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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 13 (1885)

"Tafel zur Verbesserung der Länge oder des Stundenwinkels, 279 
wärtigung dieser Linie, entweder im Kopf oder auf dem Papier, indem man 
nur ungefähr die Richtungslinie des Gestirns, d. h. des Azimuths, und recht- 
winklig zu dieser die Höhenlinie entwirft, wird die Anwendung der Korrektion 
unmittelbar durch die Anschauung gegeben. Dieses Verfahren ist entschieden 
das einfachste und sicherste, entbindet von jeder weiteren Regel und schützt 
am besten vor Versehen. Es läfst sich auch ausdehnen auf die im „Handbuch 
der Navigation“ enthaltenen Korrektions-Tafeln und statt der dort aufgestellten 
Regel für die Gesammtkorrektion anwenden. 
Die Rechnungsweise in den beiden oben aufgeführten Hauptfällen, in 
welchen die Tafel zur Verwendung kommen soll, bei der gewöhnlichen täglichen 
Besteckrechnung und der Sumner’schen Aufgabe, ergiebt sich hiernach von 
selbst. Man berechnet die Länge mit einer gegifsten Breite wie gewöhnlich; 
für die hierbei gefundene wahre Ortszeit und die Deklination des Gestirns ent- 
nehme man das Azimuth aus den Azimuth-Tabellen (wenn das Gestirn nicht 
gepeilt ist) und für dieses und die gegifste Breite die Korrektion aus der 
Tafel. Hat man die Mittagsbreite beobachtet, so reducire man sie, wie be- 
kannt, durch Koppelung auf den Ort der Längenbeobachtung, bilde die Differenz 
in Breitenminuten zwischen dieser und der bei der Längenberechnung an- 
gewandten gegifsten Breite und multiplicire hiermit die aus der Tafel ent- 
nommene Korrektion, welche auf die erhaltene Länge nach der obigen Regel 
angewandt wird; die Reduktion der Länge auf den Mittag bleibt wie gewöhnlich. 
Bei der Sumner’schen Methode rechnet man für beide Höhen mit einer 
gegilsten Breite eine Länge, ermittelt für jede der Beobachtungen, wie be- 
sprochen, das Azimuth des Gestirns, mit diesem aus der Tafel die Korrektion, 
multiplicire dieselbe mit der in Minuten ausgedrückten Breitendifferenz der 
ersten zur Längenberechnung benutzten und einer beliebigen zweiten Breite, 
wende die so erhaltene Längendifferenz auf die erste Länge nach der Regel an 
und hat somit die der zweiten Breite korrespondirende Länge oder einen zweiten 
Punkt der Höhenlinie. ; 
Folgende Beispiele werden das Verfahren noch deutlicher machen. 
Beispiel 1. Mit einer Breite von 24° 10‘ N wurde nach einer Sonnen- 
beobachtung die Länge 40° 23,4‘ W berechnet, während das Azimuth der 
Sonne S 75° O0 war. Es stellte sich heraus, dafs die richtige Breite nicht 24° 10°, 
sondern 24° 17,5‘ N war. Die richtige Länge soll 
bestimmt werden. Die Breite ist um 7,5‘ nördlicher 
gewesen, als bei der Berechnung der Länge an- 
genommen wurde. Aus der Tafel erhält man für 
75° Azimuth und 24° Breite eine Korrektion 0,29, 
folglich für 7,5‘ eine Verbesserung von 7,5.0,29 
= 2,2. Das Azimuth liegt zwischen Süd und Ost, 
die Breitenänderung ist nördlich, folglich wird die 
Länge östlicher. 
Die richtige Länge ist demnach: 
40° 23,4‘ W 
2,2‘ 0 
= 40° 21,2‘ W. 
Beispiel 2. („Handbuch der Navigation“, Seite 268 und 263.) Nach 
einer Höhenbeobachtung des Canopus ist mit 32° 13‘ S-Br die Länge 108° 21,8‘ 0 
bestimmt. Der Azimuth des Canopus war zur Zeit 
der Beobachtung S 44° W; die richtige Breite betrug 
33° U‘ S. Was ist die richtige Länge?‘ 
Die Tafel ergiebt für 32° Breite und 44° Azimuth 
eine Korrektion 1,23; demnach ist die Korrektion für 
47‘ Breitenäuderung gleich 47, 1,23 = 57,8‘. Das 
Azimuth liegt zwischen Süd und West, die Breiten- 
änderung ist südlich, folglich wird die Länge östlicher, 
Die richtige Länge ist demnach: 
108° 21,8‘ 0 
57,8‘ 0 
2 709° 196 0. 
Sa W
	        
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