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Volltext : 62/63, 1942/43

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Kurt  Gebauer:  Die  Erschließung  Afrikas  und  die  dabei  erzielten  wissenschaftlichen  Ergebnisse.

kehrte  nach  Kuka  zurück  und  zog  mit  Overweg  ins  Musguland  und  nach  Kanem.  Overweg
starb,  nachdem  er  noch  das  Land  Bautschi  aufgesucht  hatte,  in  Maiduari  bei  Kuka,  erst
30  Jahre  alt.  Barth  ging  wieder  ins  Musguland  nach  Bagirmi  und  weiter  über  Kano,  Katsena
und  Sokoto  nach  Ganda  und  Timbuktu.  Hier  blieb  er  trotz  vieler  Anfeindungen  8  Monate  lang
und  sammelte  geschichtliches,  sprachliches  und  völkerkundliches  Material  von  unschätzbarem
Wert.  Auf  seinem  Rückmarsch  nach  Kuka  traf  er  im  Walde  von  Surrikolo  mit  Eduard  Vogel
zusammen,  der  die  Spuren  Barths,  den  man  für  verloren  hielt,  aufsuchen  sollte.  Nur  einige
Zeit  blieben  beide  zusammen.  Auf  der  Karawanenstraße  von  Kuka  nach  Tripolis  trat  Barth
die  Heimreise  an.  Vogel  ging  nochmals  nach  Aclamaua  und  über  den  Benue  und  wollte  durch
das  streng  verschlossene  Sultanat  Wadai  die  Heimreise  antreten.  Seitdem  blieb  er  verschollen,
bis  Gustav  Nachtigal  Ermittlungen  über  seine  Ermordung  anstellte.
Barths  Reise,  die  noch  nicht  10  000  Taler  gekostet  hatte,  erschloß  das  ungeheure  Gebiet
zwischen  Tripolitanien  und  dem  Benue,  dem  oberen  Niger  und  dem  Lande  Wadai;  er  hat
20  000  km  Weges,  das  entspricht  dem  halben  Erdumfang,  kartographisch  festgelegt  und  uns
durch  Erkundungen  einen  Raum  vertraut  gemacht,  der  fast  die  Hälfte  Afrikas  umfaßt  (Westsudan, ­
  große  Teile  des  mittleren  Sudans  und  der  Sahara).  Er  hat  über  den  Benue  und  die
Tuburi-Sümpfe  Klarheit  gebradit.
„Und  dies  ist  das  Hauptverdienst,  das  ich  für  mich  in  geographischer  Hinsicht  in  Anspruch  nehme:
die  von  mir  durchzogenen  Landschaften  in  dem  Gesamtbilde  ihrer  Oberflächenverhältnisse  mit  aller  Treue
dargestellt  zu  haben,  wie  es  einem  Beobachter  bei  einmaligem  Durchzuge  oder  kurzem  Aufenthalte  immer
nur  möglich  war  .  .  .  Zumal  muß  ich  es  dringend  beklagen,  daß  ich  weder  ein  Aneroid-Barometer,  noch
ein  zuverlässiges  Thermometer  besaß,  um  Höhenmessungen  mit  kochendem  Wasser  anzustellen.“
Später  hat  Barth  nodi  viele  längere  Reisen  ins  Mittelmeergebiet  ausgeführt,  aber  nur
eine  kleine  Schrift  darüber  veröffentlicht,  da  ihn  mit  45  Jahren,  am  25.  November  1865.  in
Berlin  ein  viel  zu  früher  Tod  ereilte.
Barth  hat  kein  regelmäßiges  meteorologisches  Tagebuch  geführt;  er  hat  aber  seine  Beobaditungen
  systematisch  zusammengestellt.  Die  Minimum-  und  Maximum-Thermometer  wurden
zerbrochen,  ehe  sie  irgend  einen  Nutzen  gewährten.  „Der  Unregelmäßigkeit  der  Beobachtungen
halber  gebe  ich  sie  als  das,  was  sie  sind:  Bruchstücke  eines  meteorologischen  Tagebuches.“
Die  Beobachtungen  beginnen  am  1.  April  1850  und  reichen  bis  27.  Juli  1855  mit  vielen
Unterbrediungen.  Es  sind  die  Stunden  (zuweilen  die  Angabe:  Sonnenaufgang  usw.),  anfangs
die  Temperaturen  nach  Celsius,  dann  nach  Fahrenheit  verzeichnet,  dazu  kommen  oft  besondere ­
  Bemerkungen  („starker  Gibleh“,  „um  8  Uhr  trat  Regen  ein“,  „kalter  Nordwind“,  „heißer
Nordwind“  usw.).  Alle  diese  Beobachtungen  sind  am  Schluß  der  einzelnen  Bände  zusammengestellt ­
  und  werden  keinen  sehr  großen  wissenschaftlichen  Wert  besitzen,  da  sie  sehr  liickenliaft
  und  unzureidiend  sind.
Es  ist  erstaunlich,  welche  Fülle  von  Stoff  in  der  Zeit  von  über  5  Jahren  von  Barth  bewältigt
worden  ist.  Das  war  nur  möglich,  weil  er  sich  auf  seine  sehr  genauen  und  umständlichen  Arbeiten ­
  stützen  konnte.  Das  Reisewerk  ist  durch  die  Verleger  Justus  Perthes  in  Gotha  und
Thomas  L  o  n  g  m  a  n  n  in  London  für  damalige  Zeit  vorzüglich  ausgestattet  worden,  und  auch
die  trefflichen  Karten  Petermanns  und  die  von  Be  matz  in  München  nach  Barths  Skizzen
angefertigten  Bilder  haben  zum  Erfolg  des  fünfbändigen  großen  Reisewerkes  beigetragen.
Zwar  wurde  von  der  Kritik  die  Überladung  de  ;  Textes  mit  unwesentlichen  Kleinigkeiten  getadelt, ­
  aber  es  wurde  auch  gesagt,  daß  Barth  treu,  gewissenhaft,  sorgfältig,  nüchtern,  „ganz
wie  ein  Gelehrter  der  alten  Schule“  berichtet  habe.
„Während  Barth  seine  Reise  mit  mehr  Geist  und  von  einem  höheren  Standpunkte,  also
mit  einem  bleibenden  Nutzen  ausgeführt  und  dargestellt  hat,  reizt  Livingstones  Buch  durch  die
angenehme  Darstellung,  die  an  Herodot  erinnert.“  Und  die  Engländer  sagten,  daß  Barth  als
Deutscher  „kosmopolitischere  und  tolerantere  Anschauungen  besaß,  als  die  Engländer  für
gewöhnlich  hegen.“  Er  sei  „das  Muster  eines  Forschungsreisenden  gewesen:  geduldig,  beharrlich, ­
  entschlossen  und  zufrieden  mit  Wenigem."
            
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