290 Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Januar 1885.
am 4. Juli nach NE, und im Verlaufe der folgenden Tage langsam weiter durch
N nach W. Nachdem der zuletzt aus südwestlicher Richtung wehende Wind
am 8. Juli in der Nähe von 32,5° S-Br und 47° W-Lg in Stille geendet hatte,
folgte auf diese bald wieder ein frischer Nordwind. Dieser war indessen auch
nicht von langer Dauer; Windrichtung wie Windstärke veränderten sich vielmehr
von nun an häufig, doch 80, dafs im Allgemeinen jene vorherrschend eine
günstige war. Die Reise nahm daher auch einen derart günstigen Verlauf, dafs
am 22, Juli 50° S-Br in 66,5° W-Lg überschritten werden konnte. Der 22, Juli
war der 28. bis dahin in südlicher Breite zugebrachte Tag. Während dieser
Zeit hatte man: 10° S-Br in 32,5° W-Lg am 29, Juni, 20° S-Br in 37,2° W-Lg
am 2, Juli, 30° S-Br in 45,8° W-Lg am 7, Juli und 40° S-Br in 58,5° W-Lg am
17. Juli gekreuzt. Der Mitsegler „Ceres“ erreichte 50° S-Br in 63,2° W-Lg am
19. Juli und „Niagara“ kreuzte diesen Parallel in 64,3° W-Lg am 22. Juli. Am
Mittage des 7. Juli war der Standpunkt von „Patagonia“ in 30° S-Br und
45,8° W-Lg, der von „Ceres“ in 30,9° S-Br und 43,4° W-Lg und der der
„Niagara“ in 28,5° S-Br und 40,2° W-Lg gewesen. Bis zum 17. Juli mittags
rückten dann „Patagonia“ bis nach 39,2° S-Br in 58,2° W-Lg, „Ceres“ nach
45° S-Br in 60,7° W-Lg und „Niagara“ nach 40° S-Br in 56,4° W-Lg vor.
Am 26. Juli umsegelte „Patagonia“ die Ostspitze der Staaten-Insel. Auf
den bei rasch abnehmendem Luftdrucke wehenden stürmischen Westwind, bei
welchem dasselbe geschah, folgte leider schon nach wenigen Wachen, in denen
das Barometer bis auf 735,3 mm gesunken war, ein Ausschiefsen des Windes
nach SW. Aus dieser Richtung nahm der Wind dann, indem der Luftdruck
rasch stieg, bis zum heftigen Sturme zu und wurde die Bark dann weit nach
Osten hin verdrängt. Als das Barometer am 29. Juli einen höchsten Stand von
753,5 mm erreicht hatte, herrschte bei dem in 55,3° S-Br und 61,3° W-Lg be-
ändlichem Schiffe kurze Stille, auf die der zu erwartende hoch nördliche Wind
and das fallende Glas bald folgten. Kapt. Hellwege liefßs dann in Voraussicht
des kommenden südlichen Windes bei jenem nach und nach heftig werdenden
Winde voll weg halten nach Süden und Westen. Als der Schiffsort am 31. Juli
58,5° S-Br in 65,2° W-Lg geworden war, erfolgte dort bei auf 732,4 mm ge-
zunkenem Barometerstande die erwünschte Veränderung des Windes. Nachdem
derselbe für kurze Zeit bis zur Stille abgenommen hatte, geschah ein Umspringen
des Windes nach SSW. Die Luftwärme sank dann bis auf —5°C,, so dafs
als Folge davon das Schiff mit einer Eiskruste bedeckt wurde und die Segel
gefroren. Die Umsegelung des Kaps nahm dabei aber, da der Wind sich
beständig in hoch südlicher Richtung hielt, an mehreren Tagen sogar aus SSE
wehte, einen recht günstigen Verlauf. Man konnte bis zum 6. August nach
50° S-Br in 81,9° W-Lg vorrücken. Es waren dann 15 Tage vergangen, seit
man denselben Parallel im Atlantischen Ocean verlassen hatte. Der Meridian
des Kap Horn war in 57,3° S-Br am 1. August überschritten worden. Der
Mitsegler „Ceres“, welcher sich am 21. Juli beim Kap St. John befunden hatte,
kehrte nach dem in 79,7° W-Lg überschrittenen Parallel am 4. August zurück,
and die Bark „Niagara“, welche das Kap St. John am 30, Juli sichtete, kreuzte
50° S-Br in 83,8° W-Lg am 13. August. Am Mittage des 31. Juli, an welchem
Tage das Ausschießsen des Windes bei „Patagonia“ erfolgte, bei den beiden
Mitseglern hatte derselbe Vorgang schon während der letzten Wachen des
30. Juli stattgefunden, befand sich jene Bark in 58,5° S-Br und 66° W-Lg,
„Ceres“ gleichzeitig in 57,5° S-Br und 68,9° W-Lg und „Niagara“ in 56,2° S-Br
und 65° W-Lg. Das erstere Schiff hatte um 4 Uhr morgens dieses Tages einen
niedrigsten Barometerstand von 732,4 mm, „Niagara“ zur selben Zeit einen
solchen von 733,5 mm und „Ceres“ um 8 Uhr nachmittags des 30. Juli einen
tiefsten Stand von 733,3 mm beobachtet. Da „Patagonia“ und „Ceres“ infolge
ihres günstigeren Standpunktes den folgenden heftigen Südwind voll ausnutzen
konnten, „Niagara“, bei welcher während der nächsten Tage die Windrichtung
indessen auch eine ungünstigere gewesen zu sein scheint, aber nicht, mulfste
diese Bark noch wieder mit St.-B.-Halsen segeln und blieb daher bedeutend
hinter den Mitseglern zurück. Die von „Patagonia“ bei ihrer Umsegelung des
Kap Horn angetroffenen Verhältnisse waren solche, wie sie der dieses in über-
iriebener Weise gefürchtete Vorgebirge im Winter umsegelnde Schiffsführer zu
erwarten hat, und welche mit weiser Voraussicht auszunutzen seine Pflicht ist.