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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Ann. d. Hydr. ete., XIX. Jahrg. (1891), Heft X. 
x. 
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Versuche über das Glätten der See durch Oel. 
Die Schiffe S. M. Uebungsgeschwaders hatten den Auftrag erhalten, bei 
passender Gelegenheit Versuche über den Gebrauch des Oels zur Beruhigung der 
See anzustellen. Diese Versuche sollten den Zweck haben, die beste Art und 
Weise der Anwendung des Oels festzustellen, durch welche ein günstiger Erfolg 
anter gleichzeitiger gröfstmöglicher Sparsamkeit des Verbrauchs an Bord eines 
Schiffes oder Fahrzeuges unter den verschiedenen Verhältnissen, in welchen das- 
selbe auf See oder vor Anker sich befinden kann, erreicht wird. Die bisherigen 
Erfahrungen geben über manche in Betracht kommenden Fragen ungenügenden 
Aufschlufs und sollten die Versuche zur Beantwortung derselben beitragen. Es 
gilt dies namentlich von der zu wählenden Oelsorte, der zur Erreichung des 
Zweckes nothwendigen Menge des Oelverbrauchs, der Beschaffenheit der Ausguls- 
gefäfse und der Art und Weise ihrer Anbringung. 
Von Oelsorten sollten ein animalisches (Thran), ein vegetabilisches 
(Maschinenöl, Rüböl) und ein mineralisches (Petroleum) für die Versuche heran- 
gezogen werden. Anstatt des ersteren kam ein schweres, dickflüssiges Oel zur 
Verwendung, welches von dem Lieferanten als zu dem bestimmten Zwecke be- 
sonders geeignet bezeichnet wurde, Es wurde „Wogenbesänftigungsöl“ genannt, 
und ist auch in nachstehendem Bericht dieser Ausdruck beibehalten, wo von dem 
Oel die Rede ist. 
Von Ausgufsgefäfsen waren zwei Arten von Säcken zu vergleichen, solche 
von stärkerem Segeltuch und durchlöchert, bei denen das Oel durch die Löcher 
träufeln soll, und solche von lockerem Gewebe, bei denen das Oel an der ganzen 
Oberfläche des Sackes durch das Zeug hindurchsickert; wenngleich die meisten 
der vorliegenden Berichte den letzteren den Vorzug geben, so war doch von 
anderer Seite entschieden Widerspruch dagegen erhoben und sollte durch die 
Versuche der Zweifel gehoben werden. Als Dimensionen der Säcke wurden 
0,5m Länge und 0,2m Durchmesser empfohlen; dieselben sollten mit ölgetränktem 
Werg oder Twist und darauf mit ca 4 Liter Oel gefüllt, mit starkem Bändsel 
zum Schliefsen, mit Stropp zum Befestigen der Aufhängeleine versehen und mit 
einem passenden Gewicht beschwert werden, um nicht von Wind und See zu sehr 
hin und her, gegen die Bordwand und an Bord geschleudert zu werden. 
Bezüglich des Anbringungsortes der Säcke war es nach den bisherigen 
Berichten zweifelhaft, ob es besser wäre, dieselben im Wasser nachschleppen 
zu lassen oder zwischen Wind und Wasser, d. h. so aufzuhängen, dafs sie bei 
aufrechter Lage des Schiffes gerade über der Wasseroberfläche, beim Ueberholen 
des Schiffes nach der Seite die letztere berührten. Weiterer Augenmerk war auf 
die Anzahl der auszubringenden Säcke und die Wahl der Plätze zu richten. 
Aufser den Oelsäcken waren die Klosets, namentlich beim Lenzen, zum 
Delausgiefsen zu benutzen. Das Becken des Klosets sollte zu diesem Behufe mit 
Werg oder Twist gefüllt und auf dasselbe Oel derart gegossen werden, daß es 
langsam durch die Klosetröhre auf das Wasser tropfte, oder auch es war ein mit 
Oel gefülltes Gefäls mit durchlöchertem, aber durch Werg oder Twist belegtem 
Boden so über dem Kloset zu befestigen, dal das Oel langsam in und durch 
dasselbe tropfen mufste. 
Ueber die Menge des verbrauchten Oels lauten die bisherigen Berichte 
sehr verschieden; die Angaben varliren von */2 bis 9 Liter die Stunde; nach den- 
selben kann man bei Anwendung von zwei oder drei Säcken auf einen durch- 
schnittlichen Verbrauch von 2 Litern pro Stunde rechnen.
	        
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