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Gewitter- und Hagelbildung.
grofser Ausdauer ausführte, fand,!) dafs regelmäfsig mit der gröfseren Menge
der Wasserdünste auch die positive Elektrieität der Luft zunahm und mit der
Abnahme dieser Dünste auch eine Abnahme der Elektrieität gleichen Schritt
hielt. Ueberhaupt verläuft im Allgemeinen die elektrische Spannung der Luft
genau parallel mit den Schwankungen im Wasserdampfgehalt der Luft (ab-
gesehen natürlich von Störungen durch Regen, Schnee ete.). Dieser Satz ist
auch nur eine nothwendige Folgerung aus der oben gegebenen Erklärung über
die Quelle der Luftelektricität. Die Wasserkügelchen in feuchter Luft, in
Nebeln und Wolken machen fortwährend kleine aber lebhafte Schwingungen,
es findet also Reibung zwischen Wasser und Wasserdampf statt und damit
Elektricitätsentwickelung. Ein metallischer Leiter, der in eine solche Wolke
taucht, wird durch die vertheilende Wirkung der Tropfen oder Eisnadeln eben-
falls elektrisch, wodurch er letztere anzieht, so dafs sie sich in seiner Umgebung
anhäufen. Dadurch können aus einem solchen Leiter oft lebhafte, mit starkem
Geräusch überspringende Funken gezogen werden. In den mittleren Schichten
der Atmosphäre ist aber die Luft in der Regel weniger mit Wasserdampf ge-
sättigt, als am Boden, auch fehlen dort die Eisnadeln der höheren Schichten,
es wird also die elektrische Spannung dort zuweilen kleiner sein, als in den
untersten und den höchsten Schichten. Der Grad der elektrischen Spannung
hängt eben von den Feuchtigkeitszuständen der Luft ab. Damit stimmt auch
die Thatsache überein, dafs trockene und warme Winde durch die lebhafte
Verdampfung, die sie hervorrufen, die positive Spannung der Luftelektricität
vermindern, dafs dagegen die intensivsten elektrischen Erscheinungen immer
bei feuchten Winden auftreten.
Professor Faye schreibt die Gewitterelektrieität ausschliefslich den Eis-
nadeln zu, die in den höheren Schichten der Atmosphäre immer vorhanden und
stark elektrisch sind. Durch die Wirbelbewegung werden sie nach der Tiefe
geführt; infolge dessen muls sich ihre Elektricität dort anhäufen, und mit dieser
Anhäufung sind jene elektrischen Entladungen verbunden, die wir bei Gewittern
beobachten. Prof. Luvini betrachtet gleichfalls die Eisnadeln als die Träger
der Elektricität, die infolge der mit der Wirbelbewegung verknüpften energischen
Reibung jene gewaltigen Elektricitätsmengen der Gewitter entwickeln. Ich kann
mich mit diesen beiden Ansichten nicht ganz einverstanden erklären. Die
Elektricität der Eisnadeln spielt wohl eine grofse, ja die ausschlielsliche Rolle
bei den Polarlichtern, läfst aber die ganze Reihe von Erscheinungen unerklärt,
die vorhin auf die Reibung der Wasserkügelchen an der feuchten Luft zurück-
geführt wurden. Wie würde man sonst z. B. den von Schübler festgestellten
parallelen Gang der Luftelektricität mit dem Wasserdampfgehalt der Luft erklären
können, oder das Nichtauftreten von Thau nach einem Tage mit schwacher
Luftelektricität (Mangel an Wasserdampf resp. Wasserkügelchen, daher auch
keine Luftelektricität). Die Menge der Eisnadeln, die durch die Wirbelbewegung
nach den unteren Schichten herabgeführt werden, spielt kaum eine Rolle gegen-
über den gewaltigen Regenmengen, die sich bei Gewittern entladen, und was
den Hagel betrifft, so wird dieser erst infolge der Wirbelbewegung gebildet;
möglicherweise könnte der aus Eiskrystallen bestehende Kern der Hagelkörner
aus den oberen Schichten der Atmosphäre stammen. Aber um diesen Kern
schlagen sich in der Regel noch ganz bedeutende Wassermassen nieder, ehe
das Hagelkorn seine volle Gröfse erreicht. Allerdings mufßs sich während der
Bildung des Hagels infolge der lebhaften Reibung desselben an der feuchten
Luft ein hoch elektrischer Zustand desselben entwickeln, und dies bestätigt
auch die Beobachtung vollständig:.. Bei vielen Gewittern tritt jedoch keine
Hagelbildung auf, während sie stundenlang den Herd der heftigsten elektrischen
Entladungen bilden, und anzunehmen, dafs aller Regen durch vorherige Schmelzung
von Eisnadeln und Hagelkörnern sich gebildet habe, scheint nicht mit den be-
obachteten Thatsachen in Uebereinstimmung zu stehen. Herr Liebenow führt
zwar in ganz derselben Weise die Gewitter- und Luftelektricität auf die Reibung
von Wasser an Wasserdampf zurück, wie ich dies gethan habe, er nimmt aber
keine Wirbelbewegung bei Gewittern an, und ohne diese fehlt es an der
mechanischen Kraft, die absolut nöthig ist, um jene annähernd energische
)) Kämtz, Meteorologie, Band II, Seite 402,