Hydrographisches. aus dem Neu-Guinea-Schutzgebiet,
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den Dämmerung S.M.Kr. „Sperber“ aus Sicht kam. Nachdem Kap Orford
passirt war, verstärkte sich der bis dahin schwache südöstliche Strom bei Wind-
stille auf 1,7 Sm pro Stunde und setzte nach Osten.
83. St. Georges-Strafse. Es wurde unter dem hohen Lande von Neu-
Mecklenburg entlang gefahren und dort ein geringer südlich setzender Strom ge-
funden (es herrschte Windstille), der an Schnelligkeit in der Mitte der Straße
zunahm, als der Kreuzer nach Kap Gazelle zusteuerte.
4. Der Hafen von Matupi.') Soweit das Wetter und die vorhandene
Zeit dies gestattete, sind die Lothungen in Matupi kontrolirt worden. Die beiden
in der D. Adm.-Karte No. 102 (Tit. XI, No. 114) angegebenen Tonnen am
Ostrande der Matupi-Untiefe sind nicht vorhanden, im Uebrigen auch entbehrlich.
Das Wasser im Hafen hat eine auffallend hellblaue Färbung, wohl infolge des
aus dem thätigen Vulkan in den Hafen laufenden schwefelhaltigen Wassers.
Diese helle Farbe ist beim Einlaufen wohl im Stande, einen mit den Verhält-
nissen Unbekannten zu irritiren, indem man glaubt, sich dicht vor flachem Wasser
zu befinden. Der Umstand, daß die vulkanische Thätigkeit im ganzen Schutz-
gebiete eine aufserordentlich rege ist, man täglich leichte Erdbeben spürt und
infolge dessen bedeutende Aenderungen in der Formation des Meeresbodens an-
genommen werden müssen, legt den Gedanken für einen Uneingeweihten nahe,
dafs hier vor Kurzem eine Erhebung des Meeresbodens in gröfserem Stil
stattgefunden haben könnte und die vorhandene Karte gänzlich falsch sei. Dies
ist jedoch nicht der Fall, und man findet, wenn man die sich scharf abhebende
Grenze zwischen dunkel- und hellblauem Wasser überschreitet, dafs das Loth in
letzterem dieselben Tiefen zeigt; wie im ersteren. Der Ankergrund ist nicht
durchaus verläfßslich. Es kommt häufig vor, dafs Schiffe ins Treiben gerathen.
Stürmische Winde. können nicht in den Hafen, äufsern. sich aber durch sehr
schwere, von den umliegenden Bergen herniederstofßsende Böen... Der Hafen ist
sehr heiß, weil keine kühlenden Winde Zutritt haben.
5. Die Informationen über die Witterungs- etc. Verhältnisse, welche
ich sammelte, gehen dahin, dafs der NW-Monsun in diesem Jahre mit früher nie
gekannter sturmartiger Kraft aufgetreten ist, früher einsetzte und länger als
sonst geweht hat.
Es scheint, dafß in diesem Jahre im ganzen westlichen Theile der Südsee
das Wetter außergewöhnlich ist, denn auch im Bereich der Marschall-Inseln
haben so starke Stürme geweht, wie sie hier früher nie für möglich gehalten
wurden,
Während des NW-Monsuns‘ laufen im Georges-Kanal südlich von Neu-
Pommern, sowie in der Dampier- und Vitiaz-Straßse südöstliche Strömungen,
welche zwischen Kap Orford und Kap St. Georges eine östliche, zwischen Kap
St. Georges und Sir Charles Hardy-Insel eine etwas nördlichere Richtung haben.
In den Strafsen besitzt bei starkem Winde diese Strömung eine Geschwindigkeit
von 4 Sm und mehr, ganz dicht unter der Küste macht sich häufig eine Gegen-
strömung bemerklich. Wie stark zeitweise die Stromversetzung ist, geht daraus
hervor, dafs während eines NW-Sturmes der Schoner „Senta“, welcher sich
Abends in der Nähe des Kap Palliser befunden hatte und zu kreuzen versuchte,
nach Aussage des Führers mir gegenüber in einer Nacht um fast 90 Sm nach
Süden gesetzt wurde. Während des SE-Monsuns sind die Strömungs- Verhältnisse
annähernd umgekehrt.
Wenn man von Kap Orford kommt und in den Georges-Kanal während
des NW-Monsuns einlaufen will, so thut man gut, nicht den Kurs in die Mitte
des Kanals zu setzen, sondern dicht an der Küste von Neu-Pommern entlang zu
fahren, wie dies die Dampfer der Neu-Guinea-Kompagnie thun. Auch dieser
Theil der Küste soll rein von Gefahren sein, und man findet dort den Gegen-
strom weniger stark.
6. Herbertshöh ist zur Zeit Sitz des Richters für das Neu-Guinea-
Schutzgebiet; der Gerichtsschreiber (ein Nichtseemann) versieht auch den Dienst
eines Hafenmeisters. Aufserdem befindet sich am Orte das Central-Arbeiterdepot
für die Neu-Guinea-Kompagnie, deren Kräfte zur Bearbeitung einer Baumwollen-
Plantage verwerthet werden, welche später durch Kokosnufspflanzungen allmählich
1) „Pacific Islands“ Vol, I, 1890, Seite 452.