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Vicrieljshrs-We:ter-Run¿seiiriu de!' Deuiselien Seewärts, Herbst 1885.
verursachte damals bei dem am nördlichsten stehenden „J. II. Nicolai“ einen
sehr kräftigen Nordwestwiud, während bei „Hugo“ und „Janbaas“ weit
schwächerer Westwind wehte. Bei dem sieh zur Zeit noch inmitten des Hoch
druckgebietes befindenden „Peter Godeffroy“ herrschte sogar noch schwacher
Ostwind, Das erstcre Schiff konnte daher an diesem Tage 256 Sm, »Hugo*
dagegen nur 156 und „Janbaas“ 181 Sm zurücMcgen. Der „Peter Godeffroy“
durchsegelte auf nördlichem Kurse nur 70 Sm. Des Letzteren Reise wurde
schliefslich auch noch bedeutend verlängert durch stürmische, in der Nähe der
Aufsengründe herrschende Ostwinde. Dieselben waren eine Folge des Auf
tretens jenes Tiefdruckgebietes, welches sich vom 15. bis zum 19. Oktober in
ungewöhnlicher verschlungener Bahn über der Bai von Biseaya bewegte,
(Siehe Karte 5.)
Eine weitere Gruppe von den in der Liste angeführten Schiffen besteht
aus „AmarantfP, „Nubia„Alma“, „Ferdinand“ und „DeutschlandDieselben
erreichten alle nördliche Breite in der letzten Hälfte des September und trafen
dort anfänglich ziemlich günstige Verhältnisse an. „Amaranth“ und „Nubia“
fanden noch befriedigenden südwestlichen Monsun, während „Alma“ und
„Ferdinand“ durch verhältnifsmäfsig frühzeitiges Einsetzen des Nordostpassats
begünstigt wurden. „Deutschland“ wurde durch Stille und .Mallung im Stillen
gürtel am längsten zurückgehalten. Auch der Passat endete bei diesem Schiff©
am frühesten, denn es verlor denselben schon in 23,4° N-Br und 32,7° W-Lg
am 12. Oktober, während die anderen Mitsegler bis über 80° N-ßr hinaus von
östlichen Winden begleitet wurden. Letztere blieben auch später in solcher
Weise vorherrschend, dafs fast der ganze noch vorliegende Reiseabschnitt bei
denselben zurückgelegt werden mufste. Es war dies eine Folge jener eigen-
thümlicben Vcrtheilung des Luftdrucks, wie sie aus der Karte 5 zu ersehen ist.
Infolge der sehmalen langgestreckten Form des einen der verzeiehneten Hoch
druckgebiete webten die Winde anfänglich meist aus südöstlicher Richtung,
sonst würden sie dem Fortgange der Schiffe noch bedeutend hinderlicher gewesen
sein, als es in der Thät der Fall war. Erst als die Schiffe dem Kanal näher
und dort in den Bereich jenes schon wiederholt erwähnten, über der Bai von
Biscaya sich bewegenden Tiefdruckgebietes gekommen waren, wurde der Wind
vorherrschend nordöstlich. „Ferdinand“ und „Deutschland“, die beiden nach
Lissabon bestimmten Schiffe, konnten erst, nachdem sich die Wetterlage gänz
lich verändert hatte und jene geworden war, welche die Karte 7 zeigt, den
letzten Reiseab schnitt zurücklegen.
Während der ersten Woche des Oktober verliefsen „Weser“, „Paul
JRickmei's“ und „Carl Both“ den Aequator. Von den Reisen dieser drei Schiffe
fällt die des ersteron durch ihre ungewöhnliche Länge von 55 Tagen auf, doch
ist dabei zu bedenken, dafs das Schiff ein eisernes ist. Im Uebrigem waren
auch die von diesen Mitseglern angetroffenen Verhältnisse sehr ungünstige.
Gleich die Ueberschreitung des Stillengürtels erforderte, da vom Südwestmonsun
keine Spur mehr angetroffen wurde, bei den beiden ersteron Schiffen eine
ziemlich lange Zeit. Nachdem der Nordostpassat erreicht worden war, nahmen
die Reisen aller drei Schiffe für einige Tage einen besseren Verlauf, Kaum
war aber der Parallel von 14° Nord erreicht, so machten sich die Folgen der
ungewöhnlichen Wetterlage, welche die Karte 5 zeigt, geltend. Die an Stelle
eines grofsen, normal inmitten des Oeeans gelagerten Hochdruckgebietes an
ganz ungewöhnlicher Stolle erscheinenden Tiefdruckgebiete verursachten west
liche Winde über Meerestheilen, die zu. anderen Zeiten vom regeln)äfsigen Passat
beherrscht werden. „Carl Both“, das nach Lissabon bestimmte Schiff, scheint
dieselben durch Verfolgung eines nordöstlichen Kurses am besten ausgenützt zu
haben. Bei ihm und „Paul Rickmen“ drehte sich der Wind später, infolge
der veränderten, auf Karte 7 verzeiehneten Lage des Hochdruckgebietes nach
Südost und mufste dann fast der ganze noch vorliegende Reisoabschuitt bei öst
lichen Winden vollendet werden. Die Reise von „Weser“ nahm eiuen derartig
langsamen Verlauf, dafs dieses am 15. und 16. November unweit von 49° N-Br
und 16° W-Lg stehende Schill’ noch einen schweren Oststurm in Begleitung
eines Tiefdruckgebietes zu überstehen halte, dessen südoslwärts zur Küste
Portugals gerichtete Baho uns die Karte 9 zeigt.