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Beiträge zur Hydrographie des Sibirischen Eismeeres.
Oestlich vom Dickson-Hafen, längs der Küste des Taimyr-Landes, zeigt
sich eine allmähliche Abnahme der Wassertemperatur und ein Steigen des Salz-
gehaltes. Die unteren Schichten sind mit eiskaltem Wasser erfüllt, dessen obere
Grenze sich gleich östlich vom Dickson-Hafen in 27m Tiefe befndet, in der
Nähe von Kap Tescheljuskin aber die Meeresoberfläche erreicht. Das Boden-
wasser zeigt —1,5° und einen Salzgehalt von 3,3 bis 3,4 Procent. Eis wurde
mehrmals getroffen; an solchen Orten heben sich die Isothermen und die Linien
gleichen Salzgehalts,
Oestlich von Kap Tescheljuskin ging die Fahrt zuerst nach Osten, daun
südlich. Auf dieser Strecke fand man nur sporadisch Wärmegrade an der
Meeresoberfläche, und der Salzgehalt hält sich relativ hoch, zwischen 3,26 und
2,30 Procent. Es ist ein Eismeer, wo das geschmolzene Eis und die kleinen
Küstenströme das Wasser der oberen Schichten nur wenig aussüßen. Der Haupt-
strom des Ob-Jenissei-Wassers scheint schon gleich östlich vom Dickson-Hafen
die Küste zu verlassen; nur ein schwächerer Arm mag, unterstützt durch die
Bäche des Taimyr-Landes, der Küste entlang bis nach Kap Tscheljuskin fort-
schreiten. Oestlich von diesem nördlichsten Vorgebirge der alten Welt ist die
Wirkung der westsibirischen Flüsse nicht zu spüren. In diesem Gebiete wurde
Eis öfters angetroffen.
Aufserhalb der Chatanga-Bai senken sich die Isothermen, und es treten
Wärmegrade am Boden wieder ein. Die Oberflächentemperatur beträgt 4,5° bis
5,8°, und der Salzgehalt geht an der Oberfläche unter 1,5 Proc. herab. Aufser-
halb der Anabara-Mündung ist ein Fallen der Temperatur und Steigen des
Salzgehaltes bemerkbar, das weiter östlich durch ein Steigen der Temperatur
von 3,0° bis 3,6° und ein Fallen des Salzgehaltes von 1,8 bis 0,9 Procent ab-
gelöst wird. Dann kommt wieder eine bedeutende Wirkung der Olenek- und
Lena-Flüsse. Zuerst tritt ein Reaktionsstrom mit Kältegraden (—1° am Boden)
und Salzigkeit (2,5 Procent am Boden) ein, dann, was die Wirkung der Olenek
zu sein scheint, wärmeres und salzarmes Wasser, dann gleich dem Lena-Delta
gegenüber, Temperaturdepression mit Kältegraden am Boden und Salzerhöhung
and zuletzt die volle Wirkung der Lena, Wasser von über 4° Wärme fast bis
zum Boden, Aussüfßsung des Wassers bis zu 0,5 Procent Salzgehalt, — aber auf
einem östlicheren Längengrade als die Ostmündung der Lena. Das Lena-Wasser
scheint sich im Meere gegen Nordost zu bewegen.
Das Jana-Wasser kommt auf dem Wege der „Vega“ in der Strafe zwi-
schen Ljakow und Syjatoinos zum Vorschein, auf seiner linken Seite begleitet
von einem kalten salzreichen Reaktionsstrom. Es vereinigt sich mit dem Wasser
der Chroma und Indigirka, welch letzteres volle 3 Längengrade östlich von der
Mündung sich durch die bekannten Merkmale kenntlich macht. Ebenso zeigt
sich die Wirkung der Kolyma ebenso weit östlich von ihrer Mündung. Aus der
Tschaun-Bai scheint ein warmer leichter Strom sich ostwärts zu bewegen, aber
von hier aus wird das Wasser wieder kalt, obgleich westlich von dem Winter-
quartier bei Prtlekai sehr salzarm. Die Zeit ist freilich bis zum Ende September
vorgeschritten.
Um die hydrographischen Verhältnisse der Bering-Strafse festzustellen,
sind die Beobachtungen noch zu spärlich vorhanden. Werthvolle Beiträge dazu
hat auch die Vega-Expedition geliefert.
Nach den Triften der „Tegetthof“ und „Jeannette“ zu urtheilen, ist die
allgemeine Strömung des Wassers in den nördlicheren Theilen des Sibirischen
Eismeeres langsam gegen Westen. Das Meer ist nicht tief, so dafs das ganze
Bewegungsmoment im Verhältnifs zur Ausdehnung des Meeres nicht als beträcht-
lich erachtet werden kann. Anders stellen sich die Verhältnisse im europäischen
Nordmeere, wo grofse Massen atlantischen Wassers hinangeführt werden, um
später, abgekühlt in hohen Breiten, als kalte Ströme wieder hinabgetrieben zu
werden. Der Beitrag des Sibirischen Eismeeres zu diesen Polarströmen scheint
nicht mit Nothwendigkeit als beträchtlich angesehen werden zu müssen, und der
Beitrag zu der Wasserbewegung des Sibirischen Eismeeres — falls ein solcher
stattfindet — aus dem Atlantischen oder Pacifischen Ocean ist gewils sehr
unbedeutend.
In den Wassermassen der nordsibirischen Flüsse haben wir aber, wie
durch die Beobachtungen der Vega-Expedition nachgewiesen worden ist, eine