangjisvaag (auf den Faeröer), wo am 
30. April 11 Uhr abends schlechten Wetters halber geankert wurde, traf’ die 
„Manche‘“ am 4. Mai in Reykjavik ein. 
Dort trafen wir,, so berichtet der Kommandant, etwa 40 Fischerschoner 
bei der Arbeit, ihren ersten Fang auf ihre Jager (kleine Schnellsegler zum Fisch- 
transport nach der Heimath, die auch bei unsern Heringsflotten in Gebrauch 
sind) abzuladen und sich zum zweiten Hochseefischzug vorzubereiten. 
Die „Manche“ blieb in Reykjavik vom 4. bis zum 13. Mai, half den 
Schonern, wo sie es nöthig hatten, und besuchte das Vorrathshaus sowie das 
Zufluchtshaus. Am 13. lief sie nach der Ostküste aus, um die Fischer auf dieser 
Seite von Island zu besuchen: doch bis zum Kap Ingolfs-Höfde hatte sich das Eis 
ausgebreitet, weshalb die meist hier fischenden Dünkirchener Schoner nach den 
Faeröern abgesegelt waren. Die „Manche“ lief nun nach dem Süden zurück und 
wendete sich nach der Nordwestküste der Insel, nachdem sie unterwegs am 17. 
1) Les Pächeurs d’Islande (1892 in 119. Auflage erschienev), Ins Deutsche übertragen: von 
Carmen Sylrvra.
	        
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