Pampero im Süd-Atlantic und St. Elmsfeuer während desselben.
war, konnte wieder aufgefischt werden. Das Wetter war jetzt schön, nur die
See noch etwas unruhig.
Aus der Aenderung des Luftdrucks und der Richtung und Stärke des
Windes ist zu folgern, dafs das Orkanfeld sich in nordöstlicher Richtung fort-
bewegte, und dafs das Centrum desselben in einer geringen Entfernung südlich
von „Ferdinand“ passirte,
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Beobachtung eines Pampero im Süd-Atlantic und von St. Elmsfeuer
während desselben.
Am 16, Januar v, J. wurde an Bord des Oesterreichisch-Ungarischen
Lloyddampfers „Melpomene“ im Süd-Atlantic während eines Pampero ein be-
sonders ausgeprägtes St. Elmsfeuer beobachtet. Die folgenden Angaben darüber
entlehnen wir einem in der Zeitschrift der Oesterreichischen Gesellschaft für
Meteorologie, Juliheft 1885, veröffentlichten Bericht des Hauptmann H. Himmel,
welcher sich an Bord des genannten Schiffes befand. Am Nachmittage vor der
Abfahrt von Montevideo bildete sich am Horizont eine kleine dunkele Wolke,
welche sich immer mehr erhob und nach und nach in Form von Cumuluswolken
den ganzen Himmel umzog, Man vermuthete den nahen Ausbruch eines Pam-
pero; vier Stunden später, um 8 Uhr Abends, brach das Unwetter los. Der
jeichte Nordwind, welcher den Tag über geweht hatte, setzte plötzlich nach
West um und wurde so warm, dafs das Athmen erschwert war. Unter Donner
and Blitz frischte der Wind auf; immer häufiger folgten die elektrischen Ent-
ladungen, und es wurde zuletzt das röthliche Wetterleuchten und das überaus
grelle Blitzen so kontinuirlich, dafs das Schiff wie in einer Photosphäre schwebte.
Unzählige Blitze schlugen in allernächster Nähe des Schiffes in das Meer,
ohne das mit einem Blitzableiter am Grofsmast versehene Schiff zu treffen.
Schiff und ein Theil der Masten war von Eisen, der Fockmast 28 m, der Grofs-
mast 31m hoch; der untere Theil der Masten bis 17m bestand aus Eisen, der
obere Theil aus Holz, an den Spitzen mit Metallbeschlägen versehen. Es
begann jetzt ein wolkenbruchartiger warmer Regen, Zugleich setzte eine orkan-
artige Böe bei einem Barometerstande von 752mm ein; dieselbe dauerte
a Stunden, und zwar erfolgte der erste heftige Windstofs aus SW, sodann ging
der Wind über S bis NE, Kcehrte hierauf über S nach SW zurück und wurde
endlich mit dem Abnehmen des Orkans stetig aus NE. Vor und während des
Orkans zeigte das Barometer bedeutende Schwankungen, im Ganzen jedoch
mit steigender Tendenz. Der Regen dauerte ca 2 Stunden, Um 9* 30“ hörte
ar auf; auch die Blitze wurden seltener, der Donner schwach, und das Fir-
mament begann sich stellenweise aufzuheitern und liefs die Sonne erblicken,
Die See war stark bewegt und das Phosphoreseiren des Meeres ein auffallend
starkes. Um 9% 40“ bemerkte der Berichterstatter ein eigenthümliches Auf-
leuchten der Spitze des Fockmastes und unmittelbar darauf auch ein anfänglich
mehr unruhiges Flimmern der Grofsmastspitze, des Gaffelendes und des Flaggen-
stockknopfes. Es war klar, dafs dieses Lichtphänomen ein starkes Phosphores-
oiren der Mast- und Gaffelspitzen war und zwar nur so weit, als diese Metall-
veschlag hatten (Gaffelspitze und Flaggenstockknopf hatten ebenfalls solchen).
Das Leuchten, ganz gleich dem eines modernden Holzstückes bei gewitter-
achwüler Luft in dunkler Nacht, war ein bläulich-mildes, nicht grelles, aber
auch nicht konstantes. Es zeigte ebenso wie phosphorescirendes Moderholz
ain gewisses Unduliren der Leuchtkraft. Einzelne kürzere Regenschauer beein-
Aufsten das Phänomen nicht, ebensowenig die aufheiternde Tendenz des Wetters.
Nach 1'/4 Stunden, um 10* 55”, ward das oberste Licht, d.h. das des mit dem
Blitzableiter ausgerüsteten Grofsmastes, plötzlich matt und verschwand nach
ca 5 Sekunden. Nach 4 Minuten verlosch das Licht des Fockmastes, nach
weiteren 2 Minuten jenes der Gaffel und endlich nach 8 Minuten das des
Flaggenstockes. Das Verlöschen hatte somit 14 Minuten gedauert und war von