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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 20 (1892)

Börgen: Ueber die Berechnung eines einzelnen Hoch- oder Niedrigwassers. 
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sucht. Darwin geht davon aus, dafs man dem Seefahrer nur die allernoth- 
wendigsten Rechnungen überlassen solle und dafs diese in den thunlichst ein“ 
’achsten Operationen bestehen sollten; dabei sollen möglichst nur solche Gröfsen 
gebraucht werden, mit denen der Seemann ohnehin vertraut ist und die er ohne 
besondere Mühe im Nautical Almanac finden kann. Dies Ziel wird in sehr voll- 
kommener Weise erreicht, aber die nothwendige Folge ist, dal die Tabellen 
sich sehr umfangreich gestalten, weil sie für jeden Ort besonders berechnet 
werden müssen. Die aus dem Nautical Almanac zu entnehmenden Gröfsen sind: 
Zeit der Mondkulmination, Parallaxe (x) und Länge des aufsteigenden Knotens 
der Mondbahn (Q). Man entnimmt nun für den betreffenden Ort aus den ein 
für alle Mal berechneten Tabellen mit der Zeit der Mondkulmination und der 
Zeit des Jahres (die Tabellen sind von 20 zu 20 Minuten der Mondkulmination 
and von 10 zu.10 Tagen berechnet), 10 Gröfsen, 5 für die Berechnung der 
Zeit und 5 für die der Höhe, und findet daraus das Intervall zwischen der Zeit 
der Mondkulmination und der des gesuchten Hoch- oder Niedrigwassers 
= J+i+ Mcos 2 + Nsin 2 + R (x — 57%, 
welches zu der Zeit der Mondkulmination hinzuaddirt die Zeit des Hoch- oder 
Niedrigwassers ergiebt. Ganz analog wird die Höhe des Wassers über dem 
Niveau der Lothungen gefunden 
— H+h+ TcosR2 + Qsin Q + 8S (x — 57). 
Man ersieht hieraus, dafs die schliefsliche Berechnung von Zeit und Höhe 
von Hoch- und Niedrigwasser, wie sie von dem Benutzer der Tabelle auszuführen 
ist, eine sehr einfache ist, welche von Jedermann ohne Weiteres geleistet werden 
kann. Eine in der erwähnten Ausdehnung berechnete Tabelle umfafst für jeden 
Ort 36 Seiten, und da man rechnen kann, dafs jetzt für etwa 50 bis 60 Orte 
gute harmonische Konstanten vorhanden sind, so leuchtet ein, dafs die Gesammtheit 
der Tabellen einen sehr bedeutenden Umfang erreichen wird, wenn auch in ein- 
zelnen Erdgegenden, beispielsweise im Atlantischen Ocean, wo die eintägigen 
Tiden eine geringere Rolle spielen, Kürzungen eintreten können, durch welche 
der Umfang. der Tabellen etwas beschränkt wird. Hierbei darf jedoch nicht 
außer Acht gelassen werden, dafs die Tabellen für alle Zeiten gültig sind und 
daher nur einmal beschafft zu werden brauchen. 
Der große Umfang der Tabellen sowie der Umstand, daß wohl noch 
jängere Zeit vergehen wird, ehe die Dar win’schen Tafeln zugänglich sein werden, 
wie auch das wissenschaftliche und praktische Interesse, welches sich in jeder 
Hinsicht an die Aufgabe knüpft, veranlafsten Verfasser dieses, zu versuchen, ob 
sich nicht eine Methode finden lasse, welche bei gleicher Genauigkeit wie die 
Darwin’s mit mäfsigem Aufwande von Arbeit ein einzelnes Hoch- oder Niedrig- 
wasser für jeden Ort, dessen Konstanten bekannt sind, zu berechnen erlaubte 
and dabei nur geringen Raum für Hülfstabellen u. 8. w. beanspruchte. Die im 
Nachfolgenden dargelegte Methode muthet dem Rechner nun zwar eine nicht 
unbedeutend gröfsere Arbeit und auch ein gröfseres Verständnifs für die auszu- 
%iıhrenden Operationen zu als die ausführlichen Tabellen von Darwin und kann 
in Bezug auf Einfachheit nicht mit dem letzteren Verfahren konkfrriren; indessen- 
hofft der Verfasser, dafs die Arbeit in mancher Hinsicht sich nützlich erweisen 
werde, nicht nur dadurch, dafs sie die Möglichkeit gewährt, ein einzelnes Hoch 
oder Niedrigwasser mit nicht zu grofser Mühe und erheblicher Genauigkeit zu 
berechnen, sondern auch dadurch, dafs sie das Verständnifs für die Bedeutung 
der harmonischen Konstanten wie auch der Flutherscheinungen selbst fördert. 
Von früheren Methoden, mit denen die hier auseinandergesetzte sonst viel ge- 
mein hat, weicht sie dadurch ab, dafs die harmonischen Konstanten des be- 
treffenden Ortes direkt benutzt werden und dal mit Winkelgröfsen gerechnet 
wird, welche der Zeit Broportional sich ändern, während die jetzt üblichen 
Methoden die ungleichmäfsig sich ändernden wahren .Kulminationszeiten, Dekli- 
nation und  Parallaze der Himmelskörper benutzen. Liegt hierin einestheils 
ein Vortheil der Bequemlichkeit, weil die Interpolation eine sehr einfache wird, 
so tritt dadurch aber andererseits die Nothwendigkeit ein, besondere Ephemeriden 
zu geben, welche jedoch den Umfang einer Druckseite nicht zu überschreiten
	        
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