Chronometerprüfung bei der Französischen Marine,
Reisedauer, welche in der Segelanweisung der Seewarte gegeben ist, und der-
jenigen der Schiffe „ Weathersfield“ und „Empire“ von 117 bezw. 110 Tagen.“!)
In Port Adelaide stellte Kapt. Mehlburger vom 4. bis 14. Januar 1884
an jedem Tage um 8* a. m. und um 8* p.m. meteorologische Beobachtungen
an, aus welchen zu entnehmen, dafs die mittlere Temperatur der Luft während
dieser Zeit um 8* a, m. 25,1°, um 8 p.m. 24,5° C, gewesen ist. Am Morgen
des 13. Januar aber überstieg die Lufttemperatur, nachdem sie schon mehrere
Tage vorher anhaltend hoch gewesen war, das obige Mittel in einem sehr hohen
Grade, denn an diesem Tage betrug dieselbe um 8* a. m. 39,8°C. Hierzu führt
Kapt. Mehlburger des Weiteren aus: „Heute war ein entsetzlich heifser Tag.
Der frische NE-Wind, vom Lande wehend, vorursachte heifse Luftströme, die
wie aus einem glühenden Ofen. zu kommen schienen. Um 2" p.m. wurde von
mir die gröfste Hitze von 44,6° C. beobachtet. Nach einem Zoitungsbericht
vom folgenden Tage war das Maximum der Lufttemperatur auf dem Observa-
torium in Port Adelaide am 13. Januar ebenfalls zu 112° F. — 44,4° C. ab-
gelesen. Viele Thiere, als Hühner, Schafe und Pferde, kamen infolge dieser
grofsen Hitze um. Gegen Abend lief der Wind südlich, und die Temperatur
der Luft nahm bedeutend ab; um 8% stand das Thermometer auf 27,9° C, und
um 8 a.m, den 14. Januar nur noch auf 19,5° C. Es hatte also innerhalb der
letzten 24 Stunden eine Temperaturabnahme von 25,1° C. stattgefunden. Die
niedrigste von Kapt. Mehlburger beobachtete Temperatur der Luft von
17,5° C. ereignete sich am 7, Januar 8" p. m., bei steifem WSW-Winde
mit Böen.
A433
Die Prüfung und Prämiirung von Chronometern bei der
Französischen Marine.
Dio „Recherches sur les chronometres et les instruments nautiques“,
Heft 13, bringen einen Bericht des Chronometer-Prüfungs-Instituts der Fran-
zösischen Marine über wünschenswerthe Aecnderungen in dem früheren Prämiirungs-
verfahren, ferner die auf Grund dieses Berichtes unter dem 6. Juni 1882 er-
lassenen neuen Bestimmungen des Marine-Ministers über Chronometer-Prüfungen
und endlich die Resultate der hiernach abgehaltenen Prüfungen von Marine-
Chronometern aus den Jahren 1882—84.
Wir entnehmen hieraus das Nachfolgende:
Seit dem Jahre 1857 wurden die zum Ankauf für die Französische Marine
angebotenen Chronometer einer dreimonatlichen Prüfung unterzogen, während
welcher ihre Gänge in der gewöhnlichen Temperatur des Chronometerraums
1) Die Kapt. Mehlburger von der Seewarte mitgegebene Segelanweisung lautet in Bezug
auf die in Rede stehende Reise: Für die Rückreise von Port Adelaide oder Port Pirie nach Europa
sollte immer die Route um das Kap Horn genommen werden. Für den Weg um das Kap der guten
Hoffnung sind die Aussichten noch am günstigsten im Sommer der südlichen Halbkugel, wenn die
Winde in der Australischen Bucht weniger stürmisch und häufiger aus östlicher Richtung sind und
die polare Passatgrenze eine verhältnifsmäfsig südliche Lage hat. Aber auch dann ist die Gelegen-
heit, die Reise zu befördern, nicht nur auf der Strecke bis Kap Leeuwin, sondern auch im SE-Passat-
gebiet, wenn man nicht den weiten Umweg bis nach etwa 20° S-Br machen will, eine sehr un-
zuverlässige, und wird infolge dessen die Fahrt bis zum Kap der guten Hoffnung nur selten in
weniger als 60 Tagen gemacht, Im Mittel berechnet sich die Reisedauer aus acht Reisen nach
Mauritius, Algua-Bai, Kapstadt, von denen der Seewarte Berichte zugegangen sind, bis nach 20° O-Lg
zu 67 Tagen. Addirt man hierzu 62 Tage für die Strecke von 20° O-Lg nach Lizard, so erhält
man als mittlere Dauer der ganzen Reise von Spencer-Golf nach Lizard rund Kap der guten Hoffnung
129 Tage. Die mittlere Dauer einer Reise von Spencer-Golf rund Kap Horn berechnet sich dagegen
nach den vorliegenden Berichten zu 112 bis 113 Tagen.
Auf diesem Wege nehme man die Route südlich von ZTasmanien und Neu-Seeland, Weiterhin
scheint es jedoch besser zu sein, nördlich von 50° S-Br, zwischen diesem und dem Parallel von
45° Süd, zu bleiben, bis man 110° oder 100° W-Lg erreicht hat, Erst von hier aus steuere man
südlicher nach dem Kap Horn. Hinsichtlich des Verhaltens beim Antreifen ungünstiger Gelegenheit
gelten hier dieselben, auf die Beziehungen zwischen Luftdruckvertheilung und Wind gegründeten
Regeln, welche bereits für die Ausreise angegeben und im dritten Bande vom Buche „Der Pilote“
ausführlich dargelegt worden sind.