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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Vierteljahrs-Wettei'-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1885. 
in den ersten Tagen des April auf ungewöhnlicher Bahn von dev Ostküste 
Grönlands her zum Golf von Jßiscaya bewegte. Die Reisen von „Parnass“ und 
„C. R. Bishop“ sind noch besonders dadurch interessant, dafs sie zeigen, wie 
miteinander segelnde Schiffe, trotz gleicher Segelfähigkeit, auf verschiedenen 
Theiien einer Reise doch hier gegeneinander gewinnen und dort verlieren 
können, ohne dafs dabei in der Wahl der Route oder der Handhabung des 
Schiffes etwas zu tadeln wäre. Am Mittage des 2t. März hatte sich „Parnass“ 
in 1,1° N-Br und 31° W-Lg „C. R. Bishop“ in 0,5° N-Br und 32° W-Lg be 
fanden. Bei dem zwischen 6° und 30° N-Br am frischesten angetro denen 
Passat gewann das erstere Schiff dann bedeutend. Es segelte bis zum 1. April 
nach der in 34,2° N-Br und 44° W-Lg gelegenen polaren Passatgrenze, während 
gleichzeitig „(7. R. Bishop“ nur nach 26° Br und 46° W-Lg vorrücken konnte. 
Der Uebergang des Passats in Westwind erfolgte bei beiden Schiffen in 
der für die westliche Hälfte des Atlantik normalen, durch die Lagerung 
des grofsen Hochdruckgebietes der Karte III bedingten Weise. Nachdem der 
Wind flauer geworden war, drehte sieh derselbe durch S nach W, um dann 
wieder aufzufrischen. Am 7. April Mittags war der Sehiffsort von „Parnass“ 
43,4° N-Br in 33,7° W-Lg. Nach dieser Zeit traten jedoch unberechenbare 
Umstände ein, welche das letztere Schiff vor dem erstoren bedeutend begünstigten. 
Zunächst wurde ,, Ü. R. Bishop“ am 8. und 9. April dadurch bevorzugt, dafs 
derselbe an diesen Tagen im Bereiche des auf Karte IV verzeichnten Nieder 
druckgebietes stand, welches sich in gekrümmter Bahn um die Bank von Neu 
fundland bewegte, während der östlicher stehende Mitsegler davon unberührt 
blieb und infolge dessen statt der Distanz von 432 Srn, welche jenes Schiff 
mit dem stürmischen Südwinde der Depression in den zwei Tagen zurücklegte, 
nur eine solche von 148 Sm gut machen konnte. Ein ähnlicher Vorgang wieder 
holte sich am 13. und 14. April. Auch an diesen beiden Tagen wurde 
„C. R. Bishop“ vor „Parnass“ begünstigt, so dafs er während dieser Zeit 
207 Sm gut machte, während „Parnass“ nur 100 Sm zurücklegte. Die Folge 
war, dafs bis zum 15. April der Unterschied in der Stellung der beiden Schiffe 
sich nahezu wieder ausgeglichen hatte. „C. R. Bishop“ befand sich an diesem 
Tage in 50° N-Br und 16,7° W-Lg, „Parnass“ in 48,3° N-Br und 14,2° W-Lg. 
ScMiefsiieh gelang es dem ersteren Schiffe sogar noch, weil es verschont blieb 
von den bei „Parnass“ an mehreren Tagen herrschenden Nordostwinden, den 
Bestimmungshafen Quccastown einen Tag früher zu erreichen, als „Parnass* 
nach Lizard gelangte. 
Während der ersten Hälfte des Monats April gingen „Amanda fy Elisabeth 
„Gustav Adolph“, „Polynesia„Carl Ritter“ und „Anna“ von südlicher in nörd 
liche Breite über. Die meisten dieser Schiffe waren schon südlich der Linie 
durch Mallung aufgehälten worden. In nördlicher Breite fanden sie zum Theil 
gleich den Nordostpassat, doch scheint derselbe später nur vom „Carl Ritter“ 
in befriedigender Stärke und zwar am günstigsten auf der zwischen 6° und 
26° N-Br liegenden Strecke angetroffen worden zu sei». Die Lage des; Hoch 
druckgebietes, welche frischen beständigen Passat verursacht, war nach der 
Mitte April für westlicher stehende Schiffe keine besonders günstige. (Siehe 
Karte V.) Den nördlich von 30° N-Br liegenden Reiseabschnitt legten die 
Schiffe meist bei günstigen Winden zurück. Die längere Dauer der Reise des 
„Gustaf Adolphgegen die der „Polynesia*, scheint allein durch die geringere 
Segelfähigheit des erstoren Schiffes verursacht worden zu sein. 
Recht gleichmäßig und dabei recht langsam verliefen die Reisen der 
Gruppe der folgenden vier Schiffe: „Gemma“, „Charlotte“, „Adolph“ und 
„Aeolus“, welche in den letzten zehn Tagen des April nördliche Breite er 
reichten. Es gelangten dieselben alle erst nach einer Fahrt von durchschnittlich 
45 Tagen zum Kanal. Auch diese Schiffe waren alle schon in südlicher Breite 
durch Mallung und Stille zurückgehalten worden und trafen vom Stillengürtel 
in nördlicher Breit© nur noch Spuren an. Hinderlich und Ausschlag gehend 
für die lange Dauer der Reise war vor Allem der unbefriedigende Passat. Der 
selbe wehte nur für kurze Zeit frisch und endete schon, bevor man 20° N-Br 
erreicht hatte. Die Erklärung dieser Thatsacho ist durch das fast gänzliche 
Fehlen des Hochdruckgebietes mittlerer Breiten, wie es die Karten VI und VII 
zeigen, gegeben. Schon südlich von 20° N-Br wurden von einigen Schiffen
	        
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