Bmcrkiragen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers.
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Die zweite Versuchsreihe erfolgte am 5., 7. und 8. April 1886, und dies
mal mit anderen Instrumenten, die zu mehreren gleichzeitig an einer Leine
befestigt versenkt wurden. Ein horizontal liegender geschlossener Kasten ent
hält einen von der Seite eingesetzten Schieber, der die photographische Platte
trägt und durch eine Feder stetig aus dem Kasten zur Seite herausgedrängt
wird. Eine Hebelvorrichtung verhindert dies, so lange das Gewicht des Lothes
bezw. der darunter hängenden anderen Apparate an der Leine zieht; stufst das
Loth auf, so schnellen alle Platten gleichzeitig aus ihren Behältern hervor.
Diese Anordnung gestattete ein schnelleres Arbeiten und veranlafste Versuche
über die äufsersten Beliehtungstiefen zu verschiedenen Tagesstunden, also bei
verschiedenen Sonnenhöhen. Mittags zwischen P 15 ,n und 1" 25 :a am 7. April,
bei einer Sonnenhöhe von 60°, völlig klarem Himmel, mäfsiger Briese und
geringem Seegang, zeigte die unterste Platte in 430 m keinerlei Spur von Be
lichtung, erst io 390 bis 393 m liefs die zweite Platte eine solche zwar sehr
schwach, aber doch deutlich erkennen, die nächst darüber angebrachten zeigten
sich desto schwärzer, je höher sie lagen, dio 6. Platte in 230 m völlig schwarz.
Also in der Mittagsstunde ist die äufserste Belichtungsgrenze auch im April
auf etwa 400 m im Mittelmeer bei Nizza anzusetzen.
Am 5. April wurde in der Morgenstunde von 8 h 20“ bis 8 h 30“ beob
achtet, der Himmel war von weifsen Wolken bedeckt, so dafs die Sonne keinen
Schatten warf, dabei mäfsige Briese von Ost. Hier zeigten sich die ersten
schwachen Spuren der Belichtung iu 350 m, deutlicher auf den darüber liegenden
Platten, oberhalb 245 m waren diese völlig schwarz.
Am Abend des 8. April zwischen 6 h 5 m und 6 h 15“ war dio untergehende
Sonne hinter eine Wolkenbank getreten, der Himmel bis auf einige weifse
Cirrostratus-Wolken völlig klar, die See wenig bewegt hei leichter Briese aus
West. Dio ersten deutlichen Belichtungsspuren ergaben sich in 260 m Tiefe,
und erst von 160m ab aufwärts war die Schwärzung eine sehr starke; dagegen
in 300, 340 und 400 m nicht die geringste Spur. Daraus wird gefolgert, dafs
die Schichten in 800 m Tiefe jeden Tag Sonnenlicht erhalten, so lange die Sonne
über dem Horizont steht, und in 350 m während acht Stunden jeden Tages.
Gegen diese Versuche hat der Ingenieur der deutschen zoologischen
Station in Neapel, von Petersen, den Einwand erhoben, dafs sie einmal zu
nabe der Küste erfolgten, wo das Wasser nachweislich weniger durchsichtig
sei als weiter in See, und dafs ferner durch das vorherige Auslotheu der
Meerestiefe und die unumgängliche Verwendung des Lothes bei den ßelichtungs-
versueben selbst der Grundschlämm aufgerührt werde, wodurch dann das Wasser
namentlich in den unteren Schichten trüber und undurchsichtiger werde, als es
in Wirklichkeit im Ruhezustände sei. Er veränderte den Apparat in der Weise,
dafs die Entblöfsung der photographischen Platte selbstthätig in jeder beliebigen
Tiefe erfolgte, indem er über dem Behälter der Platte einen kleinen Propeller
anbrachte, welcher beim Ahfieren der Leine unbeweglich blieb, nachdem aber
die gewünschte Tiefe erreicht war, durch Wiederanziehen der Leine sieh in
Bewegung setzte und eine HemmuDg löste, welche die Platte alsbald entblöfste;
und zwar mufste der Apparat 2Vs m wieder angeholt werden, um die Belichtung
zu ermöglichen. War diese erfolgt, so konnte durch längeres Anholen und durch
die weiteren Umdrehungen des Propellers eine neue Arretirung ausgelöst werden,
welche die Platte in ihren Behälter dicht wieder verschlofs. Ueber die ersten
Versuche des Apparates hat K. Chun berichtet. 1 ) An einem sonnenhellen
Novembertago (13. Nov. 1887) wurde auf der Höbe von Kapri noch in 500
und 550 m nach halbstündiger Exposition oine deutliche Schwärzung der Platten
nachgewiesen. Ueber die von Petersen und Chun in Aussicht genommenen
systematischen Beobachtungen sind weitere Berichte noch nicht vorhanden.
Doch auch gegen diese photographische Methode sind Einwendungen
möglich und auch erhoben. So hat Prof. Pouch et in Paris Zweifel geäufsert,
ob beim Fixiren der Platten in der photographischen Dunkelkammer absolut
alle nachträgliche Belichtung ausgeschlossen sei. Aber selbst, wenn alle er
wünschte Sicherheit in dieser Hinsicht zugegeben wird, so bleibt doch noch
wieder das Bedenken, dafs auch bei diesen Methoden dem menschlichen Auge
i) Zoologische Abhandlungen, Bd. I, Kassel 1887, S. 58.