Köppen: Verhalten der Oele und Seifen auf Wasseroberflächen,
145
oberen und unteren Theile der Orbitalbahn stattfinden können? Und sollte dann
nicht die beim Aufstieg beschleunigend, beim Abstieg verzögernd wirkende Ober-
Aächenspannung dahin wirken, dafs die Geschwindigkeit auf der Kuppe gröfser,
im Thale geringer würde, als sie es ohne diese Kraft ist? Das Resultat wäre,
wie die untenstehende Zeichnung zeigt, eine Zuspitzung der Wellenberge, eine
nn
DOC”
{
Fig. .
Abflachung der Wellenthäler, ohne Aenderung der Länge der Wellen (die aus-
yezogene Kurve ist die ohne Oberflächenspannung, die gestrichelte die mit der-
selben sich ergebende Wellenform, die Oscillation in 8 Phasen getheilt und das
Verhältnis Höhe: Länge der Welle wie 1:9 angenommen).
Wir erhalten also bei der vorausgesetzten Wirkungsart der Oberflächen-
spannung die scharfen Kanten der Wellenberge, für welche die Theorie nach
Herrn v. Helmholtz (Sitzungsberichte Berl. Ak. 1889, S. 519) „unendliche Ge-
schwindigkeit“ der Luftbewegung an ihnen, bezw. ihr Zerspritzen fordert.
{n dieser Konstruktion ist auch die Wellenhöhe mit und ohne Ober-
Aächenspannung als gleich angenommen; da aber die Masse des Wellenberges
durch deren Hinzutritt wohl nicht abnimmt, so mufßs der Massenverlust in den
Böschungen durch Erhöhung des Berges ausgeglichen werden, so dafs die
Gesammterscheinung die Form von Figur 4 annehmen wird, welche der Erfahrung
yut entspricht. Bei a ist die Grenze der Oeldecke angenommen, ebenso wie in
Fig. 2.
Öldecke
Fig, 4.
Ist es nach Obigem sehr wahrscheinlich, dafs die Verringerung der Ober-
flächenspannung des Wassers die wesentlichste, wenn nicht die einzige Wirkung
des „Oelens der See“ ist, durch welche es den Wellengang beeinfufst, so tritt
uns naturgemäßs die Frage entgegen: mit welchen Stoffen können wir diese
Wirkung am vollständigsten erreichen? Die Tabelle auf S. 139 giebt uns hier-
äber erwünschten Aufschlufs: die am unteren Ende der Reihe stehenden‘ Flüssig-
keiten müssen die günstigsten sein, sofern sie sich überhaupt an der Oberfläche
des Wassers ausbreiten. Das ist nun beim Alkohol nur in geringem Grade der
Fall: der Tropfen breitet sich nur auf 1—2 qcm aus, um sofort nach stürmischen
wallenden Bewegungen sich unter Wirbelbildung im Wasser aufzulösen, ohne die
Oberflächenspannung des Wassers erheblich zu beeinflussen. Wohl aber be-
sitzen Seifenlösungen die Eigenschaft, sich auf dem Wasser aus-
zubreiten, in noch bedeutend höherem Mafse, als alle Oelarten.
Selbst wenn die Wasserfläche so „geölt“ ist, dafs auch die wirksamsten Oele
als träge Tropfen liegen bleiben, treibt eine Spur Seife augenblicklich alle Oel-
tröpfchen und sonstigen schwimmenden Körperchen weit auseinander, sei es
nun, dafs man auf die Nadel, mit der man die Oberfläche berührt, ein Stückchen
fester Handseife oder ein Knöpfchen Kali-Schmierseife („grüne Seife“) oder einen
Tropfen einer verdünnten Seifenlösung bringt. Letzterer Weg ist sogar, selbst
wenn die Lösung aufserordentlich verdünnt ist, der wirksamste. Der Vorgang
ist dabei folgender. Hat man die Bewegungen auf der Oberfläche des Wassers
durch neutrale schwimmende Theilchen, z. B. Asche. Holzspäne, Papierstückchen,
Ann. d. Hydr. etc., 1893, Heft IV.