Die Stürme an der deutschen Küste zu Anfang Oktober 1890. 267
für die verschiedenen Stationen in gleicher Weise konstruirten Kurven zeigen
für jene: Zeit des stärksten Steigens nicht allein durchweg eine grofse An-
näherung an gerade Linien, sondern auch eine auffallende Parallelität unter
einander, der Luftdruck stieg also auf diesen Stationen nicht allein sehr
gleichmäfsig, sondern auf allen Stationen um nahe die gleichen stündlichen Be-
träge. Es müssen also die von 5 zu 5 mm gezeichneten Isobaren während der
Ostbewegung des Minimums in seinem Rücken bei nahe gleichen gegenseitigen
Abständen mit annähernd gleichen Geschwindigkeiten weiter gerückt sein, ohne
eine wesentliche Drehung zu erfahren, so weit als diejenigen Theile der Isobaren
in Betracht kommen, ‚welche jene Stationen berührten, und dieses gleichmäßige
Vorrücken zeigen auch die Wetterkärtchen vom 2. Oktober. Jene Parallelität
und Stetigkeit der verschiedenen Kurven trat so stark hervor, als die Luftdruck-
werthe unter Benutzung von Millimeterpapier, sämmtlich auf Meeresniveau und
einheitliche Swinemünder Ortszeit reduecirt, eingetragen wurden, dafs der Ge-
danke nahe lag, bezüglich des Vorrückens der Isobaren von 750 und 755 mm
zu untersuchen, ob .von Borkum ausgehend sich die Eintrittszeiten jener Luft-
druckwerthe auf den. übrigen Stationen bis Memel nicht einfach als lineare
Funktionen der geographischen Länge und Breite der Stationen darstellen liefsen.
_ Die Methode der kleinsten Quadrate ergab als Resultat der Rechnung
für die Eintrittszeit von 750 mm resp. 755 mm
Tr = 1,321 + 3,196 g — 178,481. (Swinemünder Ortszeit)
Tas = 1,442 + 3,289 @g — 181,458 (wo T in Stunden, A. und @ in
Graden, 4 östlich von Greenwich gegeben sind),
und hiernach in 54° Breite eine Neigung dieser‘ Linien von West gegen Nord
üm‘ 35° 5" ‚resp. 36°.41", also beinahe eine Parallelität, so genau, wie eine
solche durch die Rechnung irgend zu erwarten stand, bei den geringen Unter-
schieden‘ in ‘der Breite der in Rechnung gestellten Stationen — Wilhelmshaven
wurde nicht berücksichtigt, da dem Verfasser die dortigen Registrirungen da-
mals noch nicht zur Hand waren. Offenbar müfsten diese Linien, falls für T
ein bestimmter Werth eingestellt würde, den Verlauf der betreffenden Isobare
darstellen, nach ihrer Ableitung können aber nur jene Stücke diese Bedeutung
besitzen, welche die deutsche Küste berührten. Die Uebereinstimmung der aus
jenen Gleichungen berechneten Eintrittszeiten mit den direkt beobachteten zeigt
folgende Tabelle, welche außerdem die gefundenen Zeitunterschiede von Rech-
nung und Beobachtung, mittelst der annähernd bekannten stündlichen Aenderung
des Luftdruckes in Druckunterschiede umgerechnet, enthält.
Eintrittszeit1) von 750 mm AT
berechnet beobachtet
h h
(Borkum) ®%)
Hamburg +.
Keitum . . .
Kiel . . .
Wnstrow . . .
Swinemünde. ,
Neufahrwasser .
Memel. .
(Borkum)3) .
Hamburg .
Keitum +. .
Kiel. .°“
Wustrow: .
Swinemünde .
Neufahrwasser
Memel „
»
11,57) 2,3 (+ 0,73)
5,83 5,8 — 0,03
3,03 8,2 +0,17
8,56 8,4 —0.16
11,59 11,8 +0,21
12,71 ‚12,2 —051
20,08 20,6 +0,57
27 48 97,9 — (1.28
Eintrittszeit!) von 755 mm
Dherechnet beohachtet
Am
n
(4,38) 8,7 ‘4 2,32)
5,03 3,9 +0,87
11,16 11 — 0,06
11,85 1,6 — 0,25
15.15 15,2. -+ 0,05
16,46 15,4 — 1,06
24,35 24,6 +0,25
390.921 32,4 +0,19
1,78)
1,56
1,60
LA2
L41
1,84
LI16
L06
mm
/-+ 4,13)
+1,30
— 0.10
—0,38
+ 0,07
— 1,42
+0,29
A 0,20
+ 1,30)
— 0,04
+0,27
—0,24
+0,30
—0,77
+0,66
— 06.20
1) Swinemünder Ortszeit, gerechnet von Mitternacht 1./2. Oktober.
#) Bei der Berechnung nahm Borkum eine gesonderte Stellung ein, so dafs sich die Aus-
yleichsrechnung nicht. in. gleicher Weise auf diese Station erstreckt.