198 Vierteljahrs -Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886.
NE12. Bar. 736mm in 494° N, 36,7° W. — S. 43. Tagsüber heftige Gewitterböen mit sehr
starkem Regen. Abends stürmischer Nordwind einsetzend. — 5S, 5l. Bar. steigend. Wind west-
lich holend und abflauend, 9 p jedoch als frische Briese wieder aus N einsetzend. — S. 49. Am 12.
am 12p Wind SEzS5. Am 13. um 4p Wind SSW 10, Bar. 742,3. Darauf Wind westlicher und
Bar. steigend. — S. 61 (43° N, 41° W). Um 12a Luftdr. = 739,4 mm und Wind SW 10.
Am 14. Oktober, S. 27. Um 12a niedrigster Luftdr. = 746,2 mm und Wind WSW 11.
— D. 42. Um 8p Luftdr, = 756,4 mm und Wind W 5. — D. 22. Am 13. um 101/44 p Barometer
729,6 mm. Wind flau, allmählich umgehend von SE nach NW durch SW. Nach Mitternacht aus
NW wieder bis 9 zunehmend. Regen von 9a den 13. bis 4a den 14. — S. 106 (51° N, 14° W).
Wind um 8a SSW 5, um 128 SSE 10, um 2p SSW 11 und um 6a SWzS 11. Zur letzteren Zeit
niedrigster Luftdr. = 733,4 mm.
Das Erscheinen eines Hochdruckgebietes an der Nordküste von Europa,
welches sich in den folgenden Tagen mehr und mehr entwickelte, und das Ver-
schwinden des Hochdruckgebietes bei den Azoren, das durch ein neues, von
Amerika kommendes verdrängt wurde, leiten den Zeitabschnitt vom 19. bis
28. Oktober ein. Auch in diesem finden wir gröfstentheils barometrische
Minima auf dem Golf von Biscaya und am Kanal, allein sie sind viel schwächer,
als jene im vorhergehenden. Die Ausbildung eines neuen Druckmaximums über
Skandinavien am 24., auf der Westseite des nach dem Ural fortgeschrittenen
ersterwähnten, bedingte es, dafs die Kälte, welche in Russland am 21.—25,
herrschte, seit dem 24. sich in Deutschland einstellte, das in den vorhergehenden
Wochen ziemlich warm gewesen war; dagegen trat im KEuropäischen Russland
etwas Erwärmung ein, und nur in Sibirien wurde es noch kälter, in Irkutsk am
26. mehr als 16° kälter als normal. Auf dem Ocean dagegen waren die Tage
vom 25. bis 28. durch die kräftige Ausbildung und die rein nördlich gerichtete
Fortpflanzung einer barometrischen Depression bemerkenswerth.
Das Druckmaximum von Skandinavien bewegte sich südostwärts und er-
reichte am 29. und 30. Oktober in Westrussland seine gröfste Ausbildung mit
ca 784 mm Druck im Centrum, Dabei nahm der Luftdruck auch über SW-Europa
zu und erhielt die Druckvertheilung ein anderes Gepräge, wodurch sich der
Zeitabschnitt vom 29, Oktober bis 4. November von den vorhergehenden
unterscheidet. Vom 30. an lagen während desselben tiefe Depressionen in der
Umgebung von Island, wiederum in der 8o oft in dieser Rundschau beschriebenen
Entwickelungsfolge, dafs die erste derselben, nach zwei Tagen kräftiger Existenz,
sofort abstirbt bei der Ausbildung eines neuen, noch kräftigeren Tochterwirbels
an ihrer Südseite. Dafür, dafs wir es in der That mit zwei verschiedenen
Centren zu thun haben, die ungefähr die in unserer Karte angegebenen Wege
einschlugen, und nicht etwa das tiefe Minimum vom 1. direkt mit jenem vom 31.
zu verbinden sei, sprechen die folgenden Barometerstände der drei Stationen im
westlichen Island. die wir von S nach N fortschreitend aufführen:
30. Okt. 31. Oktober 1. November 2. November 3. November
EEE En, | N an, | VE EEE, Ve nun,
9p 8a 2p _ 9p Sa 2p 9p 8a 2p 9p 8a 2p 9p
Westmannö 46,1 29,7 216 32,1 33,8 34,1 31,7 32,8 31,7 189 15,7 240 318
Stykkisholm 43,7 41,3 24,9 24,7 30,7 32,7 33,6 32,1 32,2 25,8 24,7 30,7 35,6
Akurevri 49.0 37.2 28:8 26.0 354 35,6 8358 30.4 322 29,9 214 226 928,8
Die Karte des Zeitabschnittes vom 5. bis 12. November zeigt uns
in ihrer rechten Hälfte einen Wettertypus, welcher in dieser Rundschau schon
wiederholt — z. B. am 17.—30. November und 16.—26. Dezember 1884, 5.—17.
April 1885, 6.—16. Januar 1886 — vertreten ist: eine sehr nördliche Lage des
Maximums auf dem Ocean, etwa bei 45° N, ein zweites Maximum an der
guropäisch-asiatischen Grenze, und dazwischen über Europa ein Hingleiten der
barometrischen Minima längs den Rändern jener Hochdruckgebiete, im Westen
südwärts, im Osten nordwärts. Dabei war die Temperatur in Europa gröften-
theils hoch; viele Orte, z..B. Rom, Wien, Haparanda, hatten fast beständig
Temperaturen von 2° bis 10° über dem Normalwerth, auch an der etwa im
Mittelpunkt der Drehung gelegenen NW-deutschen Küste war es ziemlich warm;
nur weiter im Westen, z. B. in Paris, war die Temperatur unter normal. Auf
dem Ocean vor dem Kanal herrschte in diesen Tagen gröfstentheils Sturm, der
am 9. und 10. zum Theil orkanartig wurde.