Walter Gehlhaar: Die meteorologische» Meßelemente <ler Marineradiosonde
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Einleitung
Die wachsende Bedeutung der Erforschung des Höhenwetters für die Meteorologie, für Wctter-
beurteilung und Vorhersage, für den Flugwetterdienst und die artilleristische Wetterbestimmung
hat eine umfangreiche Entwicklung der Meßmethodik von Temperatur,Luftdruck und Feuchtigkeit
in der Höhe zur Folge gehabt. Neben der Vervollkommnung der bei Flugzeugaufstiegen verwende
ten Meteorographen, deren Einsatz den Vorteil der Verwendung eines bestimmten gründlich erprob
ten Instrumentes bietet, ist die Entwicklung der drahtlosen Übertragung meteorologischer Meß
werte mittels Radiosonden in fast allen Kulturländern bedeutend gefördert worden. Die unmittel
bare Übertragung dieser Werte über die Hochfrequenz hat für die praktische Nutzanwendung große
Vorteile: das Ergebnis des Aufstieges kann bereits fertig vorliegen, sobald der Ballon seine Gipfel
höhe erreicht hat. Daher gewinnt, trotz mannigfacher konstruktiver und meßtechnischer Schwierig
keiten, die in der großen Zahl verschiedenartiger Entwicklungen zum Ausdruck kommen, diese
Methode gegenüber Flugzeug-, Registrierballon- und Drachenaufstiegen zunehmend an Raum.
Die Prinzipien der Messung der aerologisch wichtigsten drei Größen Temperatur, Luftdruck
und Feuchtigkeit sowie der Übertragung dieser Meßgrößen auf den Kurzwellensender der Sonde
sind recht vielgestaltig. Ein großer Teil der Konstruktionen verwendet mechanisch wirksame Meß
elemente, welche über einen besonderen Hebelmechanismus den Sender steuern. Die Untersuchung
dieser Konstruktionen muß neben den Fehlerquellen der Meßelemente selbst und deren Trägheits
erscheinungen auch diejenigen der mechanischen Übertragung berücksichtigen. Wegen der geringen
Stellkraft der Meßelemente, der Temperaturänderungen der Mechanik, die während des Aufstieges
bis zu 100 C betragen, wegen der Korrosionsmöglichkeiten der Metallteile können insbesondere
beim Masseneinsatz von Radiosonden Fehler auftreten, die zumeist von unkontrollierbaren Zufällig
keiten abhängen. Es sind daher von verschiedenen Seiten mit Erfolg Schritte unternommen worden,
diese Störungen wenigstens teilweise zu beseitigen. (Z. B. die finnische Radiosonde von Väisälä, ver
schiedene amerikanische Konstruktionen u. a.). Eine Übersicht der zur Zeit bestehenden Radio
sondenkonstruktionen ist von Weickmann 1 ) gegeben worden.
Auf Veranlassung des Oberkommandos der Kriegsmarine ist im Jahre 1936 von G. Beckerund
W. Hey eine Radiosonde entwickelt worden, mit welcher Temperatur, Luftdruck und Feuchtigkeit
nach einem neuen, für Radiosonden bisher noch nicht angewendeten Verfahren bestimmt werden.
Ein Kennzeichen dieser Konstruktion ist die rein elektrische Übertragung vom Meßelement auf den
Sender, durch welche die Fehlerquellen einer mechanischen Übertragung prinzipiell ausgeschaltet
sind. Das Neuartige der Konstruktion besteht in der Verwendung von eichkonstanten Temperatur
meßgeräten und von Vakuummetern mit großer Meßbereichsauflösung, für welche die Hochfre
quenz lediglich die Bedeutung des Nachrichtenmittels hat (abgesehen von einem Hochfrequenzbau
teil, der zugleich temperaturmessenden Charakter hat). Bei der Entwicklung sind außer der Eich
konstanz der Sonde auch wesentlich die Erhöhung der Meßgenauigkeit sowie praktische Forderungen
der Transport- und Lagerfähigkeit und der Festigkeit gegen Einflüsse der Seeluft zum Zwecke des
Einsatzes auf Kriegsschiffen, auf beweglichen Wettermeßstellen und auf Expeditionen maßgebend